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Bettina Stöß aus Pötzen ist professionelle Tanzfotografin

Die Ästhetik des Augenblicks

PÖTZEN. Wäre es nach den Eltern von Bettina Stöß gegangen, wäre sie nie Fotografin geworden. Zum Glück folgte sie ihrer Leidenschaft. Heute ist Bettina Stöß Deutschlands renommierteste Tanzfotografin. Sie lebt in Pötzen.

veröffentlicht am 04.03.2019 um 15:19 Uhr
aktualisiert am 04.03.2019 um 20:50 Uhr

Bei ihren Fotos geht es Bettina Stöß um Emotionen. Die Aufnahme zeigt eine Choreografie von Susanne Linke im Tanztheater Trier. Foto: Bettina Stöß

Autor:

Barbara Jahn
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„Ich habe schon als Kind ständig mit der Kamera meines Vaters rumgeknipst und gewusst, dass ich Fotografin werden will“, erinnert sich Bettina Stöß. „Kind, lern doch etwas Vernünftiges, etwas, womit man sich ernähren kann“, ist die Antwort der Eltern, als sie diese nach Abschluss der Schulzeit mit ihrem Wunsch konfrontiert, Fotografin zu werden.

Bettina Stöß fügt sich dem Willen der Eltern, absolviert eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-Technischen Assistentin und ist heute dennoch eine der renommiertesten Tanzfotografinnen Deutschlands. Als sie 1990 zum ersten Mal im Leben eine Ballettaufführung im Theater Saarbrücken erlebt, weiß sie plötzlich, dass sie Tanzfotografin werden möchte. Sie habe die dortige Theaterfotografin genervt, um an einer Probe teilnehmen zu dürfen, erinnert sie sich. Dabei lernt Stöß die Ballettdirektorin kennen und nutzt die Gunst der Stunde.

„Ich durfte Fotos machen, die wohl vielversprechend waren, denn nun durfte ich jeden Tag bei den Proben sitzen und fotografieren“, erzählt sie. Ein Jahr lang schaut sie in der Freizeit im Probenraum zu, prägt sich die Bewegungsabläufe der Tänzer ein und fühlt dann irgendwann: „Jetzt hab ich es raus.“

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Bettina Stöß gehört zu Deutschlands renommiertesten Tanzfotografinnen.

Das sehen auch die Fachleute so und bieten ihr einen ersten Auftrag an, dem schnell weitere folgen. „Da war es Zeit, mich zwischen meiner Arbeit in der Apotheke und dem Fotografieren zu entscheiden“, sagt Bettina Stöß, die 1971 in Rheinland-Pfalz geboren wurde. Sie entscheidet sich für ihre Leidenschaft und ist seit 1993 freiberufliche Fotografin. Seither arbeitet sie unter anderem für die Deutsche Oper Berlin, das Aalto Theater Essen, das Staatstheater Saarbrücken, das Schauspiel Leipzig, für die Theater Dortmund, Nürnberg, Bielefeld, das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, das Staatstheater Braunschweig und das Hessische Staatsballett.

„Die Fähigkeit, ein Bühnengeschehen auf den Punkt zu bringen, die körperliche, sinnliche und dramatische Zuspitzung einer szenischen Situation charakterisieren nahezu alle ihre Fotografien“, so ihre Auftraggeber. „Ich möchte eine Geschichte transportieren, es geht nicht um die Technik, sondern um die Emotion und den Inhalt. Ich spüre, wenn der richtige Moment zum Abdrücken kommt“, sagt sie über ihren Anspruch und ihre Fähigkeit. Dass sie einen guten Instinkt für kommende Bewegungen habe, sei wohl ihrer Zeit als Leistungssportlerin im Judo zu verdanken, denn auch da gehe es um Dynamik und Energie, führt die Fotografin aus.

Nicht nur die Ahnung, welche Bewegung kommen wird, sondern auch die Position während des Fotografierens machen einen Teil ihrer Erfolge aus. „Ich bin ständig in Bewegung, klettere auf den Schnürboden, gehe in die Beleuchterloge oder fotografiere von der Seitenbühne aus“, nennt sie nur einige Beispiele. Bettina Stöß hat sich nicht nur als Tanzfotografin einen Namen gemacht, auch Theater- und Opernregisseure schätzen ihre Arbeiten.

Vladimir Malakhov, Marco Goecke, Sasha Waltz, Jonas Kaufmann, Elena Garana, Fritzi Haberlandt, Peter Kurth und Corinna Harfouch sind nur einige der Stars, die sie während der Proben oder Auftritte mit ihrer Kamera eingefangen hat. „Es ist ein umkämpfter Markt und Frauen haben es schwerer als Männer“, resümiert die in Pötzen lebende gebürtige Pfälzerin. Dass sie es geschafft haben dürfte, sich zu behaupten, belegen nicht nur die Bücher, die ihre Arbeiten zeigen, sondern auch zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen weltweit. Weit reisen muss sie für ihren derzeitigen Auftrag nicht. „Normalerweise fahre ich durch die ganze Republik, um Produktionen zu begleiten, diesmal muss ich nur bis Hameln fahren“, erzählt sie. Dort ist ihr Können gefragt, wenn es darum geht ein Projekt der 10. Hamelner Tanztheatertage zu begleiten.

„Zwei Choreografen, die ich von meiner Arbeit am Staatstheater in Braunschweig kenne, proben derzeit mit Laien für das ‚Community Dance Project‘. Das fotografisch zu begleiten, ist eine spannende Herausforderung“, sagt Bettina Stöß und die Vorfreude auf ihr neues Projekt ist ihr deutlich anzumerken.

Ich möchte eine Geschichte transportieren, es geht nicht um die Technik, sondern um die Emotion und den Inhalt.

Bettina Stöß, Fotografin



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