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Keine Investition in Schallschutz

Rehazentrum Bad Eilsen: Beschwerden über Straßenlärm

BAD EILSEN. Weil sich immer wieder Patienten des Rehazentrums Bad Eilsen über den von der Bückeburger Straße ausgehenden Verkehrslärm beklagen, hat die Klinik eine Lärmmessung durchgeführt. Das Ergebnis hat die Klinik jetzt vorgestellt – und um es schon mal vorwegzunehmen: Die Messwerte sind eine Überraschung.

veröffentlicht am 15.01.2019 um 09:45 Uhr

Die vom Rehazentrum präsentierte Grafik stellt die im „Brunnenhof“ bei gekipptem Fenster gemessenen Geräuschimmissionen dar. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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Konkret geht es um Beschwerden von Kurgästen, die während der Sommermonate in den zur Straßenseite hin gelegenen Zimmern des „Brunnenhofes“ und des „Quellenhofes“ einquartiert sind. Also in einer Zeit, in der aufgrund der hohen Außentemperaturen gern bei offenem Fenster geschlafen wird. Durch den von ihnen wahrgenommenen Straßenlärm fühlen sich dann jedoch manche Patienten in ihrer Nachtruhe gestört. Um hierzu belastbare „Lärm“-Daten zu haben, hat das Rehazentrum im November vergangenen Jahres eine Geräuschimmissionsmessung vorgenommen.

Dazu habe man ein sogenanntes Schallpegelmessgerät in einem Patientenzimmer (dritte Etage) des „Brunnenhofes“ aufgestellt, berichtet Dietmar Rösener, der Technische Leiter der Klinik. An dem ersten Tag wurde der dort wahrnehmbare Straßenlärm bei geschlossenem Fenster gemessen, an dem zweiten Tag bei gekipptem Fenster – jeweils in der Zeit von 15.30 bis 1 Uhr nachts.

Am dritten Tag erfolgte zu Vergleichszwecken noch eine Messung im „Quellenhof“, da in diesem Gebäude bereits moderne Schallschutzfenster der Schallschutzklasse 5 (zweithöchste Schallschutzklasse) eingebaut sind. Der „Brunnenhof“ indes ist bislang nur mit Schallschutzfenstern der Schallschutzklasse 2 ausgestattet. Die Messungen im „Quellenhof“ wurden ebenfalls in dem Zeitraum 15.30 bis 1 Uhr durchgeführt, aber – um die Wirkung der dortigen Schallschutzfenster zu prüfen – nur bei geschlossenem Fenster.

Das Schallpegelmessgerät habe die Geräuschimmissionen an den drei Tagen sekündlich erfasst, ergänzt Rösener. Die erhobenen Messwerte würden von der dazugehörigen Software jedoch – der besseren Übersichtlichkeit wegen – „halbstündlich“ aufbereitet dargestellt.

Das Resultat: Bei gekipptem Fenster liegen die im „Brunnenhof“ gemessenen Geräuschimmissionen laut Rösener durchweg unter 45 Dezibel (A), im Verlauf des Abends respektive der Nacht sogar mit auf unter fünf Dezibel (A) abnehmender Tendenz. Ab etwa 22 Uhr ragen nur ab und zu einzelne Geräuschspitzen besonders hervor, die aber allesamt unter 40 Dezibel(A) liegen.

Bei geschlossenem Fenster betragen die im „Brunnenhof“ gemessenen Geräuschimmissionen dagegen „nie über 20 Dezibel (A)“ (Mittelwert: „weniger als zehn Dezibel (A)“). Und im „Quellenhof“ war – nicht zuletzt wegen der hochwertigen Schallschutzfenster – „kaum was messbar“. Lediglich dreimal wurden dort „Ausreißer“ mit Werten bis zu maximal 14 Dezibel (A) gemessen.

Um diese Ergebnisse einzuordnen, verweist die Verwaltung auf die zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) erlassene „Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm)“. Demnach gilt in Kurgebieten sowie für Krankenhäuser und Pflegeanstalten tags ein Immissionsrichtwert in Höhe von 45 Dezibel (A) und nachts ein Immissionsrichtwert in Höhe von 35 Dezibel (A). Und: Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen diese Immissionsrichtwerte am Tage um nicht mehr als 30 Dezibel (A) und in der Nacht um nicht mehr als 20 Dezibel (A) überschreiten.

„Das hat uns überrascht“, resümiert Elke Unland, die Verwaltungsleiterin des Rehazentrums Bad Eilsen, mit Blick auf das Ergebnis der erfolgten Lärmmessung. Die subjektive Wahrnehmung der Patienten entspreche offenbar nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Bei etwaigen zukünftigen Beschwerden der Kurgäste über den Straßenlärm werde man diese informieren, dass die Geräuschimmissionen unter den vom Gesetzeber festgelegten Grenzwerten liegen.

Erledigt hat sich – so Unland – somit auch die seitens der Klinik zwecks Lärmminderung für erforderlich gehaltene Reduzierung der auf der Bückeburger Straße erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Ebenso der Gedanke, die aus dem Jahr 1990 stammenden Fenster des „Brunnenhofes“ gegen solche Schallschutzfenster auszutauschen, wie sie bereits im „Quellenhof“ eingebaut sind. In Anbetracht der geringen Lärmbelastung lohne sich die Investition in derartige Schallschutzfenster nicht, resümiert Rösener.




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