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Ein ganz großer Glücksgriff

Gitarrist Marty Hall verblüfft Publikum

BAD EILSEN. Bemerkenswert viele Zuhörer sind der Einladung zu einem Konzert gefolgt, das der kanadische Gitarrist Marty Hall in der Wandelhalle des Bad Eilser Rehazentrums gespielt hat. „Ich bin völlig überwältigt und freue mich riesig, Marty ist ein ganz großer Glücksgriff für uns“, verdeutlichte Organisatorin Kerstin Henke die außergewöhnliche Resonanz.

veröffentlicht am 30.12.2018 um 14:47 Uhr
aktualisiert am 30.12.2018 um 17:50 Uhr

Marty Hall verblüffte das Publikum in der Wandelhalle des Rehazentrums. Kerstin Henke dankt dem Gitarristen für dessen bemerkenswerte Darbietungen. Foto: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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Die Freizeittherapeutin sprach über einen Künstler, der sich in den zurückliegenden Jahrzehnten als Gitarrenvirtuose, Singer-Songwriter und Recording-Artist international allerhand Renommee erworben hat. „Genau betrachtet begleitet mich das Saiteninstrument seit 52 Jahren“, gab der 56-jährige Hall im privaten Gespräch zu verstehen. Henke sprach aber auch über einen Künstler, dessen Laufbahn vor einigen Jahren ein schwerer Unfall zu beenden schien. „Ich habe mir das Genick gebrochen und seitdem funktionieren nur noch zwei Finger meiner linken Hand“, erklärte der mittlerweile in Deutschland beheimatete Kanadier.

Mit dem Unfall ging eine vierjährige Unterbrechung des Gitarrespielens einher. Entgegen aller Prognosen kehrte er mittlerweile auf die Bühnen zurück und hat 2017 mit „Platinum Blues“ sein inzwischen neuntes Album veröffentlicht. Im Anschluss an die Verbesserung seines Gesundheitszustandes gastiert Hall immer wieder in Rehabilitationszentren. „Damit möchte ich meinen Therapeuten danken und den Patienten dieser Einrichtungen aufzeigen, dass man es schaffen kann“, legte der sympathische Künstler dar, dem Auftritte vor 20 000 oder 30 000 Besuchern bei großen Bluesfestivals nicht fremd sind.

Bedingt durch die Immobilität von Ring- und kleinem Finger (die während der Konzerte mittels Klebeband ruhig gestellt werden) hat der Rechtshänder eine Spieltechnik entwickelt, die sowohl Plektrumgebrauch als auch Fingerpicking-Elemente aufgreift. Bemerkenswert ist der Verzicht auf offene Stimmungen, in den die Saiten seiner akustischen Gitarren auch ohne Niederdrücken als Akkord klingen würden.

„Ich spiele nach wie vor in der hergebrachten Standardstimmung“, erläuterte Hall. Und wer um diese Umstände nicht wusste, hat vermutlich kaum einen Unterschied zu „normalen“ Gitarrenspielern vernommen.

Mühelos gelang es ihm, sein Publikum bereits nach wenigen Takten des Klassikers „Rock Me Baby“ für sich einzunehmen. Bis zum Zugabenteil, in dem unter anderem ein faszinierendes „Georgia On My Mind“ erklang, gab es überwiegend Blues- und Rock-Verwandtes. Herausragend: Tom Pettys „I Won‘t Back Down“, Tom Jones‘ „Green, Green Grass Of Home“, das von Nat King Cole und Frank Sinatra bekannte „Fly Me To The Moon“ und das hierzulande als „Tag, als Conny Kramer starb“ verhunzte „The Night, They Drove Old Dixie Down“.

Und zwischen den Songs stellte Hall unter Beweis, dass er auch Entertainerqualitäten besitzt. Etwa als er abseits sitzende und munter plaudernde Gäste fragte, ob „im Backstagebereich alles in Ordnung“ sei. Oder als er vor einem Liedeslied vom Auditorium die Bedeutung des Wortes „Kurschatten“ wissen wollte. „Das macht in meiner Sprache keinen Sinn“, merkte er augenzwinkernd an.




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