weather-image
19°
×

Kleine Schritte auf einem langen Weg

Hessisch Oldendorf hofft auf Auszeichnung als Fairtrade-Town

HESSISCH OLDENDORF. „Jeder Marathon beginnt mit dem ersten Schritt“, sagt Bürgermeister Harald Krüger als es um die Initiative geht, Hessisch Oldendorf zur Fairtrade-Stadt zu machen. Die Weserstadt hat sich auf den Weg gemacht, es 646 Städten in Deutschland und rund 2000 weiteren weltweit gleichzutun.

veröffentlicht am 13.11.2019 um 11:47 Uhr
aktualisiert am 13.11.2019 um 16:30 Uhr

Autor:

Erste Schritte sind bereits getan, nun gilt es „von der Erkenntnis etwas Gutes zu tun, zum Handeln zu kommen“, erklärt das Stadtoberhaupt. „Die Kommune geht als Vorbild voran, als Gastgeschenke werden seit einiger Zeit nur noch Körbe mit fair gehadelten Waren überreicht. Im Rathaus wird fair-gehandelter Kaffee getrunken.“

Der Rat hat vor einigen Monaten beschlossen, dass sich die Stadt an der internationalen Kampagne von Transfair beteiligen und um den Titel „Fairtrade Town“ bewerben soll. Nach dem Ratsbeschluss ist eine Steuerungsgruppe gebildet worden. „Ein gutes Team“, wie die Sprecherin und Initiatorin der städtischen Aktion, Waltraut Brümmer, ausführt. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen erklärt, dass sie Klinken geputzt hat, um die Kriterien für die Aufnahme als Fairtrade-Stadt zu erfüllen. Die Vorgaben sind klar, entsprechend der Einwohnerzahl müssen Geschäfte, Schulen, Kirchengemeinden, Vereine, Gastronomiebetriebe mitmachen. Um in der Champions League mit Fairtrade-Städten wie London, Paris, Madrid und Rom mitspielen zu können, gehört auch Öffentlichkeitsarbeit.

Fairtrade-Städte fördern den fairen Handel auf kommunaler Ebene und sind das Ergebnis einer erfolgreichen Vernetzung von Akteuren aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft, die sich gemeinsam lokal für den fairen Handel stark machen. Das Engagement vieler Menschen zeigt, dass Veränderung möglich ist, sowie jede und jeder etwas bewirken kann. „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten können die Welt verändern. Man kann etwas bewegen und hat auch noch ein gutes Gefühl dabei“, ist Brümmer überzeugt. Bürgermeister Krüger bringt es auf die kommunale Ebene und verweist darauf, dass einzelne Stimmen entscheidend sein können, wie beispielsweise bei der Bürgermeisterwahl in Bad Münder.

Dass mit den kleinen Schritten viel Arbeit verbunden ist, hat Brümmer erlebt. Bei Lidl, Aldi, Edeka, Rewe und Rossmann in der Baxmann-Stadt liegt Fair- gehandeltes in den Regalen, im Eine Welt Laden am Kirchplatz sind bereits seit Jahren fair-gehandelte Produkte zu kaufen, das Café der Bäckerei Knief und das Bistro bei Ladage sowie die Grundschule am Rosenbusch und der VFL Hessisch Oldendorf machen mit. Das reicht aus, um die Bedingungen zu erfüllen und um die Bewerbung loszuschicken. Bei der Informationsveranstaltung am Mittwochabend hat auch die DLRG Ortsgruppe Haddessen signalisiert, in ihrem Kiosk im Süntelbad fair gehandelte Waren anzubieten. Herbert Duckstein kann sich gut vorstellen auch mit dem MTV Heßlingen ins Boot zu steigen.

Zum Hintergrund von Fairtrade informiert Silvia Hesse. Noch immer gibt es auf der Welt hungernde Menschen, 702 Millionen verdienen weniger als 1,9 Dollar am Tag, die Mehrheit davon lebt auf dem Land. Es fehlt an Bildung, medizinischer Versorgung und Gleichberechtigung ebenso wie an menschenwürdigen Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit ist längst nicht abgeschafft. Bürgermeister Krüger fasst es in drastischen Sätzen zusammen: „Die Konzerne scheren sich nicht um örtliche Strukturen, sie wollen günstig einkaufen, drücken damit die Löhne. Den Menschen bleibt nicht mehr genug zum Leben. Jeder von uns ist mitverantwortlich, denn jeder entscheidet, was im Großen passiert. Es nützt nicht nur die Erkenntnis, dass etwas dagegen getan werden muss. Aber von der Erkenntnis zum Handeln ist ein weiter Weg.“

Fairtrade kämpft für nachhaltiges Wirtschaften, nachhaltigen Konsum und hat den Klimaschutz im Blick. Ziel ist unter anderem „Konsumentinnen und Konsumenten, Unternehmen und Produzentenorganisationen zu verbinden und Handel(n) durch bessere Preise für Kleinbauernfamilien zu verändern sowie menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Beschäftigte auf Plantagen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu erreichen“. Was dort produziert wird, erhält das Fairtrade-Siegel. Dieses garantiert, dass die Produzenten einen festgelegten Mindestpreis sowie eine Fairtrade-Prämie zur Finanzierung von Gemeinschafts-Projekten erhalten. Der Mindestpreis deckt die Kosten einer Produktion unter nachhaltiger Anbauweise, erklärt Hesse. Das Siegel lässt in den Regalen der beteiligten Geschäfte erkennen, ob es sich um fair-gehandelte Ware handelt.

Gestern Mittag kann die stellvertretende Bürgermeisterin Brümmer feststellen: „Wir erfüllen jetzt die Bedingungen, der Antrag für die Aufnahme in den Kreis der Fairtrade-Städte wird umgehend formuliert und abgeschickt. Dann erfolgt die Prüfung und vielleicht erhalten wir noch ein Weihnachtsgeschenk und die Urkunde, dass wir Fairtrade-Town sind.“




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige