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Heimatforscher in Koblenz gestorben

Luhden trauert um Fritz Voigt

LUHDEN. Eine schier unendlich sprudelnde Quelle heimatgeschichtlicher Erinnerung ist versiegt. Mit Fritz Voigt hat die Gemeinde Luhden einen der bedeutendsten Mitarbeiter an der Aufarbeitung der Dorfgeschichte und Verfassung der Chronik „Luhden-Schermbeck – ein Dorf im Wandel der Zeiten“ verloren. Der noch bis zuletzt an der Übersetzung alter Dokumente arbeitende Heimatforscher ist am 4. Juni im Alter von 97 Jahren in Koblenz verstorben.

veröffentlicht am 11.06.2019 um 12:45 Uhr
aktualisiert am 11.06.2019 um 16:30 Uhr

Verstorben: Fritz Voigt. Foto: pr
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Voigt wurde am 23. Dezember 1921 in Luhden Nr. 66 (heute Dorfstraße 5) geboren und hat dort seine Kindheit und Jugend verbracht. 1936 trat er als Verwaltungslehrling bei der Schaumburg-Lippischen Landesregierung in Bückeburg seinen Dienst an, war dort anschließend als Gerichtsschreiber tätig. Über seinen Kriegsdienst vom Januar 1940 bis Juli 1945 existiert eine 430 Seiten umfassende Biografie mit dem Titel „Meine Erlebnisse in schlimmen Zeiten“. Ab August 1945 war Voigt Angestellter der Landeshauptkasse Bückeburg, später des Regierungspräsidiums Hannover. 1956 zog es ihn nach Koblenz, wo er beim Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung zunächst als Angestellter und später als Beamter des gehobenen Dienstes tätig war. Von 1970 bis zu seiner Pensionierung Ende 1986 gehörte er als Regierungsoberamtsrat dem Bundeswehrverwaltungsamt in Bonn an.

In seinem Herzen blieb der 1986 vom damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnete Voigt aber immer Schaumburger und Luhdener, der sich in seiner Freizeit neben dem Wandern auch der Ahnenforschung- und der Erforschung seiner Heimat besonders verschrieben hatte.

Als die Gemeinde Luhden 2008 unter Führung des damaligen Bürgermeisters Peter Zabold die Erstellung einer Dorfchronik ins Auge fasste, war es wie ein Wink des Schicksals, dass Fritz Voigt davon Wind bekam und sofort seine Mitarbeit anbot. Im Zusammenspiel mit dem leider noch vor Erscheinen der Erstausgabe verstorbenen Günter Döring und dem Chronikteam um Bürgermeister Zabold entstand ein umfangreiches Werk, das einen detaillierten Einblick in die hiesige Lebensart der vergangenen Jahrhunderte bietet und Ereignisse dokumentiert, die für Luhden und Schermbeck prägend waren.

Besonders geschätzt wurde Voigts Fähigkeit, alte Schriften, Urkunden und Archivalien ausfindig zu machen und zu übersetzen. Voigt wertete alte Kirchenbücher, „Ehebeschreibungen“ und andere Archivalien aus. Als weitere Projekte Voigts seien hier detaillierte Untersuchungen hinsichtlich der kirchengemeindlichen Zugehörigkeit Luhdens und der St.-Katharinen-Kapelle und über das Leben auf der Frankenburg genannt. Er hinterließ der Gemeinde 26 prall gefüllte Aktenordner mit Aufzeichnungen und Berichten über Luhden.

Selbst nach Erscheinen der 2. Auflage der Chronik im Jahr 2011 ist der Informationsfluss zwischen dem Altbürgermeister und dem „alten Fritz“ nie abgerissen. Zabold würdigt Voigt im Namen der Gemeinde folgendermaßen: „Luhden verneigt sich in tiefer Dankbarkeit und großer Ehrfurcht vor dem Verstorbenen. Sein Name wird unauslöschlich mit der Luhdener Dorfgeschichte verbunden bleiben.“

Die Trauerfeier und Beisetzung von Fritz Voigt findet am Donnerstag, 13. Juni, um 14.30 Uhr in der Kapelle des Hauptfriedhofes Koblenz, Hüberlingsweg, statt.




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