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Ende des Monats startet „City-Hub“

Rettet Ebay die Innenstadt?

HESSISCH OLDENDORF. Viele kleine Geschäften, die allesamt nützliche wie außergewöhnliche Waren anbieten in einer belebten Innenstadt – so ungefähr sieht das Wunschbild vieler Kleinstadtbewohner aus. Dass die Realität in Hessisch Oldendorf eine andere ist, ist hinlänglich bekannt. Die kleinen Händler haben es schwer und manche Läden müssen mit der Zeit schließen. Handelsketten und der boomende Online-Handel machen den Geschäften zu schaffen. Ein Online-Shop über Ebay könnte für die kleinen Händler die Rettung sein – das glaubt zumindest Thomas Kexel, Vorstand der Weserbergland AG.

veröffentlicht am 03.01.2019 um 17:20 Uhr
aktualisiert am 03.01.2019 um 18:00 Uhr

In der Innenstadt ist nicht mehr viel los. Der Verkauf über Ebay soll die örtlichen Geschäfte vor dem Aus bewahren. Foto: dana
Jens Spickermann

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Der Verband schult die Geschäftstreibenden derzeit im Umgang mit der Plattform. Am Ende des Monats soll der sogenannte „City-Hub“ für Hessisch Oldendorf bei Ebay-City starten. Das Angebot laufe schon gut an, sagt Kexel. Und er verspricht sich viel davon.

„Der Markt hat sich geändert und wird sich noch weiter ändern“, ist Kexel überzeugt. Wer sich dem nicht anpasse, drohe unterzugehen. In dem Online-Verkauf, der durch die Ebay-Plattform Kunden auf der ganzen Welt erreichen kann, sieht Kexel vor allem eine große Chance. Durch die zusätzlichen Einnahmen könnten es sich die Geschäftsinhaber in der Zukunft eher leisten, die Läden in der Innenstadt zu erhalten.

Tatsächlich haben im Dezember trotz des Weihnachtstrubels zwölf Händler an einer entsprechenden Schulung teilgenommen. Zwei davon kommen aus Hessisch Oldendorf. „Die Resonanz ist gut für so eine kleine Stadt“, sagt Kexel, der selbst in Fischbeck wohnt. Für die nächsten Schulung, die noch im Januar stattfinden wird, sei die Nachfrage nämlich ebenso vorhanden.

Für die Interessenten ist das Angebot vergleichsweise kostengünstig, da es mit bis zu 88 Prozent vom ESF-Fond gefördert wird. Für 300 Euro pro Mitarbeiter (für Geschäftsinhaber mehr) wird bei der Schulung ein eigener Online-Shop bei Ebay aufgebaut, in die Grundlagen des Online-Verkaufs eingeführt und danach stehen „Kümmerer“ mit Rat und Tat zur Seite.

Neben dem vorhandenen Interesse gebe es von manchen Händlern auch Bedenken und Vorbehalte, sagt Kexel. Teilweise verstehe er das: Einige von ihnen hätten Existenzsorgen und steckten gleichzeitig viel Herzblut in ihre Läden. „Und dann kommt noch jemand und will Veränderungen hereinbringen.“ Das sei manchmal schwierig. Letztendlich müsse jeder selbst enscheiden, ob er das Angebot nutzt.

Sich der allgemeinen Entwicklung zu entziehen, dürfte jedoch kaum möglich sein, meint Kexel. Supermärkte seien wohl nicht in ihrem Bestand gefährdet – bei kleinen Läden könne das aber anders aussehen, wenn das Geschäftsmodell nicht verändert wird. Konsumenten über 55 Jahre kauften nämlich überwiegend online ein, gibt Kexel zu bedenken.

Wenig hilfreich sei es, dass in vielen Geschäften die Auslagen seit Jahren genau gleich aussehen würden. Wenn durch den Online-Handel zusätzliches Geld hereinkomme, bestünden aber mehr Möglichkeiten, auch die Geschäftsräume attraktiver zu gestalten. Wichtig sei es, dass die Händler nicht bei alten Gewohnheiten ausharren. Was heutzutage zähle, sei „eher das Thema Events“ als der herkömmliche Laden-Verkauf, meint Kexel.

Noch im Januar sollen die Ebay-Shops, die die Händler zusammen mit den Kümmerern aufbauen, online gestellt werden. Zunächst startet der „Weserbergland-Hub“, in dem sämtliche Online-Shops aus dem Weserbergland zu finden sind. Wenig später wird der „City-Hub“ für Hessisch Oldendorf folgen.

Der Vorteil an Ebay als Partner gegenüber individuell gestalteten Online-Shops sei die größere Reichweite, erklärt Kexel. Die Produkte seien je nach Suchfunktion für alle Menschen im Umkreis sichtbar, aber genauso für Kunden weltweit. Kommunalen Plattformen steht er kritisch gegenüber – die Kunden würden nämlich im Netz nach Produkten suchen und nicht nach Händlern in ihrer Umgebung, so zeige es die Erfahrung.

Mit „Einkaufen in HO“ ist allerdings derzeit so eine Internetseite in Planung, auf der sämtliche Händler und deren Angebote aber auch die örtlichen Vereine gelistet werden sollen. Günter Kuhnert, der zu den Initiatoren dieser Webseite gehört, will das Projekt dennoch vorantreiben und sieht in dem City-Hub nicht unbedingt eine Konkurrenz.

„Wir werden das weiter verfolgen. Uns war es wichtig, dass man ein Sammelbecken für Hessisch Oldendorf anbietet“, sagt Kuhnert. Den Vorteil von „Einkaufen in HO“ sieht er in geringeren Kosten: Nur 150 Euro müssten die Anbieter pro Jahr bezahlen. Eine Bestellfunktion soll die Plattform im Unterschied zu Ebay nicht beinhalten. Die Geschäftsinhaber könnten sich ja selbst entscheiden, welche Plattform sie nutzen wollen oder ob sie sich sogar an beiden Projekten beteiligen.

Starten soll „Einkaufen in HO“ noch während des kommenden halben Jahres. Der nächste Schritt sei die Akquise, um Interessenten zu gewinnen, sagt Kuhnert. Damit die Händler sich nicht alleine um die Einrichtung der Seite kümmern müssen, werde deren Entwickler Sebastian Dröge dabei Hilfestellung leisten, kündigt Kuhnert an.

Der Markt hat sich geändert und wird sich noch weiter ändern.

Thomas Kexel, Vorstand der Weserbergland AG



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