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„Politischer Abend“ der Kirchengemeinde Bad Eilsen

Landesbischof Manzke sieht die Demokratie in Gefahr

BAD EILSEN. Zu einem „Politischen Abend“ mit Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke hat die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bad Eilsen eingeladen. Impulse bot ein mit „Die leidenschaftliche Arbeit für die westliche Demokratie als gesellschaftliche Aufgabe“ überschriebener Vortrag des Theologen.

veröffentlicht am 21.02.2019 um 16:20 Uhr
aktualisiert am 21.02.2019 um 17:10 Uhr

Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke (rechts) betonte, dass es angesichts der „gewaltigen Veränderungen“ auch erforderlich ist, über schwierige Themen zu reden. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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BAD EILSEN. Als Teil der derzeit laufenden Visitation von Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bad Eilsen hat ein „Politischer Abend“ auf dem Programm gestanden. Eingeladen hierzu waren Vertreter der lokalen Vereine, der Freiwilligen Feuerwehr, der Kindertagesstätten und nicht zuletzt der Politik.

Zum Auftakt der in der Christuskirche ausgerichteten Veranstaltung hielt Manzke einen Impulsvortrag, der als Diskussionsgrundlage dienen sollte, oder, wie er es formulierte „der zeigen soll, dass es sich lohnt, die Kräfte gemeinsam einzusetzen“, und dies in einer Zeit, in der man sich klarmachen müsse, was die Basis für das Zusammenleben sei. Überschrieben war der Vortrag mit „Die leidenschaftliche Arbeit für die westliche Demokratie als gesellschaftliche Aufgabe“.

Gut eine Stunde referierte der Landesbischof über dieses Thema. Er sprach darüber, dass die Gesellschaft in Deutschland vor „gewaltigen Veränderungen“ stehe. Er erinnerte an den sich vollziehenden demografischen Wandel und dessen Auswirkungen auf den Generationenvertrag im Bereich der Sozialversicherung. Zudem merkte er an, dass es hierzulande inzwischen Parteien gebe, laut denen „das Abendland“ und „unsere kulturellen Werte“ vor den Kirchen und den politisch Verantwortlichen „gerettet“ werden müssten. „Fundamental-aggressiv“ würden im Bundestag „bewährte Konzepte“ infrage gestellt. Ferner nähmen die Attacken auf Rettungskräfte und Polizisten zu.

„Der Ton ist rauer geworden“, betonte Manzke. „Es geht um was – auch um den Bestand der Demokratie!“

In diesem Kontext nannte er einige Aspekte, die „unsere Kultur“ ausmachen: die Aufklärung, die Trennung von Staat und Religion, der Rechtsstaat („die unbedingte Geltung des Rechts“) sowie die Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit. Ergänzend führte der Theologe an, man sei – dem christlichen Glauben nach – „vom Gewissen her“ Gott gegenüber verantwortlich. Überdies gelte, dass „der Einzelne in seiner Würde unantastbar“ sei.

Aber, mahnte Manzke in Anspielung auf die Zeit der Nazi-Diktatur, „es gab eine Phase in Deutschland, in der diese Errungenschaften mal abgeschafft wurden“.

Dies also war – zusammengefasst – sein Impuls für die sich an den Vortrag anschließende Gesprächsrunde, die „im offenen Austausch“ stattfinden sollte. Tatsächlich aber ging zunächst keiner der Teilnehmer auf die von Manzke gesetzten Themen ein. Vielmehr erkundigte sich Paul Mühe (Verein IGEL) danach, wie die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr seelsorgerisch betreut werden. Dr. Willi Dreves (CDU-Ratsherr im Eilser Samtgemeinderat und Kreistagsmitglied) regte an, darüber nachzudenken, wie die Gottesdienste angesichts der allgemein vielen Kirchenaustritte und wenigen Gottesdienstbesucher interessanter gestaltet werden können. „Lasst Euch doch mal was einfallen“, appellierte er. Und Kerstin Henke, Freizeittherapeutin beim Rehazentrum Bad Eilsen, wünschte sich, dass sich die lokalen Institutionen einmal jährlich treffen, um die jeweiligen Veranstaltungstermine aufeinander abzustimmen.

Dies veranlasste Dreves zu dem Einwand, dass es in Bad Eilsen pro Jahr rund 150 Veranstaltungen gebe, das Jahr aber nur 52 Wochenenden habe. Besser, man habe zwei bis drei Sachen zur Auswahl, als an zwei bis drei Wochenenden gar nichts anzubieten, fügte Bernd Schönemann, Bürgermeister der Samtgemeinde Eilsen, hinzu. Und: „Es werden sich Überschneidungen nie vermeiden lassen.“

Manzke griff die Termin-Problematik auf, indem er erklärte, die Kirche wolle zukünftig gerne zu solchen Treffen einladen und diese zur Tradition machen.

Nach aus der Versammlung zu hörendem Lob (etwa für die Pastoren der Bad Eilser Kirchengemeinde) und anderen Wortbeiträgen, kam der Landesbischof auf sein Eingangsthema zurück. So sprach er nochmals die „kulturelle Frage“ an, wobei er als Beispiel die bunt gemischten Bevölkerungen von Duisburg und Berlin-Kreuzberg brachte. „Es geht schon auch um Grundlagen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens“, versuchte er die Teilnehmer zu „locken“.

„Das Vorleben ist wichtig“, meinte daraufhin Christel Bergmann, Bürgermeisterin der Gemeinde Bad Eilsen. Es gehe darum, den Flüchtlingen zu zeigen, wie hier gelebt wird. Damit jedenfalls habe man in der Kirchengemeinde schon vieles erreicht.

Hans-Günter Stühm (UNICEF-Team Schaumburg) ergänzte, er habe den Eindruck, dass er in den mit Flüchtlingen geführten Gesprächen über Religion „eine gewisse Toleranz erzeugen“ könne. Demgegenüber beklagte Anja Hillmann (Verwaltungsmitarbeiterin der Kirchengemeinde), der Staat schiebe die Flüchtlingshilfe zu sehr auf das Ehrenamt ab. Der Staat könne nicht alles leisten, wandte Manzke hierzu ein. Zudem lebe eine Gesellschaft davon, dass sich Menschen ehrenamtlich für das Gemeinwohl engagieren.

Letzteres war ein Stichwort für Dreves: Leider seien immer weniger Menschen bereit, sich in der Politik zu engagieren, monierte er. Das jedoch sei eine „Bürgerpflicht“. Stattdessen sei man aber „eine Zuschauerdemokratie und Spaßgesellschaft“ geworden.

„Politik hat mittlerweile ein Geschmäckle bekommen“, befand Rolf Prasuhn (Schützenverein Bad Eilsen). Eine Aufgabe der Parteien sei es daher, Werbung für sich zu machen und Leute zu integrieren.

Und was die Flüchtlinge beziehungsweise Zuwanderer betrifft: Man müsse sich daran gewöhnen, dass der Ausländeranteil ansteigen wird, sagte Prasuhn. Dies sei aufgrund der demografischen Entwicklung aber auch notwendig, um Arbeitsplätze zu besetzen, die „wir“ nicht mehr besetzen können; ebenso wegen des Generationenvertrages in der Sozialversicherung.

Vor diesem Hintergrund appellierte Prasuhn, Flüchtlinge in Gruppen und Vereine zu integrieren, damit sich diese „assimilieren“ können.




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