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Familie Grundmann gewinnt mit Rometsch-Coupé ersten Preis beim „Concours d’Elégance“

Mit dem Oldtimer nach Florida

HESSISCH OLDENDORF/AMELIA ISLAND. Menschen, die mit Zahnbürsten und Fusselrollen Autos säubern, fallen Traugott und Christian Grundmann sofort ins Auge, als sie vergangenen Samstag bei der weltweit größten Ausstellung für exklusive historische Automobile eintreffen. Die befindet sich auf einem Golfplatz in Amelia Island (USA), „Cars and Coffee“ ziehen Besuchermassen an.

veröffentlicht am 15.03.2019 um 20:57 Uhr

Unter der Sonne Floridas steht es da und glänzt wie neu: Das Rometsch-Sportcoupé von Christian und Traugott Grundmann. Foto: Jeff Holland
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Annette Hensel Reporterin
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Beim Concours d’Élégance am darauffolgenden Tag entscheidet eine Jury, welcher der mehr als 500 Oldtimer – vom Bentley über Cadillac, Porsche oder Bugatti bis hin zum Rolls-Royce - für Zustand, Originalität, Schönheit oder Historie ausgezeichnet wird. „Sogar ein Straßenkreuzer von Präsident Dwight D. Eisenhower befand sich darunter“, erzählen die Grundmanns.

Zu ihrer Überraschung wurden sie Anfang des Jahres erstmals von Volkswagen zum Concours d’Élégance eingeladen und zugleich gefragt, ob sie bereit seien, dort einen der Schätze aus ihrer Oldtimersammlung auszustellen. Die Wahl fällt auf ein Rometsch Sportcoupé auf Basis des Käferfahrgestells, entworfen von Karosseriebauer und Konstruktionschef Johannes Beeskow, dem späteren Chefdesigner bei Karmann. Jener Zweitürer, Baujahr 1951, im Aluminium-Frack, auch Banane genannt, wurde vor genau zehn Jahren in der Werkstatt der Familie Grundmann restauriert und ist das einzig überlebende Fahrzeug dieser Baureihe. Da der 24,5-PS-Wagen per Schiff nicht rechtzeitig in Florida ankommen würde, wird er auf dem Luftweg befördert – VW übernimmt sämtliche Kosten.

Mit kleinen Hindernissen beginnt die morgendliche Anfahrt zum Golfplatz: Der Rometsch, dessen Tank für den Flug entleert werden musste, benötigt Benzin, verfügt aber ebenso wenig über einen Kanister wie die Tankstellen, die die Grundmanns mit einem geliehenen Wagen anfahren. Außerdem müssen sie eine 6-Volt-Batterie besorgen, weil das Röhrenradio unbemerkt angeschaltet war. „Es war schon abenteuerlich, bis das alles erledigt war“, gesteht Traugott Grundmann. Als sie schließlich mit ihrem Rometsch über den gepflegten Rasen der Golfanlage rollen, bringen Besitzer hochwertiger Oldtimer mit Zahnbürsten, Fusselrollen, Wattestäbchen und Tüchern die Karosserien auf Hochglanz und legen Spiegel darunter, damit ihre Fahrzeuge von allen Seiten bewundert werden können. „Die amerikanische Oldtimer-Szene ist deutlich verrückter als die in Deutschland“, findet Traugott Grundmann und berichtet: „Im Rahmen der Veranstaltung haben Auktionen stattgefunden, bei denen Fahrzeuge für 32 Millionen Dollar versteigert wurden. Und für den Concours d’Elégance zahlten die Autofans 150 Dollar Eintritt.“

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Im Jahr 2009 haben die Grundmanns den Rometsch aufwendig restauriert. Foto: Archiv/ah

In den 70er Jahren hat Grundmann selbst in den USA, in Kalifornien, gelebt, entdeckte bei einem Käfertreffen sein erstes Rometsch-Cabrio und war „auf den ersten Blick verliebt in das Design“. Damals lernte er Beeskow persönlich kennen, der ihm seinen ersten eigenen Rometsch vermittelte. Nun, rund 45 Jahre später, verfolgt Grundmann, wie wohlhabende, gutgekleidete Paare an den ausgestellten Fahrzeugen vorbeiflanieren und die Jury aus exklusiven Kennern der Szene, darunter VW-Chefdesigner Klaus Bischoff die Oldtimer inspizieren und bewerten.

„Das ist schon eine extrem hohe Schule“, betont er, stolz darauf, in diesem Kreis wahrgenommen zu werden – und nicht nur das: Sein Rometsch Coupé wird in der Klasse „von Hand gebaute Volkswagen“ mit dem ersten Preis ausgezeichnet. „Das ist wie eine Goldmedaille im Sport“, erklären die beiden Grundmanns voller Freude.

Vater und Sohne nutzen den Concours d’Elégance dazu, Kontakte zu knüpfen und auf das VW-Veteranentreffen 2021 hinzuweisen, bei dem sie „einen größeren Ansturm aus den USA erwarten“. Den Besuchern in Amelia Island habe gefallen, dass sie mit dem Rometsch endlich ein Auto zu Gesicht bekommen, das sie noch nicht kennen, verraten die beiden – und dass die zahlreichen Journalisten, denen sie Interviews geben, allesamt wissen wollten: „Wo liegt denn Hessisch Oldendorf?“

Seit Dienstag sind die Grundmanns wieder in ihrer Heimatstadt – das Telefon steht nicht mehr still. Unter anderem möchte ein Team von GRIP, dem Fernsehmagazin rund ums Thema Automobil, demnächst vorbeikommen. Bessere Werbung für Hessisch Oldendorf und das achte VW-Veteranentreffen kann es wohl kaum geben.




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