weather-image
Kabarettist Fatih Çevikkollu überzeugt mit seinem Programm „FatihMorgana“ im Kultourismusforum

Perfektes Timing bei den Pointen

HESSISCH OLDENDORF. Dieser Mann hat Humor bis in die Fingerspitzen und ist ständig in Bewegung. Das Ganze dicht dran und immer mit dem Publikum.

veröffentlicht am 25.11.2018 um 16:58 Uhr

Fatih Çevikkollu: „Die Lust am Recht auf Empörung ist typisch deutsches Verhalten.“Foto: boh
bohrer1

Autor

Stefan Bohrer Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Nur Sekunden braucht Fatih Çevikkollu, Kölner Kabarettist mit türkischem Immigrationshintergrund, um das bis auf den letzten Platz besetzte Kultourismusforum zum Brodeln zu bringen. Requisiten sind dazu nicht nötig - Fatih Çevikkollu füllt die Bühne allein durch seine ganz spezielle Art von Humor, perfektes Timing beim Setzen der Pointen und den Einbau der Zwischenrufe aus dem Publikum in sein wortgewaltiges Programm. Themen hat er reichlich im kabarettistischen Gepäck und politisch korrekt bis frech sind sie allemal. Kein Wunder, dass kaum ein Auge trocken bleibt bei seinem zweistündigen kulturübergreifenden Programm mit dem vielsagenden Titel „FatihMorgana“.

Weihnachten steht ja bekanntlich vor der Tür. Aber wie merkt sich der Moslem in ihm die Feiertage? Natürlich mit einer Eselsbrücke: „Weihnachten ist das mit den Geschenken, Ostern das mit den Nägeln!“

Auch die Bundespolitik bekommt reichlich ihr Fett weg. Gesundheitsminister Jens Spahn wird zum Pharmareferenten degradiert und die SPD-Vorsitzende genüsslich auf den Arm genommen: „Willst Du was Banales, frag‘ Nahles.“ Willkommen in der Welt der Migranten, genauer gesagt Çevikkollus persönlicher Sichtweise darauf. „Migration verändert die Gesellschaft zum Guten“, behauptet er, um süffisant anzufügen, „außer bei Markus Söder. Der wird immer aussehen wie ein ukrainischer Frauenhändler.“

Gekonnt hält er dem Publikum den Spiegel vor, setzt aber auf Nähe und Distanz. „Es nützt gar nichts, sich bei meinen Programmen in die erste Reihe zu setzen und zu denken, ich sehe gut aus - das muss reichen“, lästert er. Weit gefehlt. Gerade dann bekommt man seinen ironischen Spott kübelweise übergestülpt. Mit der möglichen Empörung kann er ebenfalls bestens umgehen. „Denn die ist sowieso typisch deutsches Verhalten – die Lust am Recht auf Empörung. „ Beispiele hat er genug, von genervten Autofahrern bis hin zu frustierten AfD-lern.

Ob er sich denn überhaupt traue, in seiner türkischen Heimat aufzutreten, ohne Repressalien zu befürchten, wird Çevikkollu aus den Reihen der Zuschauer gefragt. Aber sicher antwortet er, obwohl ihn Frau und Tochter vorher gebeten haben, sein Testament zu machen. „Aber in Antalya lachen sie genauso wie in Stuttgart, Garmisch oder eben in Hessisch Oldendorf“, erklärt er. Mulmig sei ihm schon gewesen bei der Einreise, als er dieses Drei-Länder-Eck innerhalb weniger Tage bereiste. Aber alles sei gut gegangen. „Die waren wahrscheinlich froh, mich wieder los zu sein.“




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare