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Offenes Angebot des Hospizvereins Rinteln

Neue Trauergruppe für Kinder und Jugendliche

HESSISCH OLDENDORF/RINTELN. Wenn nach dem Abschied eines geliebten Menschen plötzlich nichts mehr so ist, wie es war und „man seine Gefühle nicht rauslassen kann, dann wird die Seele schwer“, sagt die achtjährige Neline.

veröffentlicht am 07.01.2019 um 16:33 Uhr
aktualisiert am 07.01.2019 um 17:20 Uhr

Am 21. Februar startet die neue Trauergruppe für Kinder und Jugendliche im Rintelner Familienzentrum: (v. li.) Annette Wallenstein, Sebastian Berg und Cornelia Strübe. Foto: privat
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Annette Hensel Reporterin
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„Abschied und Trauer sind keine Krankheit, sondern eine normale Reaktion auf ein Verlusterlebnis. Von Beginn unseres Lebens an trainieren wir den Umgang mit Verlusterlebnissen – von der Geburt über das Abstillen, Schnuller abgeben, Verlust von Spielzeug, Trennung von Eltern beim Besuch von Krippe oder Kindergarten, Schulwechsel bis hin zum Tod von Haustieren, Freunden oder Familienmitgliedern“, erklärt Ingeborg Schumer, Vorsitzende des Hospizvereins Rinteln und erzählt: „Viele Kinder und Jugendliche verdrängen oder leugnen ihre Trauergefühle. Sie wollen die anderen Hinterbliebenen nicht noch mehr belasten, übernehmen manchmal sogar Aufgaben, die sie in ihrem Alter noch nicht bewältigen können. Doch für den natürlichen Umgang mit ihrer Trauer bleibt oft kein Platz.“

„Wir möchten ihnen ein Angebot machen, bevor die Trauer zur Krankheit oder zu einem Trauma führt“, so Schumer und ergänzt: „Seit Jahren haben wir eine Kindertrauergruppe in Rinteln. Im Februar starten wir eine neue Trauergruppe für Kinder und für Jugendliche, in der wir einen Ort bieten, an dem sie so sein dürfen, wie sie sind und alle Fragen stellen dürfen, die sie beschäftigen. Ein Ort, an dem sie sich austoben können, aber auch auf Menschen treffen, die sie verstehen. Genau das benötigen trauernde Kinder und Jugendliche nämlich: Verständnis, Zeit, Geduld, Antworten – aber auch Ablenkung und ganz viel Aktivität. Interessierte aus dem gesamten Umland, also auch aus Hessisch Oldendorf, sind in der Trauergruppe herzlich willkommen.“

In der Kernstadt bietet der Hospizverein Rinteln bereits seit geraumer Zeit einen offenen Gesprächskreis an (das nächste Mal am 6. Februar um 19 Uhr im „Atrium“), lud auch zu einem Erfahrungsabend und einem Tagesseminar über Nahtoderfahrungen ein.

Es passt sich gut, dass Alois Schräder-Bartling mit seiner persönlichen Betroffenheit kurz vor dem Start der neuen Trauergruppe für Kinder und Jugendliche mit ins Spiel kam. Der Leiter der Villa Kunterbunt in Rumbeck hat vor einem Jahr mit Ehemann Dirk Bartling mit einem Stiftungskapital von 50 000 Euro (35 000 Euro davon in Form eines Goldbarrens) eine Zustiftung unter dem Dach der Bürgerstiftung Weserbergland gegründet. „Der Ertrag aus Spenden und Zinsen soll dem Hospizverein Rinteln zugutekommen“, gab das Paar bei Vertragsunterzeichnung bekannt.

Die ersten 562,80 Euro hat Schräder-Bartling nun dem Hospizverein überreicht; sie sollen in Anschaffungen für die neue Trauergruppe fließen. Die liegt ihm besonders am Herzen, schließlich hat er am eigenen Leib erfahren, dass Trauer krank machen kann. Sein Vater starb, als er noch ein Kind war. 20 Jahre war er schwer krank, ohne dass eine klare Diagnose gestellt werden konnte – bis eine Ärztin mutmaßte, die Krankheit könne mit der unbewältigten Trauer um seinen Vater zusammenhängen. Eine Therapie hat Alois Schräder-Bartlings Wunden heilen lassen und ihn gesund gemacht.

Am Donnerstag, 21. Februar, startet die neue Gruppe für trauernde Kinder und Jugendliche als offenes Angebot in Kooperation mit Stadtjugendpfleger Sebastian Beck im Rintelner Familienzentrum. Ehrenamtlich wird sie geleitet von Annette Wallenstein mit Unterstützung von Koordinatorin Cornelia Strübe. Jeden ersten Dienstag und dritten Donnerstag im Monat findet die Gruppe von 16 bis 17.30 Uhr statt.

Unter Handy 0178/1657501 ist der Hospizverein erreichbar; unter dieser Nummer werden auch Anmeldungen für die neue Trauergruppe entgegengenommen, deren Besuch kostenfrei ist. Erste Anmeldungen liegen bereits vor.




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