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Privathaltung grundsätzlich verboten

Waschbär-Mama

Die 26-jährige Bad Eilserin Larissa Spiwak kümmert sich um verwaiste Waschbärbabys, die sie mit der Flasche aufzieht. Vor etwa fünf Jahren hat sie die ersten Waschbär-Findelkinder bei sich aufgenommen.

veröffentlicht am 03.01.2019 um 11:07 Uhr

Die beiden Waschbärbabys Evoli und Odin hat Larissa Spiwak mit der Flasche aufgezogen. Foto: pr.

Autor:

mira colic
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LANDKREIS/BAD EILSEN. Bereits im Alter von zwölf Jahren hat Larissa Spiwak mutterlose Katzenbabys aufgenommen und wieder aufgepäppelt. Danach sei es mit einem Hasenjungen, zwei Welpen und dann Wildtieren weitergegangen. Mittlerweile kümmert sich die 26-jährige Bad Eilserin auch um verwaiste Waschbärbabys, die sie mit der Flasche aufzieht.

Vor etwa fünf Jahren hat Spiwak die ersten Waschbär-Findelkinder bei sich aufgenommen. Dabei handele es sich ihrer Aussage nach immer um „Tiere in Not“. Ihr bleibe da doch gar keine andere Wahl: „Ich kann sie doch nicht einfach sterben lassen.“ Die Tiere hält die 26-Jährige ausschließlich in der Wohnung, „sie haben sogar ein eigenes Zimmer“.In diesem Jahr habe sie drei fünf Tage alte Waschbärbabys aufgenommen. Die Tiere gelangten immer durch Notrufe in ihren Besitz, entweder von Privatleuten, aber auch aus dem Tierheim Minden habe sie schon Waschbärbabys aufgenommen.

In der Regel gebe sie die Tiere im Alter von drei bis vier Monaten wieder ab – wenn auch in der freien Natur die Abnabelung von der Mutter passieren würde. Sie habe die vom Veterinär erteilten Auflagen für die Übergangshaltung erfüllt: die Tiere seien kastriert, geimpft und gechippt. Aktuell seien die beiden Tiere Evoli und Odin allerdings schon acht Monate alt. Dies begründet Spiwak jedoch mit mangelenden Alternativen. Es gebe kaum noch Aufnahmestationen für Waschbären. Die Artenschutzstation Sachenhagen nehme keine auf.

Larissa Spiwak mit Odin auf dem Schoß. Foto: pr.

Dies bestätigt Leiter Florian Brandes. „Wir schaffen das einfach nicht. Dafür werden uns zu viele angeboten, die die Leute auf dem Dachboden oder im Garten finden und loswerden wollen.“ Er macht keinen Hehl daraus, dass er von der Handaufzucht von Waschbären nicht viel hält. „Es ist in den allermeisten Fällen einfach nicht nötig“, sagt der Stationsleiter. Denn es sei normal, dass die Jungtiere häufig am Tag allein gelassen würden, die Mutter nachts aber zurückkäme. Zudem bestehe eben das Problem, was mit den – dann auch noch fehlgeprägten – Tieren geschehe, sobald sie älter würden. Das Auswildern sei gesetzlich verboten – da die Tiere dem Jagdrecht unterliegen. Es gebe jedoch immernoch einige Wildparks, die Waschbären aufnehmen würden.

Zudem sei es Privatleuten auch verboten, die Tiere einfach aufzunehmen. Die Privathaltung sei an hohe Anforderungen geknüpft. So müsse etwa das Gehege komplett ausbruchssicher sein. Außerdem müssen die Waschbären kastriert werden, weil die Zucht verboten ist.

Solch ein privates Gehege in Bückeburg hat auch Spiwak für ihre beiden Findlinge gefunden. Schließlich sei es ja immer ihr Ziel, dass die Tiere wieder ins Freie dürfen. „Sie sollten bei Regen, Wind und Schnee draußen sein können.“

Information

Nur zwei Waschbärpaare sind 1934 am hessischen Edersee ausgesetzt worden. Sie sollten die heimische Jagdstrecke bereichern.

1,3 Millionen Waschbären gibt es mittlerweile in Deutschland. Zu viel, wie die EU befindet. Sie will, dass der Waschbär als „invasive Art“ drastisch reduziert wird. Eine „gebietsfremde Art“ wurde aus ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet heraus in ein fremdes Gebiet gebracht, schafft es dort zu überleben und sich fortzupflanzen. „Invasiv“ wird diese Art, wenn sie sich ausbreitet und dadurch die biologische Vielfalt, andere Tier- und Pflanzenarten und damit auch die heimischen Ökosysteme gefährdet. Waschbären seien eine Bedrohung für Vögel, dessen Nester sie plünderten – außerdem dringen die Tiere in Dachböden und Häuser ein.

Knapp 171 500 der in Nordamerika heimischen Waschbären erlegten Deutschlands Jäger 2017/2018. Zehn Jahre zuvor waren es noch gut 36 500. In Niedersachsen stieg die Zahl der geschossenen Tiere 2017/2018 um 32 Prozent auf 15 812 Tiere.col




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