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Vor Gericht: Hanfplantage in der Wohnung

Immer was zu rauchen im Haus

BAD EILSEN/BÜCKEBURG. Süßlicher Geruch waberte durch ein Mehrfamilienhaus in Bad Eilsen. Einer Zeugin kam das verdächtig vor. Als daraufhin im August 2017 Polizisten anrückten, stießen die Beamten in einer Wohnung auf eine Hanfplantage, betrieben von einem Ehepaar. Sie fanden fast 1500 Gramm Marihuana „in Form von Blüten und Blättern“, wie es in einer Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bückeburg heißt.

veröffentlicht am 18.11.2018 um 09:59 Uhr

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Juristen sprechen in solchen Fällen von einer nicht geringen Menge, weshalb die Tat als Verbrechen eingestuft wird und der oder die Betreiber in der Regel vor dem Schöffengericht landen, dessen Strafgewalt bis zu vier Jahren Haft reicht. In diesem Fall war der Grenzwert um mehr als das 20-Fache überschritten.

Im Prozess gegen das Ehepaar beließ es das Bückeburger Schöffengericht bei Bewährungsstrafen von zwölf und 15 Monaten. Zuvor hatten die Angeklagten Geständnisse abgelegt. Nicht widerlegen ließ sich die Einlassung der Eheleute, dass die Drogen zum Eigenkonsum bestimmt gewesen seien, nicht zum Verkauf. Eigenen Angaben zufolge brauchten beide damals vier bis fünf Gramm Marihuana täglich, heute dagegen „so gut wie gar nichts“ mehr. „Wir gehen ja auch beide arbeiten“, erklärte der Mann.

Im Fall des 32-Jährigen erkannte das Gericht auf die gesetzliche Mindeststrafe von einem Jahr, während die Frau (28) einen kleinen Aufschlag bekam. Ihre Strafe fällt höher aus, weil sie bereits in zwei Fällen wegen Rauschgiftdelikten vorbestraft ist. Der Mann ist zwar ebenfalls vorbelastet, jedoch wegen Trunkenheit im Straßenverkehr und Erschleichens von Leistungen.

Für die Angeklagten sprach vor allem deren günstige Sozialprognose. Beide haben mittlerweile einen Job. „Arbeit hält von Dummheiten ab“, so Richter Dr. Dirk von Behren. Hinzu kommt: „Man hat geheiratet“, wie Verteidiger Marco Vogt berichtete. Das nennt man geregelte Verhältnisse.

Verbunden ist die Entscheidung mit strengen Auflagen. So müssen sich die Verurteilten einer ambulanten Therapie unterziehen und regelmäßig testen lassen, ob sie noch Drogen nehmen. Ihre Jobs dürfen sie weder kündigen noch durch eigenes Verschulden verlieren.

Nach Überzeugung von Oberstaatsanwalt Frank Hirt geht es jetzt vor allem um die Frage: „Wie kommt man von den Drogen weg?“ Ein strukturierter Tagesablauf, so Hirt, sei dabei sehr wichtig. Zu den Auflagen und Weisungen, die das Ehepaar bekommen hat, gehören auch Geldbußen: Die Frau muss 500 Euro zahlen, der Mann 1000 Euro, weil er mehr Geld verdient.

Zu Beginn der Hauptverhandlung hatte das Gericht den Angeklagten nach einem Gespräch aller Beteiligten Freiheitsstrafen mit Bewährung zugesichert - allerdings im Gegenzug für Geständnisse. ly




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