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Wetterkapriolen und Käferplage haben Bäumen erheblich geschadet

Kein gutes Jahr für den Wald

HESSISCH OLDENDORF. Für den Wald war das Jahr 2018 so schlecht wie schon lange nicht mehr. Christian Weigel arbeitet schon lange als Forstamtsleiter im Bereich Hessisch Oldendorf, doch an ein anderes Jahr mit derartig ungüstigen Witterungsverhältnissen kann er sich nicht erinnern. Sturm, Hitze und Borkenkäfer haben dem Baumbestand in den letzten Monaten zu schaffen gemacht und wirtschaftlich enorme Schäden verursacht.

veröffentlicht am 30.12.2018 um 18:18 Uhr

Vor etwa einem Jahr hat Sturm „Friederike“ in den Wäldern gewütet.
Jens Spickermann

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Es fing schon im Januar an: Mit Spitzenwerten von 112 Kilometern pro Stunde rauschte Sturm „Friederike“ über die Wipfel und warf insbesondere die flach wurzelnden Fichten um. „Friederike hat insbesondere im Bereich Welsede Windbruch produziert“, klagt Weigel. „Das waren nicht ganz so große Flächenwürfe wie damels beim Sturm Kyrill, aber dafür waren sie schwerer zu finden.“ Daher musste es erst einmal gelingen, den Windbruch in den weitläufigen Wäldern zu sichten – und natürlich auch abzutransportieren. Das sorgte für weitere Probleme: In den ersten Wochen des Jahres war der Waldboden erheblich aufgeweicht, sodass schwere Maschinen im Matsch stecken geblieben wären oder zumindest tiefe Spuren hinterlassen hätten. Die Witterungsbedingungen waren auch in dieser Hinsicht alles andere als gewöhnlich: Der Boden war so aufgeweicht, wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Nach den ersten Aufräumarbeiten stellte sich für das Forstamt natürlich die Frage: Wohin mit dem ganzen Holz? Auf dem Markt hat das Überangebot die Preise gedrückt – trotzdem sollten die umgeworfenen Bäume nicht im Wald verrotten. Ein Teil sei deshalb zeitnah verkauft worden, ein anderer Teil durch Folie vor der Witterung geschützt worden, berichtet Weigel.

So schlecht wie das Jahr für die Wälder begonnen hatte, sollte es schließlich auch weitergehen. „Dann kam die Käfer-Problematik – und das war viel schlimmer“, erzählt Weigel. Nach den Sturmschäden machte ab dem Frühjahr der Borkenkäfer den Bäumen zu schaffen und sorgte für weiteren Schaden. Normalerweise sind die Holzparasiten ein normaler Bestandteil des Ökosystems, doch durch Trockenheit geschwächte Bäume sowie zu viel Totholz begünstigen eine Massenvermehrung.

„Das Hauptproblem war die Trockenheit“, sagt Weigel. Nachdem der Jahresanfang nass und windig war, sorgten ab dem Frühjahr die viel zu geringen Niederschläge dafür, dass die Fichten sich nur noch unzureichend vor den Insekten schützen konnten. Normalerweise bekämpfen die Nadelbäume die Schädlinge durch ihr Harz, erklärt Weigel. Aufgrund des Wassermangels konnten die Bäume aber nur unzureichend Harz produzieren und waren gegen die Borkenkäfer nicht ausreichend gewappnet. Die lang anhaltende Hitzewelle hat im Sommer dann Übriges geleistet: „Viele unserer Kulturen sind einfach vertrocknet.“ Davon seien insbesondere Buchen betroffen gewesen, aber auch die Lärchen, sagt Weigel.

Wie groß der wirtschaftliche Verlust im Hessisch Oldendorfer Forst ist, kann er noch nicht genau beziffern. Im gesamten Landeswald beliefen sie sich auf 135 Millionen Euro, weiß Weigel. Zustande kommen die hohen Verluste durch Zuwachseinbußen, Verringerung des Holzpreises und Entwertung durch Borkenkäfer und Pilze. Besser wird es dadurch zwar nicht, aber immerhin sei der heimische Wald noch nicht so arg in Mitleidenschaft gezogen worden wie der Harz und der Solling.

Kaum ein Zweifel besteht noch daran, dass sich durch den Klimawandel begünstigt auch zukünftig die Wetterkapriolen häufen werden. Allein acht der neun wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen fallen ins 21. Jahrhundert. 2018 könnte das wärmste dieser Jahre werden, wie der Deutsche Wetterdienst vermeldet. Dem Wetter stehen die Forstämter zwar machtlos gegenüber – dafür können sie den Wald aber widerstandsfähiger machen.

Eichen seien wärmebeständiger als Fichten, sagt Weigel. Deshalb habe man bei Welsede davon 45 000 neu gepflanzt. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Förster hingegen zum großen Teil auf Fichten gesetzt, die auf Sturm und Trockenheit empfindlicher reagieren. Im Unterschied zu Eichen, die in der Regel erst nach 200 Jahren für die Holzproduktion gefällt werden, seien Fichten schon nach etwa 80 Jahren bereit für die Ernte und darum rentabler. Im Hinblick auf die Klimaveränderungen setzen die Landesforsten in Hessisch Oldendorf mittlerweile aber trotzdem auf die beständigeren Eichen.




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