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Ein Appell pro Europa

Wolfgang Bosbach (CDU) referiert bei Raiffeisen-Landbund

BAD EILSEN. Auf Einladung der Raiffeisen-Landbund eG hat der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach einen Vortrag bei deren Generalversammlung gehalten. Dabei warnte er vor altem nationalstaatlichen Denken.

veröffentlicht am 05.02.2019 um 17:03 Uhr

In seinem Vortrag hob Wolfgang Bosbach auch die friedensstiftende Funktion der Europäischen Union hervor. Foto: wk
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BAD EILSEN. Nach einer im „Palais im Park“ aufgetischten warmen Mahlzeit und der Präsentation der Geschäftszahlen kredenzte die Raiffeisen-Landbund eG den Teilnehmern ihrer Generalversammlung als Dessert noch einen Vortrag zum Thema „2019 – Deutschland und Europa im Stresstest“. Referent war der in Bergisch-Gladbach beheimatete frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach, der nicht zuletzt durch seine zahlreichen Auftritte in TV-Talkshows einem großen Publikum bekannt ist.

„Ich komme von den Guten“, erklärte der Christdemokrat und hatte mit dieser Pointe den mit rund 230 Genossenschaftsmitgliedern besetzten Saal vom Start weg in der Hand. Wie überhaupt er seinen etwa einstündigen Vortrag hier und da mit Gags und Anekdoten spickte, um die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer hochzuhalten und – fast schon nebenbei – seine eigentlichen Anliegen unters Volk zu bringen.

Ein jeder dürfe sich glücklich schätzen, in einem Land wie Deutschland zu leben, sagte Bosbach. Aber, mahnte er, es gebe „einen untrennbaren Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen und sozialen Leistungskraft eines Landes“. Denn der Staat könne „nichts ausgeben“, was nicht vorher von den hier berufstätigen Menschen erarbeitet worden ist. Doch viele dieser Menschen würden in der Politik gar nicht mehr vorkommen, spielte er auf die Programme der großen Parteien an.

Über den im Raum stehenden Brexit meinte Bosbach, dass der mögliche Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union eine historische Zäsur darstelle. Doch müsse Europa in den mit England geführten Verhandlungen hart bleiben. Aus der EU auszutreten, aber – wie es Großbritannien vorschwebe – alle Vorteile der EU zu behalten, das dürfe man nicht durchgehen lassen. Denn: „Es muss ein Vorteil sein, in der EU zu bleiben.“ Sonst werde die Europäische Union auseinanderbrechen.

Dass trotz des auch in einigen anderen EU-Mitgliedsländern aufgekommenen nationalstaatlichen Denkens bislang kein weiteres Land austreten möchte, erklärte Bosbach mit einem von ihm gefundenen Zitat des ehemaligen Fußballbundesliga-Profis Sepp Herberger. Demnach sei dieser mal in einem Interview gefragt worden, warum sich Millionen Menschen Fußballspiele anschauen. „Weil sie nicht wissen, wie es ausgeht“, habe Herberger daraufhin geantwortet. Und genau auf diesem Grund würden jene anderen Länder die EU nicht verlassen, unterstrich der Referent.

Außerdem: „Wenn wir in altes nationalstaatliches Denken zurückfallen, werden wir wirtschaftlich marginalisiert“, warnte Bosbach mit Blick auf unter anderem die Wirtschaftsmacht China. „Nur wenn wir einig sind, werden wir eine relevante Größe in der Welt sein und bleiben.“ In diesem Zusammenhang, appellierte er an die Politik, dass „Europa“ nur das vereinheitlichen solle, was vereinheitlicht werden muss, aber nicht alles, was man vereinheitlichen kann.

Und überhaupt: In Deutschland gehe es den Menschen immer noch besser als den meisten anderen Ländern in der Welt, und dafür lohne es sich zu arbeiten, so Bosbach.




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