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Erstmals ohne Hexenball und ohne Umzug: Was die Hessisch Oldendorfer dazu sagen

Ohne Karneval – fehlt da was?

HESSISCH OLDENDORF. Hessisch Oldendorf ohne Karneval, sprich ohne Hexen, die Lippenstift-Herzen aufmalend durch Straßen, Geschäfte, Sparkasse oder Rathaus ziehen und ohne Umzug – fehlt den Bürgern da etwas? Die Redaktion hat nachgefragt bei den Menschen in der Stadt.

veröffentlicht am 03.03.2019 um 16:31 Uhr

Vor einem Jahr im Januar übten die Mini- und Prinzengarde des OCC in der noch ungeschmückten Halle des Baxmann-Zentrums für ihren Auftritt bei der Prunksitzung. In diesem Jahr fällt der Karneval in Hessisch Odendorf weitgehend aus. Foto: ah
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Autor

Annette Hensel Reporterin
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„Wo bleiben nur die Hexen?“, fragt am Donnerstagvormittag die Mitarbeiterin eines Ladens. Darauf hingewiesen, dass der Oldendorfer Carnevals-Club (OCC) von 1972 in diesem Jahr eine Pause einlegt, sagt sie mit etwas wehmütigem Blick: „Ach ja...“

Eine der „Ur-Hexen“ zieht dennoch durch die Innenstadt – wenngleich nicht verkleidet: Bärbel Boyer öffnet die Tür eines Geschäftes in der Langen Straße und ruft: „Helau!“ „Ich hatte wie gewohnt Sekt und Süßes erwartet, erntete aber nur einen verwunderten Blick“, erzählt sie und beginnt zu schwärmen, wie manche Einzelhändler die Hexen verwöhnten. Eine andere, „250 Jahre alte Hexe“ sagt: „Den Startschuss für die heiße Phase des Karnevals haben immer wir Hexen gegeben, wir haben das Rathaus gestürmt und für den Ausnahmezustand in der Stadt gesorgt – allein das vermisse ich.“ Nach kurzem Überlegen fügt sie hinzu: „Was hatten wir für einen Spaß mit den Kindern, die erwartungsvoll auf dem Schulhof und hinter den Fenstern auf unsere Hexenhorde warteten, mit uns tanzten und nie genug Herzen auf ihren Wangen haben konnten. Oder das Necken der Menschen in den Straßen und das Einhamstern der Krawatten – ja, das alles vermisse ich sehr.“

„Es ist schade, wenn so eine Tradition einschläft. Die Kollegen haben die Hexen heute schon vermisst“, sagt Jens Tölke, Beratungscenterleiter der Sparkasse Hameln-Weserbergland und ergänzt: „Wenigstens sind alle Krawatten ganz geblieben.“ „Es war deutlich ruhiger im Rathaus als in den Vorjahren“, scherzt Stadtjugendpfleger Tarik Oenelcin im Vorbeigehen und fügt hinzu: „Aber es hat was gefehlt.“ Diese Aussage können Lydia Schulte und ihr Fleischerei-Team nur unterstreichen.

„Früher habe ich Karneval gefeiert, aber heute ist mir das egal“, so ein 80-Jähriger, während ein 60-Jähriger erzählt: „Jedes Jahr trifft sich mein jüngster Sohn mit alten Schulfreunden hier zum Karnevalsumzug, zum Teil kommen sie von weither. Dass es wie im Vorjahr keinen Umzug gibt, sorgt für Enttäuschung.“

„Schade, dass kein Umzug stattfindet“, findet auch der zwölfjährige Eike. „Das ist traurig“, bestätigen die Schwestern Hannah (6) und Malin (10). Eine vierfache Mutter wirft ein: „Grundsätzlich waren die Umzüge schön, aber die letzten beiden Male einfach zu laut.“ „Und bei manchen Leuten war zu viel Alkohol im Spiel, das geht gar nicht“, meint eine dreifache Mutter.

Heike Knief, die mit Ehemann Martin, Tochter Frederike und Sohn Daniel maßgeblich an Organisation und Durchführung der OCC-Veranstaltungen beteiligt ist, für 2019 aber eine „Karnevalspause“ ausgerufen hatte, gesteht: „Uns fehlt schon auch etwas…“




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