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„Enkaufen für jedermann“ besteht seit zehn Jahren – und könnte mehr Kunden gebrauchen

DRK-Sozialshop: Markenware für vier Euro

HESSISCH OLDENDORF. Die Lange Straße ist vormittags bei grauem Regenwetter nahezu verwaist. Auch im DRK-Sozialshop, der seinen Geschäftsraum an der Einkaufsstraße betreibt, ist gerade nichts los – Laufkundschaft ist schließlich Mangelware. Drinnen wartet aber ein buntes Sortiment aus Jacken, Hosen, Spielzeug, Büchern und anderen gebrauchten und gut erhaltenen Produkten auf neue Besitzer. Der kleine Laden wirkt zwar gut sortiert, aber fast ein bisschen überfüllt.

veröffentlicht am 31.01.2019 um 18:11 Uhr
aktualisiert am 31.01.2019 um 20:20 Uhr

Den DRK-Shop „Einkaufen für jedermann“ gibt es seit zehn Jahren. Leiterin Bärbel Boyer war von Anfang an dabei. Foto: jsp
Jens Spickermann

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Es ist Monatsende – bei manchen Stammkunden bedeutet das auch: Ende des Geldes. Zudem ist gerade Saisonwechsel. An solchen Tagen sei dann in der Regel nicht viel los, erzählt Geschäftsleiterin Bärbel Boyer. Nach zehnjähriger Tätigkeit in dem Shop hat sie solche Erfahrungswerte gesammelt. So lange gibt es den Laden schon, der sich „Einkaufen für jedermann“ nennt. 2009 wurde er gegründet – Bärbel Boyer ist von Anfang an dabei.

„Manche sagen, wir haben den bestsortierten Laden in der Innenstadt“, erzählt sie stolz. Seitdem Mitte Januar die Kleiderkammer der Stadt geschlossen hat, ist das Geschäft wichtiger für Leute geworden, die Probleme haben, mit dem Geld über die Runden zu kommen. Doch die günstigen Second-Hand-Waren sind – wie der Geschäftsname schon sagt – für alle gedacht. „Wir freuen uns über jeden, der kommt“, sagt Boyer. „Hier kann auch ein Bankdirektor einkaufen.“

Im Mitarbeiter-Bereich liegen drei Säcke mit Kleidung auf dem Boden. „Das kam heute morgen“, sagt Boyer. Sie deutet daneben auf zwei Wäscheschüsseln mit gefalteten und sortierten Stücken. „Das ist von gestern.“ Die gebrauchten Waren geben Privatleute als Spenden direkt im Laden ab. Mangel an Kleidung, Spielzeugen, Büchern und anderen Produkten besteht nicht. „Wir haben ganz viel Glück, dass wir hier so viel kriegen“, meint die Shop-Leiterin.

Woran es eher fehlt, das sind manchmal die Kunden, von denen Boyer sich mehr wünschen würde. Trotzdem gefällt ihr die Arbeit: „Es ist der Kontakt zu Menschen, die tägliche Abwechslung durch die Spenden und dass man helfen kann, wenn jemand wirklich etwas braucht.“ Als der DRK-Shop vor zehn Jahren zum ersten Mal aufgeschlossen wurde, fragte sie, ob sie helfen könne, erinnert sich Boyer. Als Ehrenamtliche legte sie los. Und blieb hängen. Mit Maria Göbel ist noch eine weitere hauptamtliche Mitarbeiterin dabei, zusätzlich helfen sechs Ehrenamtliche.

Auch wenn die Waren verkauft werden und nicht kostenlos sind: Der Laden hat eher eine soziale als eine gewerbliche Ausrichtung. Alles ist sehr günstig zu haben. Eine Hose gibt es schon für 2,50 Euro. Wenn es ein Markenprodukt ist, kostet es etwa zwei Euro mehr. Bücher kosten 50 Cent bis ein Euro. Den gesamten Gewinn verwende das DRK dann für gemeinnützige Zwecke, berichtet Boyer.

Öfters gibt es Aktionen, bei denen die ohnehin schon günstigen Angebote noch um die Hälfte reduziert werden. Der Preis für Hosen, Jacken, Taschen, Gürtel ist dann kaum noch der Rede wert – obwohl die Sachen gut erhalten sind. Der Shop wirkt eher wie ein normales Geschäft und weniger wie eine Kleiderkammer.

Vor zehn Jahren habe das DRK nicht nur den Laden in Hessisch Oldendorf gegründet, sondern ungefähr zur gleichen Zeit auch andere in der näheren Umgebung – in Hameln, Bad Pyrmont und Holzminden. „Anlass war der bestehende Bedarf“, sagt Boyer. Zu dieser Zeit waren auch die Lebensmittel-Tafeln vielerorts intensiv in der Diskussion. Der Bedarf, dass Nötigste billig zu bekommen, besteht in Teilen der Gesellschaft unverändert fort.

Freuen würde sich das Laden-Team aber, wenn zusätzlich mehr Leute kämen, die auf Billig-Preise eigentlich nicht angewiesen sind.




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