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Referat über Klimaentwicklung bei „IGEL“

Wetter-Professor: „Nicht jeden Tag mit dem Auto zum Bäcker“

LUHDEN. Die Klimaentwicklung war Thema eines Referats, das Professor Dr. Günter Groß, Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimatologie der Universität Hannover, vor Mitgliedern der Interessengemeinschaft zur Förderung und Erhaltung der Lebensqualität in der Samtgemeinde Eilsen (IGEL) hielt.

veröffentlicht am 08.03.2019 um 14:11 Uhr

IGEL-Vorsitzender Herbert Hagen (von links), sein Stellvertreter Paul Mühe und Professor Dr. Günter Groß. Foto: möh

Autor:

Cord Heinrich Möhle
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LUHDEN. Es wird in den nächsten Jahrzehnten in Niedersachsen wärmer, es gibt aber noch genügend Regen, und auch der Wind verändert sich nicht dramatisch. Um wie viel Grad sich das Klima letztlich verändert, liegt in den Händen der Menschen. Wichtig sei es, so Professor Dr. Günter Groß, Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimatologie der Universität Hannover, die derzeit teilweise hohe Luftverschmutzung mit vielen kleinen Schritten zu reduzieren. Groß referierte auf Einladung der „Interessengemeinschaft zur Förderung und Erhaltung der Lebensqualität in der Samtgemeinde Eilsen (IGEL)“ im Restaurant „Panorama“ in Luhden.

Um den Planeten Erde zu schonen, forderte er die Zuhörer auf, „einfach das zu machen, was machbar ist, ohne das Leben komplett zu verändern“. Der Wissenschaftler: „Wir müssen zum Beispiel nicht jeden Tag mit dem Auto zum Bäcker in der Nachbarschaft fahren.“

Wissenschaftlich bewiesen sei, so Groß, der mit seiner Familie in Exten wohnt, dass sich das Klima bereits deutlich erwärmt hat. In Cuxhaven sei der Meeresspiegel in den vergangenen 100 Jahren bereits um 30, global um 20 Zentimeter angestiegen. Problem seien aber nicht die Mittelwerte, sondern die tatsächlichen Werte bei einer Sturmflut. Und: Steige der Meeresspiegel um ein Meter an, so würden bei uns an der Küste eine Million, in Indien aber 20 Millionen Menschen betroffen sein, sagte Groß.

Der Wissenschaftler, der in Darmstadt Meteorologie studiert hat, blickte auch in die Zukunft. Allerdings schickte er voraus, dass es keine Klimavorhersagen, sondern nur Klimaszenarien gibt. Würde die Bevölkerung „vernünftig“ und weniger Emissionen in die Luft pusten, so würde die Temperatur bis 2100 um ein Grad im Mittel steigen. Mache der Mensch aber weiter wie bisher und „schickt jede Menge Schadstoffe gen Himmel“, so steige global die Temperatur um bis zu vier Grad an. Die Auswirkungen seien auf der Südhalbkugel, die jetzt schon von Dürreperioden betroffen sei, größer als auf der Nordhalbkugel der Erde. Daher müsse sich der Norden bei diesem Szenario auf Hitze-Flüchtlinge einstellen.

Auch speziell für Niedersachsen hatte der Experte interessante Zahlen parat, die im Klimareport 2018 des Umweltministeriums in Hannover, an dem der Professor mitgearbeitet hat, nachzulesen sind. So werde sich in den nächsten 30 Jahren die Temperatur um etwa zwei Grad erhöhen, an der Küste etwas weniger, im Landesinnern etwas mehr. Der Niederschlag werde im Sommer leicht abnehmen, im Winter etwas zunehmen. Das Problem sei dann, das Mehr an Wasser im Winter in den Sommer hinüber zu „retten“. Die Windintensität verändere sich kaum, erklärte Groß. Es seien aber auch weiterhin in unseren Breitengraden Wetterextreme (große Hagelkörner, Schneemassen und Starkregen) zu befürchten.

Von einem der Zuhörer auf das kleiner gewordene Ozonloch angesprochen, betonte Groß, dieses sei ein gutes Beispiel dafür, „dass wir selbst etwas bewegen können, um den Planeten zu schonen“. Seitdem weniger vom Treibmittel FCKW in die Luft gepustet wird, seien wir auf einem guten Weg.




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