weather-image
12°

Neujahrskonzert in der Johannes-der-Täufer“-Kirche

Gänsehaut durch Young Voices

FUHLEN. Die „Young Voices“ aus Osterwald haben beim Neujahrskonzert in der Fuhlener „Johannes-der-Täufer“-Kirche das Publikum mitgerissen.

veröffentlicht am 28.01.2019 um 13:14 Uhr
aktualisiert am 28.01.2019 um 19:40 Uhr

Glänzt mit famos-souliger Rockröhre: Solistin Conny Kramer. Foto: boh
bohrer1

Autor

Stefan Bohrer Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Auf der nach oben hin offenen Kitsch-Skala belegt Leonard Cohens „Hallelujah“ seit Jahren den vordersten Platz. Was nicht zuletzt, Frooonck sei Dank, an so unsäglichen TV-Formaten wie dem VOX-Vehikel „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ liegt. Wenn dort mehr oder weniger begabte Freunde von Braut und Bäutigam sich an diesem Song versuchen, erreicht einerseits die Feuchtigkeit in den Tränendrüsenkanälen sintflutartige Stärke, egal, ob die Performance gut oder schlecht war, andererseits jedoch auch der Reiz, sich gepflegt am Zäpfchen zu kraulen. So könnte es bleiben, bis sich der Song endgültig ins Sentimentalitäts-Nirwana verabschiedet.

Es sei denn, Chöre wie die „Young Voices“ aus Osterwald nehmen sich das Stück musikalisch vor. Chorleiterin Erika Bornett und Pianistin Victoria Buck haben ganze Arbeit geleistet, um „Hallelujah“ von jeglichem Kitsch zu befreien und die wunderschöne Melodie ohne musikalischen Bombast wieder offen zu legen. Und genau damit zeigen die 30 Sänger in Artikulation, Rhythmus und Ausdrucksstärke eine beeindruckende Leistung beim Neujahrskonzert in der Fuhlener „Johannes-der-Täufer“-Kirche, die dem Zuhörer während des gesamten Konzertes immer wieder wohlige Schauer über den Rücken jagt. Bereits der musikalische Einzug in die ehrwürdige Kirche lässt aufhorchen und legt das Programm mit „In your name we are here“ fest – blitzsaubere Intonation, feierlicher Wechsel zwischen Forte und Piano, chorisches Miteinander und perfektes Aushalten der Töne.

Man merkt, dass die Chorleiterin bei dem seit 1995 bestehenden Chor sehr viel Wert auf Stimmbildung und Intonationsstärke legt. Das zeigt sich besonders beim terzenseligen „Mi corazón te adora“, gespickt mit solistischen Einlagen und einem herrlichen Tonartwechsel in der Coda – und solche Wechsel sind ja bekanntlich immer gut, um Hits, und sei es in diesem Fall ein Gospel-Hit, zum strahlenden Ende zu führen. Zu Recht erntet „Young Voices“ dafür donnernden Applaus. Überhaupt ist von der ersten Sekunde an klar, dass es sich bei diesem Neujahrskonzert um etwas Besonders handelt, denn die Zuhörer werden aktiv in das Konzert mit eingebunden. Sei es durch Mitklatschen oder Schnippen, sei es durch gemeinsames Singen wie etwas dem Kanon „Peace to the World“. Und wo es Frieden für die Welt geben soll, ist natürlich die Freude darüber nicht weit: „Joy to the World“ ist ein unverwüstlicher Gospel, dem der Osterwalder Chor trotzdem neue musikalische Akzente verpasst.

Diese Freude überträgt sich auf das Publikum. Erst Recht, wenn einzelne Sänger wie etwa Conny Kramer mit souliger Rockröhre Glanzpunkte setzen oder der Chor bei „Coming to you“ mit Sekundschritten glänzt. Wen wundert es da noch, dass nach dem konzertabschließenden Beatles-Medley die Zugaben förmlich greifbar in der Luft liegen: „Oh happy Day“ gehört natürlich zwingend dazu, um dieses Konzert krönend abzurunden – gemeinsam intoniert vom Chor und dem musikalisch antwortendem Publikum.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare