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Altes Fachwerkhaus soll einem Neubau weichen

Neue Moschee in Planung

HESSISCH OLDENDORF. In Hessisch Oldendorf plant die muslimische Gemeinde einen Moschee-Neubau an der Straße Am Güterbahnhof. Das dort bisher als Moschee genutzte Gebäude soll dafür abgerissen werden. Der Grund ist der schlechte bauliche Zustand der alten Immobilie, außerdem wünschen sich die Gläubigen einen zusätzlichen Gemeinschaftsraum.

veröffentlicht am 03.12.2018 um 17:56 Uhr
aktualisiert am 03.12.2018 um 19:00 Uhr

Das bisher als Moschee genutzte Gebäude soll einem Neubau weichen. Foto: jsp
Jens Spickermann

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Was die Hessisch Oldendorfer Muslime bislang als Moschee nutzen, kann eigentlich kaum als solche bezeichnet werden – ursprünglich war das Gebäude Am Güterbahnhof 2 nämlich ein Fachwerk-Wohnhaus. Schon vor etwa sieben Jahren sei deshalb die Idee entstanden etwas Neues, Besseres zu bauen, erzählt Ersoy Günkaya, Vorsitzender des örtlichen Ditib-Vereins. Bald könnte es soweit sein: Bei der Stadt und dem Landkreis hat die muslimische Gemeinde beantragt, das alte Gebäude abzureißen und dafür einen Neubau errichten zu dürfen.

Der Boden weist schon Einbuchtungen auf, die Küche ist klein und abgenutzt und den Fenstern und Türen sieht man ihr Alter deutlich an. Um das bisherige Moschee-Gebäude steht es nicht zum Besten. Deshalb habe man vor der Wahl gestanden, entweder eine Kernsanierung vorzunehmen oder eben neu zu bauen, sagt Günkaya. Die Wahl fiel auf den Neubau, besonders weil der Gemeinde ein Mehrzweckraum fehlt, den die Gläubigen eigentlich für ihre Feste bräuchten. Auch für einen Kinderhort mit Nachhilfe-Unterricht und Mittagstisch würde Günkaya den Raum gerne nutzen – sowohl für muslimische als auch für andersgläubige Kinder. „Wir versuchen, uns hier sozial zu engagieren“, sagt Günkaya.

Der relativ kleine Gebetsraum sei nicht so sehr das Problem an dem Altbau. So viele Leute würden ohnehin nicht zum Gebet dorthin kommen. Ein Mehrzweckraum für die Gemeinschaft – der fehle allerdings. Bei Feiern müsse man zum gemeinsamen Essen nämlich den Gebetsraum nutzen. „Das geht eigentlich gar nicht“, meint Ayse Husseyin, stellvertretende Ditib-Vorsitzende in Hessisch Oldendorf.

Ersoy Günkaya und Ayse Hussein zeigen den recht kleinen Gebetsraum der Hessisch Oldendorfer Moschee. Foto: jsp
  • Ersoy Günkaya und Ayse Hussein zeigen den recht kleinen Gebetsraum der Hessisch Oldendorfer Moschee. Foto: jsp

Der entsprechende Bauantrag liegt dem Landkreis seit Februar vor. „Es ist aber noch nichts genehmigt“, sagt Günkaya. Einen Architekten-Entwurf gebe es aber schon. Mögliche Befürchtungen, dass auf dem Grundstück gleich eine Großmoschee errichtet werden könnte, möchte er schon einmal ausräumen: Im Grunde ändere sich nicht viel – außer dass eben ein neues Gebäude geplant sei.

In trockenen Tüchern sei die Angelegenheit zudem noch nicht: Auch wenn der Landkreis das Vorhaben absegnet, sei die Finanzierung der etwa 800 000 Euro teuren Immobilie noch nicht abschließend geklärt. „Ob wir das stemmen können, ist noch nicht sicher“, sagt Günkaya. Zwar spare die Gemeinde schon seit 2011 – seitdem nämlich das alte Haus, das sie seit dem Jahr 2000 nutzt, endgültig abbezahlt ist. 800 000 Euro seien für eine kleine Gemeinde allerdings viel Geld.

Aus der Sicht von Bürgermeister Harald Krüger spricht aus städtischer Sicht nichts gegen das Vorhaben der muslimischen Gemeinde. Mit bauordnungsrechtlichen Fragen müsse sich allerdings noch der Landkreis befassen. Dem obliege es nämlich, die Genehmigung zu erteilen, sagt Krüger. Die Stadt habe der Genehmigungsbehörde als planungsrechtliche Beurteilung mitgeteilt, dass es keine prinzipiellen Einwände gegen den Neubau gebe.

Weil für den entsprechenden Bereich nahe Krügers Baufachzentrum keine spezielle Bauordnung existiert, sei das einzige Kriterium, ob sich das Gebäude „nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die nähere Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist“. So steht es nämlich im Baugesetzbuch.

Was die Bauweise anbelangt, werde das geplante Gebäude die bestehenden in der Höhe nicht überragen. „Planungsrechtlich ist das ein klarer Fall“, sagt Krüger. Auch wenn es sich um eine Moschee handele, gehe es letztlich um einen ganz normalen Bauantrag. „Persönlich sehe ich das entspannt“, sagt der Bürgermeister. „Bezogen auf die Optik, wird sich die Situation am Ende nicht schlechter darstellen.“

Der Landkreis muss nun als eine von vielen Fragen klären, ob entsprechend der Nutzer-Zahl des Moschee-Baus genügend Parkplätze vorgesehen sind. In dieser Hinsicht gebe es festgeschriebene Planungsgrundlagen, erklärt Krüger. Dass nach dem Entwurf nur eine geringe Anzahl von Parkplätzen vorgesehen ist, bereitet einigen Anwohnern Bedenken. Die möchte Günkaya gerne ausräumen: Die meisten Gemeindemitglieder kämen zu Fuß zur Moschee. Und wenn an Feiertagen tatsächlich eine größere Anzahl von Gläubigen mit dem Auto kommen sollte, gebe es durch die Parkplätze der geschlossenen Geschäfte genügend Ausweichmöglichkeiten.




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