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Noch viele offene Fragen zu Kaltplasma-Luftreinigungsgeräten

Umweltbundesamt hat kaum Informationen zur Verträglichkeit der Technik

DESSAU-ROßLAU. Mit Kaltplasma arbeitende Luftreinigungsgeräte sind nicht nur in der Grundschule Heeßen in Verwendung. Auch andernorts sind diese schon installiert, oder es wird zumindest über die Anschaffung solcher Geräte nachgedacht. Wie beurteilt das in Dessau-Roßlau ansässige deutsche Umweltbundesamt den Einsatz und die Sicherheit solcher Geräte?

veröffentlicht am 04.10.2021 um 12:21 Uhr

Michael_Werk

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„Plasmageräte werden seit längerem als Technik eingesetzt, um Bakterien und Viren zu inaktiveren, jedoch waren die Anwendungen meist auf kleine Räume mit wenig Personenverkehr begrenzt“, teilt das Umweltbundesamt auf Anfrage dieser Zeitung mit. Eine dauerhafte Anwendung der neuen, in letzter Zeit auf den Markt gebrachten Gerätetechnik in voll besetzten Räumen habe bisher jedoch nicht stattgefunden. Daher lägen bisher auch „kaum Informationen zur Verträglichkeit dieser Technik aus umweltmedizinischer beziehungsweise betriebsärztlicher Sicht“ vor. Insbesondere sind dem Umweltbundesamt eigenen Angaben nach keine Langzeitstudien zur Wirkung der in den Kaltplasma-Geräten entstehenden Hydroxylradikale in Innenräumen bekannt. Zwar träten Hydroxylradikale an sonnigen Tagen auch natürlicherweise in hohen Konzentrationen in der Außenluft auf, wo diese als solche für den Menschen nicht gefährlich seien. Da Hydroxylradikale in der Luft aber „sehr rasch chemische Reaktionen aller Art“ in Gang setzen, an deren Ende laut der Behörde teilweise unbekannte Substanzen beziehungsweise in der Regel auch Ozon stehen, besteht „die generelle Möglichkeit, dass man im Innenraum nicht nur Organismen abtötet, sondern auch neue, unerwünschte Stoffe erzeugt“. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher sich vom Hersteller nachweisen zu lassen, dass durch das Gerät keine bedenklichen Nebenprodukte in den Innenraum gelangen können.

Nicht bekannt ist nach Aussage des Umweltbundesamtes, ob es einen Unterschied macht, ob sich Kinder oder Erwachsene in einem Raum aufhalten, in dem Kaltplasma-Luftreinigungsgeräte in Betrieb sind. „Jedoch wäre anzunehmen, dass Kinder aufgrund des auf das Körpergewicht bezogenen höheren Atemminutenvolumens stärker exponiert sind und eventuell auch stärker reagieren. Außerdem befinden sich ihre Lungen noch in der Entwicklung, was bei Luftschadstoffen einen zusätzlichen Risikofaktor darstellt.“

Ebenfalls nicht bekannt ist dem Umweltbundesamt, ob es einen Unterschied macht, ob die Kinder oder Erwachsenen der durch solche Geräte gereinigten Raumluft nur kurz oder stunden-, tage-, monate- oder jahrelang ausgesetzt sind. Bislang seien solche Geräte nicht in entsprechenden Settings eingesetzt worden, erklärt die Behörde. In der Regel sei es aber so, dass gesundheitsabträgliche Wirkungen von Luftschadstoffen wie Ozon mit der Zeit, in der man diesen gegenüber ausgesetzt sei, zunähmen. So habe Ozon schon nach recht kurzer Einwirkzeit gesundheitsschädliche Wirkungen, wenn es in hohen Konzentrationen vorkomme – zum Beispiel bei Sommersmog innerhalb von wenigen Stunden. Aber auch eine längerfristige, dafür niedrigere, dauerhafte Ozonbelastung sei als schädlich anzusehen. Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Ob die von den Geräten gereinigte Raumluft schadhafte Chemikalien enthält, die durch die Plasmabehandlung entstanden sind, hängt vermutlich von den Eigenschaften des Gerätes ab. Uns liegen hierüber kaum Kenntnisse vor.“ Eine kürzlich erschienene Studie deute jedoch darauf hin, dass je nach Gerätetyp gesundheitsbedenkliche Stoffe entstehen könnten. Auch hier gelte: Am besten gezielt beim Hersteller nachfragen.

Ferner liegen dem Umweltbundesamt eignen Angaben nach keine Informationen vor, wie sich eine mit Hydroxylradikalen von Viren, Bakterien und Pilzen gereinigte Luft auf das Immunsystem der sich in dem Raum aufhaltenden Menschen, insbesondere Kinder, auswirkt: „Wir gehen davon aus, dass darüber auch bislang kaum Erfahrungswerte vorliegen, wenn überhaupt. Theoretisch wäre ein Einfluss auf das Immunsystem denkbar, weil die genannten Mikroorganismen und Viruspartikel zum natürlichen Mikrobiom der Umgebungsluft des Menschen gehören“, so die Behörde.

Grafik: Gerd Altmann / Pixabay.com




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