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Vor England gefangen, in den Niederländen aufgepäppelt und jetzt geht‘s Richtung Nordsee

17 000 Aale ausgesetzt

HESSISCH OLDENDORF/HAMELN. In 17 Tüten schlängeln sich jeweils 1000 kleine, silbrig-braune Aale. Vor den Küsten Englands und Frankreichs sind sie als Jungfische („Glasaale“) gefangen und einige Zeit in einer Aquakultur in den Niederlanden aufgepäppelt worden. Am Samstag hat der Hamelner Sportfischereiverein die etwa 17 000 Jung-Aale wieder in die Freiheit entlassen.

veröffentlicht am 16.05.2018 um 15:08 Uhr
aktualisiert am 16.05.2018 um 17:00 Uhr

Gewässerwart Stefan Krückeberg entlässt die Jungaale in die Freiheit. Foto: nls
Jens Spickermann

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In 17 Tüten schlängeln sich jeweils 1000 kleine, silbrig-braune Aale – noch ist es kaum zu glauben, dass die Weibchen unter ihnen in mehreren Jahren bis zu 150 Zentimeter und sechs Kilo schwer sein können, die Männchen etwa halb so groß. Vor den Küsten Englands und Frankreichs sind sie als Jungfische („Glasaale“) gefangen und einige Zeit in einer Aquakultur in den Niederlanden aufgepäppelt worden. Am Samstag hat der Hamelner Sportfischereiverein die etwa 17 000 Jung-Aale wieder in die Freiheit entlassen.

Der SFV Hameln hatte die Aale gekauft und am Samstag in der Weser, den Fischbecker Teichen und weiteren Vereinsgewässern in Hameln ausgesetzt. Die Fischchen wiegen nur drei bis vier Gramm, sind 12 bis 15 Zentimeter groß, aber immerhin schon zweieinhalb Jahre alt.

„Die wachsen nun in der Weser bis zur Geschlechtsreife“, sagt Gewässerwart Stefan Krückeberg. „Danach schwimmen sie zurück ins Salzwasser“. Bis die Aale das Weserbergland in Richtung Nordsee verlassen, werden aber noch einige Jahre vergehen. Erst in zehn bis zwölf Jahren werde es soweit sein, sagt Krückeberg. Dann sind die Aale zwischen 50 und 80 Zentimeter lang und machen sich auf den weiten Weg in die Sargassosee, um dort in etwa 2000 Meter Tiefe abzulaichen. Um die lange Reise durchzustehen, fressen sie sich vorher größere Fettreserven an. „Zum Essen sind die dann nicht mehr so gut, weil sie dann zu fettig sind“, sagt Krückeberg. Die in stehenden Gewässern ausgesetzten Tiere können natürlich nicht so einfach weiterziehen. Doch bei Hochwasser würden es sogar diese Aale schaffen, sich über überflutete Wiesen bis in die Weser durchzukämpfen, sagt Krückeberg.

In Tüten mit je 1000 Fischen kamen die Aale an. Foto: nls
  • In Tüten mit je 1000 Fischen kamen die Aale an. Foto: nls

Die wachsen nun in der Weser bis zur Geschlechtsreife. Danach schwimmen sie zurück ins Salzwasser.

Stefan Krückeberg, Gewässerwart SFV Hameln

Die Investition des Sportfischervereins ist nicht uneigennützig, die Aale werden nämlich beangelt und entnommen, sobald sie das vorgeschriebene Mindestmaß erreicht haben. Es geht aber auch um den Arterhalt, denn die Fische gelten als bedroht.

„Jeder, der an der Weser angelt, muss eine Fangmeldung abgeben“, sagt Krückeberg. So solle sichergestellt werden, dass nicht mehr Aale entnommen werden als durch Besatzmaßnahmen und natürliche Fortpflanzung hinzukommen. In den kommenden Wochen sollen noch weitere Aale in die Weser eingesetzt werden – diesmal finanziert durch eine Förderung des Landes Niedersachsen, erzählt Krückeberg. Grund sei, dass mindestens 40 Prozent der Aale, die als Jungfische in die Flüsse einwandern, auch als geschlechtsreife Fische wieder abwandern sollen. Laut den Erhebungen von Zählstationen werde diese Quote nicht erreicht, deshalb gebe es den Zuschuss für Besatzmaßnahmen. Obwohl die Befischung und bauliche Hindernisse, wie Schleusen, den Aalen zu schaffen machen, würden sie in der Weser noch regelmäßig gefangen, so Krückeberg. Durch die Besatzmaßnahmen soll sichergestellt werden, dass das auch so bleibt.




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