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Kabarettistin Andrea Volk über den ganz normalen Alltag

Ihr Büro ist ihre Hölle

veröffentlicht am 10.03.2019 um 18:07 Uhr

Andrea Volk telefoniert aus der Hölle, ihrem Büro, mit dem verstorbenen Kollegen im Himmel. Foto: ah
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Autor

Annette Hensel Reporterin
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HESSISCH OLDENDORF. Unerwartete Gäste bei der Feier zum Internationalen Frauentag: Nach dem Gutachten zum Brandschutz Anfang des Jahres, in dem „eine Vielzahl von Mängeln“ im Baxmann-Zentrum aufgelistet sind, müssen Brandschutzmaßnahmen ergriffen werden. Also sind 13 Aktive der Schwerpunktwehr Hessisch Oldendorf im Einsatz und sorgen dafür, dass die Veranstaltung stattfindet und 200 Gäste sich sicher fühlen können. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, betont Bürgermeister Harald Krüger. Klar, dass es Riesenapplaus für die Freiwilligen gibt. Den erntet auch Andrea Volk, die sich einen Sicherheitshelm auf den Büroschreibtisch gelegt hat, denn: „Wir müssen heute alle aufpassen…“

„Büro ist Krieg“, zitiert sie Stromberg aus der gleichnamigen TV-Comedy-Serie und weiß die Aussage in ihrem Programm „Feier-Abend! Büro und Bekloppte“ zu belegen: Großraumbüro, Flächennutzungsplan für den Kühlschrank, Datenschutzgrundverordnung oder neue SAP-Software… Den regen Gebrauch von Schlagwörtern aus Meetings persifliert die Kölner Kabarettistin, indem sie mithilfe von „Digitaler Wandel, Optimieren, Team und Workflow“ mit dem Publikum „Bullshit-Bingo“ spielt.

Schwindelerregend, wie sie am Beispiel der Bestellung eines Kabels fürs Faxgerät mit all den Verordnungen und geöffneten Tickets jongliert. Verständlich, dass der Betriebsarzt gegen drohenden Burnout die Work-Life-Balance empfiehlt – also erscheint Andrea Volk, gesundheitlich hörbar angeschlagen, in funktionalem Entspannungsoutfit.

Sie ist eine genaue Beobachterin, bringt den ganz normalen Alltag im Büro, also „die Hölle“ auf die Bühne: Statt Kegeln gibt’s zwecks Teambuilding Kommunikationsinseln, die sie nicht mit Bürodrache Doris „mit dem falschen Lächeln“ teilen möchte. Die Waffen der resoluten Büro-Frau: Harzer Roller und in den Boden gesteckte Nadeln – das Achtsamkeitstraining führt sie mit Bio-Susannes Lebensmitteln durch. Langanhaltender Applaus am Ende des Programms beweist, dass sie den Nerv des Publikums getroffen hat. „Das war richtig gut“, meint Martina Keese aus Salzhemmendorf, die mit mehreren Frauen angereist ist. Drei Hamelner, darunter zwei Herren, können das nur bestätigen.

Was wäre die Gala zum Frauentag ohne internationale Speisen, für die am Samstag der Deutsch-Türkische Freundschaftsverein sorgt und ohne die Gruppen von Seldas Tanzwelt im Vorprogramm?!

„Seldas Tanzwelt steht dafür, dass wir mit Begeisterung gemeinsam, egal welcher Herkunft etwas bewegen“, sagt Anne-Brit Gäbel. Die ehemalige Emmerthaler Gleichstellungsbeauftragte tritt in Hessisch Oldendorf erstmals als Moderatorin des Frauentags in Erscheinung und meistert ihre Aufgabe sehr gut. Selda schaffe mit ihren multikulturellen Mädchentanzgruppen – „meiner kunterbunten Tanzwelt“ (O-Ton Selda Yasaroglu) – „eine Bühne, Raum für alle Mädchen, die tanzen möchten. Das spiegelt den Geist des Internationalen Frauentags wider“, so Gäbel.

Zum Auftakt des Abendprogramms sorgen sie für unglaubliche Dynamik – die große Gruppe der Sweet Teenies im Grundschulalter, die Honey Girls und die Sugar Girls: sehr rhythmisch, mit mitreißenden Choreografien – nicht nur zu Ohrwürmern wie „Bella Ciao“. Grandios: die in den Tanz der Ältesten eingebaute Herzdruckmassage. Um auf Nummer sicher zu gehen, ist für Organisatorin Stephanie Wagener klar: „Das war der letzte Frauentag im Baxmann-Zentrum. Für 2020 habe ich das Kultourismusforum gebucht.“ 200 Gäste plus Buffet passen da allerdings nicht hinein. Bereits am kommenden Montag, 18. März, lädt die Gleichstellungsbeauftragte dort anlässlich des „Equal Pay Days“ zu einem Filmabend ein, gezeigt wird um 19.30 Uhr „We want Sex“. Der Eintritt ist frei.




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