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Vergnüglicher Abend beim Heimat- und Kulturverein

Wehrhahns plattdeutsche Bonmot-Salve gegen „die da oben“

BAD EILSEN. Die Seitentür zur großen Diele der Familie Dreves war noch nicht geöffnet, aber die kräftige Stimme der temperamentvollen Komödiantin aus dem Auetal war nicht mehr zu überhören. Und dann kam sie im großmütterlichen Look und mit einem Schirm in der Hand, um mit Schwung das kleine Podium zu erklimmen.

veröffentlicht am 25.03.2019 um 12:15 Uhr
aktualisiert am 25.03.2019 um 16:20 Uhr

Sie verstehen sich gut: Brigitte Wehrhahn und der Vorsitzende des Eilser Heimat- und Kulturvereins, Friedrich Winkelhake. Foto: sig
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Autor

Siegfried Klein Reporter
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BAD EILSEN. Die Seitentür zur großen Diele der Familie Dreves ist noch nicht geöffnet gewesen, da hat die kräftige Stimme der temperamentvollen Komödiantin aus dem Auetal bereits unüberhörbar auf sich aufmerksam gemacht. Und dann kam sie, im großmütterlichen Look und mit einem Schirm in der Hand, um mit Schwung das kleine für sie aufgestellte Podium zu erklimmen. Brigitte Wehrhahn hat ein weiteres Mal dafür gesorgt, dass diese Veranstaltung des Eilser Heimat- und Kulturvereins zahlreiche Besucher anzog.

Eine wichtige Voraussetzung für die Zuhörer war, dass sie die plattdeutsche Mundart ausreichend beherrschen. Über ein ganzes Jahr hinweg sammelt die Schaumburgerin Anekdoten, Witze und kleine Begebenheiten, die zu den Alltäglichkeiten des Lebens gehören. Was spricht man auf dem platten Land, in der Familie, am Gartenzaun mit den Nachbarn und bei den besonderen Anlässen in der Dorfgemeinschaft? Es ist nun einmal so, dass selbst Schimpfkanonaden auf Platt wesentlich friedlicher klingen als auf Hochdeutsch.

Wehrhahn konzentriert sich aber nicht nur auf das, was zum Alltag gehört, sondern verfolgt auch mit wachen Augen und Ohren die regionalen, nationalen und globalen Ereignisse. Und auf diesem Feld ist sie auch besonders aktuell. In ihren Schilderungen kommen die Politiker meistens nicht gut weg.

So versteht sie nicht, dass sich die Verantwortungsträger so schwer damit tun, die selbst gesteckten Umweltziele termingerecht einzuhalten. Gegen Staub, Schmutz und Lärm werde nicht genügend unternommen, und deshalb zeigt Wehrhahn durchaus Verständnis für die Schüler und Jugendlichen, die sich freitags in Demonstrationen für ein schnelleres Handeln einsetzen. Es gebe ja genügend Alarmsignale. Das Wort Kaltmiete veranlasste sie zu der Bemerkung, dass man im vergangenen heißen Sommer von seinem Vermieter gerne kalte Räumlichkeiten eingefordert hätte.

Natürlich kommt US-Präsident Donald Trump in ihrer Kritik besonders schlecht weg. Er sei zu einem großen Unsicherheitsfaktor für die ganze Welt geworden, und sein Handeln zeige chaotische Züge. Sein groß angekündigtes Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un sei nichts anderes als ein enttäuschender Flop geworden. Vertrauen könne man jedenfalls in die Entscheidungen der US-Regierung nicht mehr haben.

Aber auch der von den Engländern angestrebte Ausstieg aus der Europäischen Union versetze viele Nationen in Unruhe. Er habe auch unerfreuliche Konsequenzen für Irland und Nordirland und darüber hinaus für die gesamte Wirtschaft im europäischen Raum. Das ganze Prozedere um den Brexit entwickele sich mehr und mehr zu einer Groteske.

Kritische Anmerkungen machte Wehrhahn auch zu den zahlreichen Lawinenunglücken, wenn sie durch grobe Fahrlässigkeit verursacht wurden. Wer abseits zugelassener Strecken fahre und dadurch eine Lawine auslöse, müsse mit einer erheblichen Geldstrafe rechnen, regte die Auetalerin an.

Es war erstaunlich, dass daraus ein abendfüllendes Programm von rund drei Stunden wurde, das man als eine echte Herausforderung für die Lachmuskeln ansehen konnte. Allerdings war es notwendig, sich sehr genau auf die Bonmots von Wehrhahn zu konzentrieren. Sie schlägt ein hohes Tempo an. Die Zuhörer gingen dieses Tempo mit und zollten immer wieder Beifall.




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