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Schlechte Stimmung bei Landwirten

Bauern fordern mehr Geld für Rüben

ROHDEN. Zufriedenheit hört sich anders an. In der Versammlung der Zuckerrübenanbauer sind kritische Töne an der Tagesordnung. Nach einem sehr trockenen Jahr mit einer dennoch guten Ernte herrscht bei den Landwirten „keine gute Stimmung“, wie Alexander Sommermeier ausführt.

veröffentlicht am 07.03.2019 um 16:40 Uhr
aktualisiert am 07.03.2019 um 18:00 Uhr

Für die Zuckerrüben erhalten die Landwirte nach ihrer Auffassung zu wenig Geld. Foto: pj

Autor:

Peter Jahn
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Der Sprecher für den Bereich Hessisch Oldendorf sagt auch klar warum: „Der Preis ist im Vergleich mit benachbarten Zuckerfabriken nicht befriedigend.“ Wie die übrigen Anbauer, die ihre Rüben zu Pfeifer & Langen nach Lage liefern, hofft auch der Fischbecker: „Dass Pfeifer & Langen interessante Angebote macht und die Rüben gut bezahlt.“

Beiratsmitglieder Sebastian Binder aus Aerzen fordert „Fairplay für heimische Rüben.“ Er meint damit nicht nur die europäische Situation. Bekanntlich haben einige Staaten Hintertüren geöffnet, um ihre Bauern zu stützen. Das führt dazu, dass bei heimischen Landwirten einige hundert Euro pro Hektar weniger in der Kasse klimpern als bei Berufskollegen in anderen europäischen Ländern. Sommermeier führt aus, dass in Rumänien bis zu 600 Euro je Hektar beigesteuert werden. Außerdem haben per Notfallverordnung Regierungen anderer Länder ihren Bauern erlaubt, Pflanzenschutzmittel einzusetzen, die in Deutschland verboten sind.

Bei der Anbauer-Versammlung in der Weinschänke Rohdental ging es am Donnerstagvormittag aber auch um die laufenden Verhandlungen mit Pfeifer & Langen. Friedhelm Hünecke aus Petershagen, der im Beirat auch die Anbauer aus dem Raum Rinteln und Schaumburg vertritt, wird deutlich in Richtung Geschäftspartner: „Die Kasse muss stimmen, Pfeifer & Langen muss in der Verwaltung Ordnung schaffen. Wir rechnen und sehen, wir stehen schlechter als Nordzucker-Betriebe.“ Diesen Vergleich stellen die Bauern im heimischen Raum schon seit Wochen an, wenn sie in die Zukunft blicken und ihre Ungeduld wächst. Wie führt Rüdiger Maschke, Landwirt aus Königsförde, aus: „Wir wollen Licht am Ende des Tunnels sehen, wir sehen aber mehr Tunnel.“

Nachdenklich hören die Landwirte, was Dr. Hermann Schmitz ihnen zu sagen hat. Foto: pj

Thomas Lücke aus Lachem bringt es weiter auf den Punkt: „Sie haben die Chance gehabt nachzuarbeiten, sie haben das Angebot von Nordzucker gekannt, noch ist nichts geschehen“ Auch bei Pfeifer & Langen werde seit geraumer Zeit verhandelt, wie der Vorsitzende des Verbandes der Rübenanbauer, Peter-Eric Froböse, erklärt. Er spricht von „fruchtbaren aber schweren Verhandlungen“ und davon, dass „beide Seiten Geld verdienen müssen“. Konkretes, wohin die Reise geht, ist auch von Dr. Hermann Schmitz, Leiter Landwirtschaft bei Pfeifer & Langen, nicht zu hören. Er betont mehrfach, dass man auf eine weitere langfristige Zusammenarbeit mit den Landwirten setze. „Wir brauchen sie“, betont er und bittet: „Sie müssen aber auch sehen, dass wir nicht alles finanzieren können.“

Von besseren Zeiten auf dem Zuckermarkt geht Dr. Stefan Brinker, Regionalleiter Landwirtschaft, aus: „Der weltweite Zuckerkonsum steigt.“ Da Zucker in Europa knapp ist, könne damit gerechnet werden, dass dies den Preis in der diesjährigen Kampagne ansteigen lasse. Er spricht auch von mehr Sicherheit für die Anbauer, da „ein Sicherheitsnetz beim Chancenmodell eingebaut wird“. Die Landwirte können seit dem Fall der Zuckermarktordnung auf ein Sicherheitsmodell und ein Chancenmodell setzen. Da sich das Chancenmodell am Markt orientiert, birgt es bei fallenden Preisen Gefahren.

Neben den agrarpolitisch verursachten Wettbewerbsnachteilen für die deutschen Rübenanbauer, stehen diese vor weiteren Herausforderungen, da künftig verschiedene Pflanzenschutzwirkstoffe nicht mehr auf den Feldern ausgebracht werden dürfen. Alexander Sommermeier geht davon aus, dass man sich „auf eine mechanische Unkrautbehandlung einstellen muss“. Die Anbauberater setzen beim Zuckerrübenanbau in den nächsten Jahren „auf einen guten Mix aus zugelassenen Pflanzenschutzmitteln und mechanischen Maßnahmen“.

Auch bei der Veranstaltung am Donnerstagnachmittag für den Bereich Holzminden, Weser-Süd und Coppenbrügge im Gasthaus Mittendorf in Buchhagen sind die Rübenanbauer unzufrieden mit ihrer derzeitigen Situation. Sie erwarten Antworten auf die gleichen Fragen, denn auch viele von ihnen liefern sowohl in die Fabrik von Pfeifer & Langen ins lippische Lage als auch zu Nordzucker nach Nordstemmen.




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