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Auch CDU will die Stadthalle schließen – und kritisiert SPD und Grüne

Keine Zukunft für das Baxmann-Zentrum

HESSISCH OLDENDORF. Für das Baxmann-Zentrum als Veranstaltungsort wird es aller Voraussicht nach keine Zukunft geben. Nachdem SPD und Grüne einen Antrag verfasst haben, der das Ende der Stadthalle vorsieht, signalisiert die CDU Zustimmung – teilt aber auch mit, es ja schon lange gesagt zu haben.

veröffentlicht am 07.02.2019 um 17:41 Uhr

Abriss oder Umnutzung rücken näher – sowohl SPD und Grüne als auch die CDU ziehen eine Sanierung nämlich nicht mehr in Betracht. Foto: dana
Jens Spickermann

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Bei den Christdemokraten klingt neben Gesprächsbereitschaft in der Sache auch Unmut durch. Der Grund: Schon vor zwei Jahren hatte die Partei einen Antrag in den Finanzausschuss eingebracht, demzufolge der Betrieb im Baxmann-Zentrum eingestellt werden sollte. Damit hatte sich die CDU gegen die Mehrheitsgruppe aus SPD und Grünen allerdings nicht durchsetzen können.

„Den gleichen Vorschlag haben wir vor zwei Jahren gemacht“, betont CDU-Fraktionsvorsitzender Karlheinz Gottschalk. „Wir sind danach sprichwörtlich verprügelt worden.“ Sowohl in den Diskussionen als auch in den sozialen Medien habe sich nach dem Vorschlag geballte Missbilligung über seiner Partei ergossen.

In der Sache stimmt Gottschalk der SPD und Grünen zu: Eine Sanierung des Baxmann-Zentrums würde zu hohe Summen verschlingen und die Lage in einem Wohngebiet sei ungünstig. Deshalb müsse in Hessisch Oldendorf ein alternativer Veranstaltungsort geschaffen werden.

Zu diesem Ergebnis hätten SPD und Grüne auch früher kommen können, meint Gottschalk. Die mittlerweile vorliegenden Architektenentwürfe und das Brandschutzgutachten gab es vor zwei Jahren zwar noch nicht. Das Brandschutz-Problem habe aber nur das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen gebracht. Der Sanierungsstau und die Schwierigkeit mit der Anwohnerbelästigung seien schon bekannt gewesen. Ebenso dass nach 22 Uhr aufgrund der Lautstärke keine Veranstaltungen stattfinden dürfen – „aus dem Grund ist der Standort verbrannt“, sagt Gottschalk. Man würde garantiert keinen Pächter mehr finden, der die Stadthalle betreibt. Die Gelder, die in den vergangenen zwei Jahren in die Planung geflossen sind, habe man sich daher eigentlich sparen können, kritisiert er. Alles in allem seien 150 000 Euro unnötig ausgegeben worden.

An der Zukunftswerkstatt, die sich mit möglichen Perspektiven für das Baxmann-Zentrum befasste, hatte sich die CDU zwar beteiligt. Zuletzt hatten die Christdemokraten auch in einem gemeinsamen Haushaltsantrag auf Vorschlag von SPD und Grünen für 2019 weitere 50 000 Euro für das Baxmann-Zentrum bewilligt. Die Skepsis sei seitens der CDU aber immer da gewesen. „SPD und Grüne haben es jetzt endlich auch eingesehen“, sagt Gottschalk. „Man hat das Gefühl, die SPD hinkt uns zwei Jahre hinterher“, sagt CDU-Stadtverbandsvorsitzender Thomas Figge dazu. „Jetzt haben wohl alle begriffen, wie schlimm es wirklich ist.“

Weil es jetzt in der Sache kaum Differenzen gebe und auch in anderen Fragen die Zusammenarbeit interfraktionell meist sehr gut funktioniere, hätte er sich gewünscht, mit SPD und Grünen einen gemeinsamen Antrag erarbeiten zu können. Normalerweise herrsche in Hessisch Oldendorf zwischen den Parteien „Friede, Freude, Eierkuchen“, sagt Gottschalk. So wie sich die Zukunftswerkstatt mit Umgestaltungsmöglichkeiten für das Baxmann-Zentrum beschäftigt hat, werde man sich nun gerne in einer ähnlichen Konstellation zusammensetzen, um nach einer Alternative zu suchen.

Wie die genau aussehen könnte, da gehen die Einschätzungen noch auseinander. Sowohl Sven Sattler (SPD) als auch Gottschalk sind für eine ergebnisoffene Debatte. Sattler plädiert aber eher für eine Lösung, die zumindest 500 Personen Platz bietet; Dirk Adomat (SPD) findet es sogar wichtig, einen Veranstaltungsort zu haben, der auch bedeutendere Events in der Stadt ermöglicht. „Wir unterhalten uns da über die Zukunft einer ganzen Stadt“, betont Adomat die Wichtigkeit einer solchen Stadthalle.

Gottschalk argumentiert hingegen, ein neuer Veranstaltungsort müsse so dimensioniert sein, dass er sich selbst wirtschaftlich trägt und die Stadt kein Geld zuschießen muss. Angesichts der Haushaltslage sei das ein wichtiges Kriterium. Als primäre Aufgabe sieht es es an, den heimischen Vereinen geeignete Räume zu bieten. Eine Halle in der Größenordnung des Baxmann-Zentrums hält er für nicht zwingend erforderlich.

Die Entscheidung, die Stadthalle nicht direkt aufzugeben, sondern eine Zukunftswerkstatt einzuberufen, hält Adomat übrigens nach wie vor für richtig. Durch den CDU-Vorstoß hätte man die Vereine einfach im Regen stehen lassen – die SPD habe aber alle Beteiligten an einen Tisch geholt, argumentiert Adomat.




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