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13 Messerstiche: Buchholzer ein Fall für die geschlossene Psychiatrie

,,Sie sind kein böser Mensch‘‘

BUCHHOLZ/BÜCKEBURG. Der Buchholzer, der 13-mal mit einem Messer auf seine Frau eingestochen hat, ist ein Fall für die geschlossene Psychiatrie. Ein Bückeburger Schwurgericht hat gestern die Unterbringung des Rentners (57) im Maßregelvollzug angeordnet, gestützt auf ein psychiatrisches Gutachten. Der Sachverständige sieht in dem Angeklagten zum jetzigen Zeitpunkt eine Gefahr für die Allgemeinheit.

veröffentlicht am 05.12.2018 um 11:44 Uhr
aktualisiert am 05.12.2018 um 12:40 Uhr

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Am Abend des 16. Mai war der 57-Jährige aus dem Ehebett gestiegen und hatte sich ein Anglermesser geholt, mit dem er völlig überraschend zustach. Später rammte er sich die Klinge selbst in den Bauch. Der Frau war es gelungen, ihren Mann wegzustoßen und zum Nachbarhaus zu flüchten.

„Sie haben etwas Schlimmes getan, aber Sie sind kein böser Mensch“, wandte sich Richter Thorsten Garbe während der Urteilsbegründung dem Angeklagten zu. So habe dieser bei der Polizei angerufen und sich „nur Sorgen um seine Frau gemacht“. Garbe sprach von einem Drama, das über alle Beteiligten großes Leid gebracht habe. „Meine Mandantin ist zeitlebens geschädigt“, sagte Jens Grützmacher, der Anwalt der Frau.

Dem Gutachten zufolge leidet der Mann an einer Persönlichkeitsstörung. Er spaltet negative Gefühle ab. Am Abend der Tat „brachen sich die Aggressionen Bahn“, so der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt. Dazu kommt eine Schädigung des Gehirns durch mehrere Schlaganfälle. Außerdem hatte der Rentner vor der Bluttat wichtige Medikamente abgesetzt. „In ihm ist eine große Wut entstanden, die er nicht kontrollieren konnte“, erklärte Verteidiger Michael Einars.

Gleichzeitig hat das Gericht gestern vier Jahre Haft wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verhängt. Laut Gutachten war die Steuerungsfähigkeit des Buchholzers erheblich eingeschränkt. Er gilt als vermindert schuldfähig, nicht jedoch als unzurechnungsfähig. „Deshalb müssen wir ihn bestrafen“, so Richter Garbe.

Verbüßen muss der Buchholzer die Haftstrafe voraussichtlich nicht. „Sie müssen nicht damit rechnen, dass Sie nach erfolgreicher Therapie noch in Haft kommen“, erklärte Garbe ihm. Die Zeit werde angerechnet. Der Psychiater geht von „einigen Jahren“ in der Psychiatrie aus, nicht von Jahrzehnten. Die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie erfolgt auf unbestimmte Zeit, wird aber in jährlichen Abständen überprüft.

Vor der Tat war der 57-Jährige in mehreren Krankenhäusern und psychiatrischen Kliniken. Er litt unter starken Kopfschmerzen und hatte Angst, sich und seiner Frau etwas antun zu können. An die Messerstiche will er keine Erinnerung mehr haben. Das glaubt Oberstaatsanwalt Schmidt nicht: „Sie haben diese Bilder im Kopf“, sagte Schmidt. „Und sie werden damit leben müssen.“




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