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Susanne Sander stellt in Petershagen aus

Wenn Bilder dem Betrachter unter die Haut gehen

Ahnsen/Petershagen (tw/mt). Mit einem realistischen Aktgemälde beteiligt sich die Künstlerin Susanne Sander, Leiterin der Ahnser Kunstschule „Farbenfroh“, derzeit an einer Ausstellung von 15 Kolleginnen des Vereins für aktuelle Kunst in Petershagen. Die Schau, die im Alten Amtsgericht zu sehen ist, hat das Motto „Haut“.

veröffentlicht am 07.04.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 07:41 Uhr

„I ’ve got you under my skin“, nennt Susanne Sander ihr Aktbild (Acryl, Papier und Kohle auf Leinwand), mit de
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Bei Sander sind die zwei Quadratmeter Haut, die sie auf ihrem 80 mal 100 Zentimeter großen Gemälde (Acryl, Papier und Kohle auf Leinwand) zeigt, eine „Spielwiese für Chirurgen, die sie vermessen, beschriften und mit geometrischen Zeichnungen versehen – um dann suboptimale Schnittrouten durch die Haut festzulegen“, so die Künstlerin. Sander: „Besagte Schnittrouten treten durch die Haut in mein Innerstes ein, um auszuhöhlen, umzuorientieren und am Ende ihre persönlichen Tätowierungen als Narben auf meiner Haut zu hinterlassen.“

Seit 1995 setzen sich die Frauen des Vereins in wechselnden Konstellationen an einen Tisch, um sich auszutauschen und Projekte zu planen. „Haut“ ist die fünfte Ausstellung, nach Stuhlobjekten (1997), Behausung (2000), Schattenfänger (2006) und „Hauptsache Grün“ (2009 im Besucherbergwerk).

„An der aktuellen Ausstellung haben wir etwa zwei Jahre gearbeitet“, berichtet Sander. Die Ahnserin: „Alle beteiligten Frauen haben zum Thema ,Haut‘ einen ganz unterschiedlichen Zugang.“ Was da in Petershagen als Ergebnis gezeigt wird, sei eine „sehr persönliche Schau“. Eben das mache den Reiz aus.

Wörtlich hat Isolde Merker den Titel genommen: Die Portanerin, deren Materialien Terrakotta und Papier sind, verbindet beides zu einer Installation, die, wie an der Federwaage zu erkennen ist, genau zehn Kilogramm wiegt. Die 32 Quadrate aus Papier und Ton ergeben selbstverständlich zwei Quadratmeter Fläche. Ton bevorzugt auch Inge Dietrich: Mit ihren hintereinander gehängten „Hautschichten“ in Form weiblicher Torsi stellt sie verschiedene Zustände des Organs dar.

Wie Knochen mutet das Objekt der Lübbeckerin Friedgund Lapp an. Doch sie bildet auf Drahtgerüst mittels Gaze, Nylon und Lack die drei Schichten der Haut nach. Margret Thimm hat aus Folie, Stoff, Sand und Acryl „Hautkleider“ geschaffen, mal stachelig abweisend, mal zart. Heidi Pfleiderer stellt in Objekten aus handgeschöpften Papieren die fünf Lebensphasen vom Beginn bis zur Vergänglichkeit dar. In Latex und Silikon hat Gudrun Wentz die Haut verschiedener Körperteile zu einer transluzenten Collage zusammengefügt.

Flankiert werden diese Objekte von Gemälden von Regine Rinke, die sich mit der Tradition der Henna-Bemalung befasst, Lieselotte Scherer, die bildlich Schutz „in anderer Haut“ sucht und Ulrike Voegele, die leicht abstrahiert feststellt: „Jeder fünfte Deutsche hat ein Hautproblem.“

Ursula Gebert setzt unter dem Titel „47 Tage“ einen hautartigen Kokon in einen Glaszylinder, thematisiert Krankheit, Verletzlichkeit, Schutzbedürfnis. Eine „Winterhaut“ hat sich Brigitte Klopp aus Wolle und Seide geschaffen. Birgit Rehsies widmet sich mit ihrer Fotocollage den Hautfarben. Dieses Thema behandelt Rosita Oremek in ihrer abstrakten Malerei, die unter dem Titel „Oberschicht, Mittelschicht, Unterschicht“ und dem Verlauf von hell zu dunkel soziale Probleme deutlich macht. „Schichten“ hat auch die Oeynhausenerin Annelene Schulte in ihrer Installation aus Holz, Mull und Wachs, in die sie mit Kohle und Kreide Lebensspuren gezeichnet hat. Die Schau dürfte auch Besuchern unter die Haut gehen.

Übrigens: Direkt neben dem Ausstellungsort ,Altes Amtsgericht’ liegt ein Café, auf dessen Schornstein derzeit ein Storchenpaar nistet. Auch deshalb lohnt sich ein Besuch.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 12 bis 20 Uhr, Donnerstag, 15 bis 17 Uhr geschlossen; Samstag und Sonntag, 11 bis 13 und 16 bis 20 Uhr. Geöffnet bis 15. Mai.




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