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Wegen Lärm: Anwohner diskutieren mit Agrar-Unternehmer

„Rufen Sie mich an, wenn Sie was stört“

HEEßEN. Bei einer öffentlichen Gesprächsrunde haben Anwohner ihrem Ärger über den im Ort ansässigen Agrar-Service Hasse Luft gemacht. Der Inhaber des Betriebes, Dirk Hasse, versprach, vermeidbaren Lärm abzustellen. Die von ihm geplante große Fahrzeughalle will er aber bauen.

veröffentlicht am 07.12.2018 um 10:13 Uhr
aktualisiert am 07.12.2018 um 16:50 Uhr

„Wir wollen Frieden im Dorf“, betonte Dirk Hasse (hinten, stehend) bei der Veranstaltung im „Heeßer Krug“. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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HEEßEN. Die von Anwohnern der Straße „Im Siek“ ausgesprochene Einladung zu einer „offenen Diskussion“ über den Agrar-Service Hasse, durch den sich jene Bürger in ihrer Ruhe gestört fühlen, ist auf Interesse gestoßen. Rund 60 Besucher fanden sich zu der im Restaurant „Heeßer Krug“ ausgerichteten Veranstaltung ein, darunter erwartungsgemäß etliche Einwohner des Dorfes. Dirk Hasse, Chef des in der Kritik stehenden Betriebes, nahm ebenfalls teil und hatte 20 seiner Mitarbeiter mitgebracht.
Termin war nicht
abgesprochen

„Wir möchten noch mehr Meinungen hören“, erklärte ein Sprecher der Bürgerinitiative, der namentlich nicht genannt werden möchte, den Zweck des Treffens. Bevor jedoch fast zwei Stunden lang debattiert wurde, musste sich jener Vertreter erst selbst ein paar kritische Stimmen zu der Aktion anhören: Schade sei, dass der Termin nicht mit dem Gemeinderat abgesprochen worden sei, monierte das Ratsmitglied Heinrich Meier (CDU). Denn dann hätte ein Termin gewählt werden können, an dem nicht ein Großteil des Rates aufgrund einer anderen, schon länger feststehenden Veranstaltung verhindert sei. Auch wäre es besser gewesen, so die Kritik, wenn auf den im Ort verteilten Einladungsschreiben ein Ansprechpartner der Bürgerinitiative angegeben worden wäre.

„Das Schreiben war schon sonderbar, da Ross und Reiter nicht genannt wurden“, ergänzte ein anderer Teilnehmer, und eine bei Hasse beschäftigte Heeßerin beklagte, dass nicht alle Einwohner des Dorfes eine Einladung erhalten hätten.

Nach dieser Manöverkritik trugen verschiedene Bürger ihre Meinung zum eigentlichen Thema des Abends vor. Hasse selbst nahm ebenfalls zu den gegenüber seinem Betrieb erhobenen Vorwürfen Stellung.

Angst vor Wertverlust
der eigenen Immobilie

Der besagte Sprecher der Bürgerinitiative erklärte, dass er – im Hinblick auf den von Hasse geplanten Bau einer großen Fahrzeughalle (wir berichteten) – „Angst“ vor noch mehr Lärm und einem dadurch bedingten Wertverlust seiner Immobilie habe. Ruhezeiten, Lärmschutz, Luftverschmutzung und Straßenverschmutzung seien – den Agrar-Service Hasse betreffend – Themen, die die Politik zu klären habe. Und: „Es sind viele, die schon bei Hasse vorgesprochen und gesagt haben: ,So geht es nicht‘.“

Ein anderer Vertreter der Bürgerinitiative stellte die Frage in den Raum, ob es sich bei dem Agrar-Service Hasse noch um einen in das Dorf passenden landwirtschaftlichen Betrieb handele. Die geplante Halle jedenfalls wäre seiner Meinung nach doch besser in einem Gewerbegebiet aufgehoben.

So langsam sei die „Zumutbarkeitsschwelle“ erreicht oder gar schon überschritten, befand ein anderer Anwohner. Hasses „Eigenwahrnehmung von Lärm“ scheine indes eine andere als die der Nachbarn zu sein, was aber „psychologisch leicht zu erklären“ sei, da Hasse den Lärm jederzeit abschalten könne, wohingegen dies den Nachbarn nicht möglich sei. Deutlicher noch: „Ich habe das Gefühl, ich wohne neben einem Industriebetrieb.“

Der Betrieb der Familie Hasse bestehe schon seit „hundert Jahren“, stellte sich einer der übrigen Veranstaltungsteilnehmer auf die Seite des Unternehmers, und schob an dessen Nachbarn gerichtet energisch nach: „Ihr habt doch um den Betrieb herumgebaut.“

Seine Familie wolle keinen Ärger im Dorf haben, betonte Hasse, und versprach: „Was stört, wird geändert.“ Dass beispielsweise Maschinen nachts mit einem Kompressor ausgepustet werden, das passiere nicht wieder. Und die geplante Halle solle nur dazu dienen, darin den Winter über Fahrzeuge und Maschinen (etwa Mähdrescher und Maishäcksler) einzulagern. Zu mehr Lärm werde dies nicht führen.

Ferner erklärte Hasse, dass es sich bei seinem Unternehmen sehr wohl noch um einen landwirtschaftlichen Betrieb handele. So bewirtschafte man noch landwirtschaftliche Flächen, wobei aus dem Landwirtschaftsbetrieb auch ein Gewerbebetrieb geworden sei. Jene Einstufung als Gewerbebetrieb sei jedoch lediglich eine „steuerliche Sache“, erbracht würden indes landwirtschaftliche Dienstleistungen für andere Landwirtschaftsbetriebe.

Er sei an einer guten Nachbarschaft interessiert, versicherte Hasse. Daher werde er zukünftig auch von sich aus das Gespräch mit den Nachbarn suchen. Und: „Rufen Sie mich an, wenn Sie was stört“, appellierte er. Solch eine Veranstaltung wie diese hier brauche man dann nicht noch mal. Aber, stellte der Agrar-Unternehmer klar: „Die Halle kommt da hin.“
In den nächsten zehn
Jahren keine Veränderungen

Auf Nachfrage des Ratsherrn Heinz-Hardy Hoffmann (Grüne) erklärte Hasse, dass es darüber hinaus in den nächsten zehn Jahren keine weiteren großen Veränderungen bezüglich der Gebäudesituation sowie des Fahrzeugs- und Maschinenparks geben werde. Vielleicht baue man aber später mal noch eine weitere Halle auf dem Hof.

Die SPD-Ratsfrau Gabriele Walz teilte gegen Ende der Veranstaltung mit, dass die Gemeinde Heeßen beim Landkreis Schaumburg eine Messung der von dem Betrieb ausgehenden Lärmemissionen beantragt habe. Hasse fügte hinzu, dass auch er eine Lärmmessung in Auftrag gegeben habe – und zwar bei dem Stadtplaner Matthias Reinold (Rinteln).




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