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Herbert Harting erhält das Ehrenbürgerrecht – als zweite Person in der Nachkriegs-Stadtgeschichte

Alfred Nobel ist sein Vorbild

HESSISCH OLDENDORF. Herbert Harting ist ein zurückhaltender Mann. Im Rampenlicht zu stehen, vermeidet er normalerweise. Deswegen dürfte auch nicht jedem bewusst sein, was er für die Stadt geleistet hat. Am Montag stand Harting bei einer Feierstunde im Rathaus aber ganz im Mittelpunkt: Bürgermeister Harald Krüger hat ihm im Beisein von Vertretern aus Politik und Gesellschaft feierlich das Ehrenbürgerrecht der Stadt Hessisch Oldendorf verliehen.

veröffentlicht am 29.01.2019 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 29.01.2019 um 19:50 Uhr

Herbert Harting (re.) erhält von Bürgermeister Harald Krüger die Ehrenurkunde und einen Blumenstrauß. Foto: jsp
Jens Spickermann

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Ehrungen an und für sich sind nichts Seltenes – schließlich ehren viele Vereine ihre Mitglieder schon für langjährige Treue. Doch das Ehrenbürgerrecht ist etwas ganz Besonderes und die höchste Auszeichnung, die Hessisch Oldendorf zu vergeben hat. Erst ein einziges Mal hat die Stadt in der Nachkriegsgeschichte einem Bürger diese höchste Auszeichnung verliehen – das war 1985, als diese Ehre dem Konsistorialrat Max Czerwensky zuteil wurde.

Harting hat das Ehrenbürgerrecht auf Beschluss des Stadtrates erhalten, weil die von ihm gegründete Stiftung seit 2013 insgesamt 102 034 Euro an örtliche Vereine und Institutionen ausgeschüttet hat. Das Geld hat Harting breit gestreut: Der gesamte Bereich des ehrenamtlichen Engagements profitierte von den Spenden in Höhe von jeweils 1000 Euro. „Mir ist es lieber, alle bekommen etwas, als wenn wenige viel bekommen“, sagt Harting. Vom Gesangverein bis zur Feuerwehr habe er das gesamte Spektrum der Vereine und Institutionen großzügig bedacht, lobt Krüger. Um diese Leistung für die Stadt anzuerkennen, hatte der ehemalige Rohdentaler Ortsbürgermeister Wilhelm Waltemathe, der kürzlich verstorben ist, die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes für Harting vorgeschlagen.

„Eine Ehrenbürgerschaft geht weit über das übliche Maß einer Auszeichnung hinaus. Sie ist ein Zeichen der Anerkennung, wie sie Kommunen, die politisch-demokratische Gemeinschaft freier Bürger, nicht eindrucksvoller vergeben kann“, betonte Krüger in seiner Rede. Doch wie funktioniert das Prinzip, durch das sich Harting diese Anerkennung erworben hat?

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Harting (rechts) war ehrgeiziger Turner und engagierte sich im Sportverein. Hier sieht man ihn bei einem Sportfest in Auetal in den 1960er Jahren. Foto: pr

Im Jahr 2010 hat Herbert Harting, der 1934 in Welsede geboren wurde und bis heute dort wohnt, die gleichnamige Stiftung gegründet. Dafür hat er aus seinem Privatvermögen Geld als Stiftungskapital zur Verfügung gestellt. Die Zinsen dieses Stiftungskapitals werden jährlich ausgeschüttet und den von Harting ausgewählten gemeinnützigen Institutionen zur Verfügung gestellt.

Von dem angelegten Geld hat Harting sich für immer getrennt. „Eine Stiftung ist für die Ewigkeit gedacht und kann in der Regel nicht aufgelöst werden“, erklärte Krüger den anwesenden Gästen. Die Herbert-Harting-Stiftung wird daher voraussichtlich auch noch in Jahren und Jahrzehnten soziale und gemeinnützige Zwecke unterstützen.

Die wohl bekannteste jemals gegründete Stiftung ist die des schwedischen Erfinders Alfred Nobel, die die jährlich vergebenen Nobelpreise finanziert. Nobel sei sein Vorbild gewesen, erzählt Harting. Nachdem er ein Buch über ihn gelesen hatte, sei ihm die Idee einer eigenen Stiftung gekommen. Dass die Sparkasse Hameln-Weserbergland sie kostenlos verwaltet, hat ihn in seinem Vorhaben bestärkt.

Innerhalb von fünf Jahren haben so über 90-mal ehrenamtlich tätige Personen und Institutionen Geld erhalten; ohne hätten sie viele Projekte nicht realisieren können. „Das Ehrenamt braucht nicht nur die moralische und gesellschaftliche Unterstützung durch geeignete Rahmenbedingungen – ohne entsprechende finanzielle Unterstützung ist vieles von vornherein zum Scheitern verurteilt“, betont Krüger.

Harting hat sein Vermögen zum großen Teil durch Immobiliengeschäfte erworben, nachdem er zuvor als Elektriker mit einem eigenen Gewerbe tätig war. Anstatt das Geld für eine Stiftung zu verwenden, hätte er sich mit dem Kapital von etwa 900 000 Euro auch viel Luxus gönnen können. Einen Porsche zu fahren oder in einer Villa zu wohnen – das sei nichts für ihn, sagt Harting. Und da er selbst keine Kinder habe, die das Geld erben könnten, sei ihm die nachhaltige Verwendung für wohltätige Zwecke sinnvoll vorgekommen. Im Vereinssport war er schließlich selbst einmal sehr aktiv: 48 Jahre lang engagierte er sich im Vorstand des Turnvereins TV Jahn Welsede.




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