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Hasse Agrar-Service: Anwohner beklagen Lärm- und Staubbelastung

„Nicht besser, sondern viel schlimmer“

HEEßEN. Der Widerstand gegen den von dem Agrar-Unternehmer Dirk Hasse auf dessen Hof in Heeßen geplanten Neubau einer großen Fahrzeughalle sowie gegen dessen im Ortskern ansässigen Betrieb wächst: Nachdem sich ein einzelner Anwohner bei einer im September abgehaltenen Sitzung des Gemeinderates über die von dem Firmengelände ausgehende Lärmbelastung beklagt hatte, haben sich mehrere Anwohner diesem Protest angeschlossen.

veröffentlicht am 22.10.2018 um 12:12 Uhr
aktualisiert am 22.10.2018 um 19:10 Uhr

Mehrere Heeßer Bürger fühlen sich durch das Unternehmen Hasse Agrar-Service gestört. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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HEEßEN. Der Widerstand gegen den von dem Agrar-Unternehmer Dirk Hasse auf dessen Hof in Heeßen geplanten Neubau einer großen Fahrzeughalle sowie gegen dessen im Ortskern ansässigen Betrieb insgesamt wächst: Nachdem sich ein einzelner Anwohner bei einer im September abgehaltenen Sitzung des Gemeinderates über die von dem Firmengelände ausgehende Lärmbelastung beklagt hatte (wir berichteten), haben sich mittlerweile mehrere Anwohner diesem Protest angeschlossen.

Genauer: Mit einem gemeinsamen Beschwerdeschreiben haben sich nun 21 Bewohner der oberhalb des Hasse’schen Hofes gelegenen Straße Im Siek an den Bürgermeister und den Rat der Gemeinde Heeßen gewandt, um ihren gleichermaßen gelagerten Unmut kundzutun. Ihr Schreiben nebst Unterschriftenliste überreichten sie den Adressaten anlässlich der jüngsten Sitzung des „Ortsparlamentes“.

„Natürlich ist uns bewusst, dass wir in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend wohnen, wo wir auch gerne leben und die damit verbundenen Beeinträchtigungen gerne in Kauf nehmen“, heißt es in dem Beschwerdeschreiben. Allerdings sei man, wie es auch die Ratsfrau Gabriele Walz auf den Punkt gebracht habe, der Meinung, „dass die Firma Hasse kein landwirtschaftlicher Betrieb mehr ist“ und dass dieser deshalb „nicht mehr in den Ortskern gehört“. „Schon jetzt kommt es zu einer erheblichen Lärm- und Emissionsbelastung“, führen die Anwohner weiter aus. „So werden zu jeder Tages- und Nachtzeit Tätigkeiten durchgeführt, die einfach die Ruhe der angrenzenden Bewohner nachhaltig stören. Sogar am Sonntag in der Mittagszeit werden Mähdrescher und anderes Gerät mit einem Kompressor gereinigt, sodass man draußen sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Dazu kommen Verunreinigungen unserer Häuser und Fahrzeuge während der Maistrocknung.“

Durch den Bau einer „riesigen Halle und Zentrierung des Fahrzeugparks“ werde die Situation „sicher nicht besser, sondern viel schlimmer“, befürchten die Beschwerdeführer. Das Argument eines Ratsmitgliedes (Heinrich Meier/CDU, Ratssitzung vom Juni 2018; Anm. d. Red.), dass jene Zentrierung zu weniger Verkehr im Ort führen würde, sei daher „überhaupt nicht nachvollziehbar und entbehrt jeder Logik“.

Überdies erklären die Anwohner in ihrem Schreiben, dass sie nicht mehr bereit seien, das alles so hinzunehmen. Zudem bitten sie den Bürgermeister und den Gemeinderat „eindringlich“, den zu der von Dirk Hasse gewünschten 7. Änderung des Bebauungsplanes Nummer 12 „Ortskern“ bereits gefassten Aufstellungsbeschluss noch einmal zu überdenken.

Einige der Beschwerdeführer meldeten sich bei der jüngsten Sitzung des Heeßer Gemeinderates auch persönlich zu Wort: So erklärte einer, dass sich die Anwohner der Straße Im Siek nur deshalb nicht schon früher zu Wort gemeldet hätten, weil man bislang geglaubt habe, mit dem Problem der Lärm- und Staubbelastung allein zu sein. Doch mittlerweile habe man erfahren, „dass es mehr Leute sind, die sich das nicht mehr gefallen lassen möchten“.

Und ein anderer Unterzeichner des Beschwerdeschreibens betonte: „Es hat sich jetzt tatsächlich Widerstand formiert.“

Seitens der Anwohner kam dann noch die Forderung nach einer Langzeit-Lärmmessung auf, bei der die von dem Hasse-Hof ausgehenden Schallemissionen eben über einen ausreichend langen Zeitraum erfasst werden sollen, um die von ihnen empfundene Lärmbelastung nachzuweisen.

Als Vater des Agrar-Unternehmers Dirk Hasse erklärte das Ratsmitglied Gerhard Hasse (parteilos), dass die geplante Fahrzeughalle als Lärmschutz fungieren würde, wenn man diese entsprechend ausrichten würde. Auch versuchte er, die gegen den Familienbetrieb gerichtete Kritik zu relativieren; etwa mit dem Hinweis, dass man die Maistrocknungsanlage bei geschlossenen Wohnungsfenstern eigentlich nicht hören dürfte.

Doch erhielten die Anwohner Rückendeckung von Frank Harmening, dem stellvertretenden Bürgermeister (CDU) der Gemeinde: Er selbst wohne ebenfalls Im Siek, und ja, der Betrieb von Dirk Hasse sei tatsächlich „erheblich laut – und auch lauter als manch einer meinen mag“, berichtete Harmening. Ferner stellte er klar, dass sich auch Hasse Agrar-Service „an Regeln halten“ müsse. Und an die Beschwerdeführer gerichtet bestätigte Harmening, dass in Sachen Bebauungsplanänderung bislang noch nichts endgültig entschieden sei.

Aus dem Kreis der Veranstaltungsteilnehmer wurde schließlich angeregt, dass sich die Anwohner mit dem Agrar-Unternehmer Dirk Hasse zusammensetzen sollten, um über die bestehenden Probleme zu sprechen. Gerhard Hasse befürwortete dies ebenfalls, woraufhin die SPD-Ratsfrau Gabriele Walz bissig anmerkte, dass bei solch einem Treffen dann aber auch die „zuständige Person“ (Dirk Hasse) dabei sein müsse „und nicht ein Stellvertreter, der nichts zu sagen hat“.

Ein solches Gespräch könne ja auch außerhalb des Gemeinderates geführt werden, schlug Gemeindedirektor Bernd Schönemann vor. Zudem kündigte er an, dass sich die Verwaltung mit dem Bauordnungsamt des Landkreises Schaumburg in Verbindung setzen werde, das die geforderten Lärmmessungen durchführen lassen könne.

Heinz-Hardy Hoffmann (zweiter stellvertretender Bürgermeister; Grüne) stellte sich dergestalt auf die Seite der genervten Anwohner, indem er erklärte, dass es sich bei Hasse Agrar-Service um ein Unternehmen handele, dass sich von einem Bauernhof zu einem Logistikbetrieb entwickelt habe.




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