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Grundstück am Lokenweg verkommt seit Jahren

Machtlos gegen den Autofriedhof

HESSISCH OLDENDORF. Das Dach ist in Teilen eingestürzt, die Mauern bröckeln und die Fenster sind zersplittert. Rundherum stehen dutzende schrottreife Autos, Bagger, LKW und Gabelstapler – und das seit etlichen Jahren. Das Grundstück an der Ecke Lokenweg/Westerfeld erscheint wie eine Mischung aus Schrottplatz und Autofriedhof, das Gebäude wie eine einsturzgefährdete Ruine. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht – dabei wirkt sich der Zustand des Areals auch auf die Umgebung negativ aus.

veröffentlicht am 04.02.2019 um 17:43 Uhr

Seit Jahren verfällt das Gebäude am Lokenweg. Auf dem Grundstück sammelt sich Schrott an. Foto: jsp
Jens Spickermann

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Eigentlich würde die Stadt das Umfeld der ehemaligen Zuckerfabrik am Lokenweg gerne aufwerten. Sofern es gelingt, das alte Fabrikgebäude zu verkaufen und dort eventuell Gewerbe anzusiedeln, könnte das positiv auf die Entwicklung des Umfeldes ausstrahlen, so die Hoffnung.

Zwar ist auch das Zuckerfabrik-Gebäude nicht in bestem Zustand. Zur besagten Schrottimmobilie an der Ecke Lokenweg/Westerfeld gibt es aber einen wesentlichen Unterschied: Die Zuckerfabrik ist im Besitz der Stadt, könnte daher verkauft und gegebenenfalls abgerissen werden. Das Gebäude mit dem wilden Schrottplatz ist hingegen in Privatbesitz, so dass die Stadt kaum Möglichkeiten hat, dort einzugreifen – vorerst bleibt also alles beim Alten.

Schon lange ist die verfallende Immobilie der Verwaltung ein Dorn im Auge. Da Privatleute auf ihren eigenen Grundstücken aber relativ frei agieren können, gibt es wenig Handhabe das Chaos einzudämmen – zumindest solange Mensch und Umwelt nicht gefährdet sind. „Das ist ein richtiges Ärgernis“, sagt Bürgermeister Harald Krüger. Im August 2016 waren zwar Polizei und Umweltbehörde vor Ort, um zu ermitteln, ob eventuell eine Umweltstraftat aufgrund auslaufender Betriebsstoffe vorliegt. Auch eine Gefährdung durch herabfallende Gebäudeteile wurde in Betracht gezogen – aus ebendiesem Grund traten die Behördenvertreter gar nicht erst ein. Letztendlich habe die Maßnahme „nicht dazu geführt, dass ordnungsbehördlich eingegriffen wurde“, sagt Krüger.

2 Bilder
Ein Gebrauchtwagen? Oder einfach nur Schrott? Fotos: dana

Der chaotische Zustand hat damals dazu geführt, dass das benachbarte Grundstück kaum vermarktbar war. Das Ziel war, dort Gewerbe anzusiedeln, doch die angrenzende Schrottimmobilie wirkte wohl abschreckend. In der Folge konnte die Sparkasse als Erschließungsträger das Grundstück nur als Standort für den Solarpark vermarkten, der sich noch immer dort befindet, berichtet der Bürgermeister.

Einige Jahre zuvor wäre das Problem fast durch eine Zwangsversteigerung gelöst worden. Die Stadt wollte das Grundstück erwerben – obwohl sich zusätzlich zu dem oberflächlichen Unrat auch im Untergrund Altlasten „in erheblicher Größenordnung“ befinden. Bis zu 40 000 Euro habe die Stadt geboten, weil sie das Problem beseitigen wollte – doch ein Familienmitglied des Eigentümers konnte die Immobilie kaufen, sagt Krüger. „Derjenige, der es jetzt hat, lässt es weiterhin verkommen.“ Um wen es sich handelt, dürfe er aus Datenschutzgründen nicht sagen, teilt Krüger mit.

Was der Besitzer mit den kaputten Fahrzeuge anfangen will, bleibt ein Rätsel. Laut Besitzer handele es sich um „Wirtschaftsgut“, meint Krüger. Also nicht um Schrott, sondern um funktionsfähige Fahrzeuge, die aus Umwelt-Gesichtspunkten kein Problem darstellen. Allerdings ist selbst für technische Laien erkennbar, dass ein Großteil der Fahrzeuge seit geraumer Zeit nicht mehr vom Fleck bewegt wurde und ganze Bauteile fehlen.

Der Untergrund dürfte für die Zukunft noch einige Überraschungen bereithalten. Ein Gutachten habe die Beseitigung von Altlasten im Boden vor Jahren auf Kosten in Höhe von 100 000 DM beziffert, sagt Krüger. Sofern die Stadt irgendwann die Möglichkeit haben sollte, das Gelände zu kaufen und aufzuräumen, dürften also Herausforderungen auf sie zukommen. Dem Bestreben der Stadt, den Lokenweg als Standort aufzuwerten, kommt die Schrottimmobilie bis dahin ordentlich in die Quere.




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