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„Wir arbeiten uns jetzt in Richtung Bückeburg vor“

Harrlstollen: Wie Bergbau-Azubis Praxiserfahrungen sammeln

AHNSEN. Die Sanierung des Harrlstollens stößt auch in Fachkreisen auf Interesse. Eigentümer Daniel Schmidt richtet das Bergbaurelikt mit Unterstützung freiwilliger Helfer als Besucherbergwerk her. Bergbau-Azubis aus Nordrhein-Westfalen und Thüringen haben einen einwöchigen Praxis-Lehrgang „Ausbautechnik“ absolviert.

veröffentlicht am 28.01.2019 um 14:54 Uhr

Im hinteren Bereich der Strecke, die Daniel Schmidt und seine Mitstreiter derzeit instandsetzen, wartet noch viel Arbeit auf die Kumpel. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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AHNSEN. Thema ist das Erstellen des sogenannten Holzausbaus gewesen, mit dem das „Gebirge“ über den in den Berg gehauenen Stollengängen abgestützt wird, um die Bergleute so vor etwaigem Steinschlag zu schützen.

Zweimal pro Jahr hat Schmidt solche Ausbildungsgruppen zu Besuch, seit er im August 2017 mit der Instandsetzung des Harrlstollens begonnen hat. Das ehemalige Steinkohlebergwerk biete sich deshalb für die firmenübergreifenden Lehrgänge an, da die jungen Leute hier einen Holzausbau „auf langer Strecke“ einbauen können, erklärt Schmidt. Dabei sei auch darauf zu achten, dass die Konstruktion „in der Stunde hängt“, wie es in der Bergmannssprache bezogen auf ein altes Winkelmaß heißt. Das bedeutet: Der Holzausbau muss in der vorgesehenen Längsrichtung korrekt ausgerichtet sein, also in einer Flucht stehen.

Darüber hinaus lernen die Auszubildenden bei dieser Arbeit, wie der neue Holzausbau mit zur Stollendecke hin aufgebrachten Holzbohlen und darauf dicht an dicht übereinander gepackten Gesteinsbrocken („Versatz“) an das alte „Gebirge“ anzupassen ist.

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Von Hand baut Bergbau-Azubi Benjamin Steinmetz die Stein-Packlage ein, um dadurch einen Gebirgsschluss herzustellen. Foto: wk

Wie von Schmidt, der beruflich als Reviersteiger im Steinkohlebergbau tätig ist, weiter zu erfahren ist, werden für einen dauerhaften Grubenausbau heutzutage überwiegend Bogenausbauprofile aus Stahl verwendet. Auch Beton kommt vielfach zum Einsatz. Ein Holzausbau nach traditioneller Bergmannskunst indes wird in modernen Bergwerken nur noch zum temporären Ausbau eines Stollengangs erstellt.

Im Harrlstollen haben die Auszubildenden bei diesem die Theorie ergänzenden Praxis-Lehrgang die Möglichkeit, handwerkliche „Grundfertigkeiten“ des Bergbaus zu lernen, führt Peter Angerbach weiter aus. Nicht unerwähnt lässt der Ausbildungsleiter des Dortmunder Unternehmens Deilmann-Haniel, dass in früheren Zeiten für den Holzausbau von Bergwerken „ganze Wälder unter Tage verschwanden“, so viele Baumstämme seien damals gebraucht worden.

Die auf den Schachtbau und die Instandhaltung von Bergwerken spezialisierte Deilmann-Haniel GmbH gehört nach Auskunft von Angerbach einem Ausbildungsverbund mehrerer in dieser Branche tätiger deutscher Unternehmen an. Darunter auch die thüringische Glückauf Sondershausen Entwicklungs- und Sicherungsgesellschaft (GSES), die die Hälfte der diesmal zehn Lehrgangsteilnehmer gestellt hat.

Die im Harrlstollen stattfindenden Praxiseinsätze der Bergbau-Azubis sind freilich auch für Schmidt eine gute Aktion. „Das bringt uns massiv nach vorn, weil es uns Arbeit abnimmt“, berichtet er. Gemeinsam mit seinen Helfern könne er sich dadurch um andere Dinge kümmern.

Zu tun gibt es auch noch genug, bis die von ihm auf insgesamt fünf Jahre angelegte Sanierung der Untertage-Anlage abgeschlossen ist und der Betrieb des geplanten Besucherbergwerkes aufgenommen werden kann. „Wir arbeiten uns jetzt in Richtung Bückeburg vor“, verrät Schmidt.

Wiederhergerichtet und auch schon zu einem großen Teil mit einem Holzausbau versehen ist inzwischen die rund 500 Meter lange, vom Eingang bis zu einem ehemaligen Mundloch (jetzt Notausstieg) reichende Hauptstrecke. Zumindest für ihn und seine Kumpel begehbar ist zudem ein von der Hauptstrecke abzweigender, gut 800 Meter langer Stollengang. Ist irgendwann auch dieser Abschnitt fertig, steht noch die Instandsetzung einer tiefer im Berg parallel dazu verlaufenden, circa 1000 Meter langen Strecke an. Diese soll mittels eines noch zu schaffenden Durchbruchs mit dem Ende des bereits erwähnten 800-Meter-Stollengangs verbunden werden, sodass ein Rundweg für Besucher entsteht.




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