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Öffis wollen Angebot im Februar 2020 starten

Rufbus statt Bürgerbus

HESSISCH OLDENDORF. In anderen Gemeinden gibt es sie bereits: Bürgerbusse, die von Ehrenamtlichen organisiert werden. Für Hessisch Oldendorf planen die Öffis aufgrund der dortigen Strukturen ein anderes Modell: den Rufbus. Hier müssen die Fahrgäste sich die Plätze vorher telefonisch sichern. Ab 2020 soll es losgehen.

veröffentlicht am 10.06.2019 um 16:03 Uhr
aktualisiert am 11.06.2019 um 11:10 Uhr

In Salzhemmendorf können die Einwohner den Bürgerbus nutzen - in Hessisch Oldendorf wird das Modell etwas anders aussehen. Foto: boh
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Autor

Stefan Bohrer Reporter
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Wer über Deutschland spricht, kommt um ein Schlagwort nicht herum – demografischer Wandel. Zwar ist die Geburtenrate in den letzten Jahren leicht angestiegen, trotzdem liegt sie unter dem Durchschnitt der Europäischen Union. Prognosen gehen davon aus, dass zur Jahrhundertmitte jeder dritte Bundesbürger das 65. Lebensjahr überschritten haben dürfte. Der demografische Wandel sei jedoch Chance und Herausforderung zugleich, formulierte es die Bundesregierung 2015. „Nie zuvor haben Menschen so lange gesund gelebt und nie zuvor wurden in Deutschland so wenige Kinder geboren wie heute. Die Lebenserwartung steigt kontinuierlich, allerdings gibt es immer weniger junge Menschen, die das finanziell auffangen können“, hieß es damals. Was sich vor allem auf die Wirtschaft auswirkt, klein- und mittelständische Betriebe und Geschäfte schließen, weil es an Nachwuchskräften fehlt. Jüngere orientieren sich eher am Internet-Angebot. Die Folge: Besonders im ländlichen Bereich muss man als alter Mensch mitunter lange Anfahrtswege in Kauf nehmen, um seinen täglichen Bedarf zu decken. Vorausgesetzt, man ist noch mobil mit dem eigenen Auto. Wer das nicht ist, hat Probleme. Dem entgegenwirken wollen die Bürgerbus-Initiativen, die Fahrgäste für wenig Geld zu den angestrebten Zielen bringen.

Dafür hat die Bundesregierung extra eine Reihe von Gesetzen erlassen. In Niedersachsen ist es der novellierte Paragraf 7b des Nahverkehrsgesetzes. Über diesen werden jährlich insgesamt 20 Millionen Euro an die kommunalen Aufgabenträger verteilt. Die Mittel stehen ausdrücklich für die Weiterentwicklung des straßengebundenen öffentlichen Personennahverkehrs bereit, mit dem Zweck Orte und Gemeinden über den Busverkehr besser erreichbar zu machen und damit Lücken im öffentlichen Personennahverkehr zu schließen. Entstanden ist das Konzept bereits Ende der 1970er Jahre bei unseren niederländischen Nachbarn. Rund zehn Jahre später wurden erste Bürgerbusse in Nordrhein-Westfalen eingesetzt. 260 Städte und Gemeinden beteiligen sich mittlerweile an dem Angebot bundesweit, davon allein 60 in Niedersachsen – Tendenz steigend. Auch in Hessisch Oldendorf ist die Initiative auf fruchtbaren Boden gefallen. Jedoch wird es hier keinen Bürgerbus geben wie etwa in Salzhemmendorf oder in Bad Münder, erklärt Marcel Schwarz vom Landkreis bei der Sitzung des Planungsausschusses, sondern einen sogenannten Rufbus. Plätze muss man sich im Vorfeld telefonisch bei den Öffis zu den gewünschten Uhrzeiten sichern. Bürgerbusse fahren immer mit ehrenamtlichen Fahrern, erklärt Schwarz. Das sei aufgrund der flächenmäßigen Größe Hessisch Oldendorfs und seiner zahlreichen Ortsteile allerdings nicht möglich. Mit der Ausweitung des öffentlichen Personennahverkehrs müssten etwa 40 zusätzliche Fahrer ehrenamtlich beschäftigt werden. Was illusorisch sei, erklärt Schwarz, zumal „die Strukturen hier wesentlich komplexer sind, da die Stadt durch die Weser geteilt wird“. Daher würden die Öffis dieses Angebot übernehmen, etwa mit dem Beginn des zweiten Schulhalbjahres im Februar 2020. Die zusätzlichen Fahrzeuge seien bereits bestellt. Dabei handelt es sich um barrierefreie Kleinbusse für rund 25 Fahrgäste. Die Mitfahrer werden – anders als bei den Bürgerbussen, die ohnehin nur bis zu acht Fahrgäste befördern – auch von zu Hause abgeholt; in den Ortsteilen von Hessisch Oldendorf wird es eine haltestellenbezogene Bedienung geben. Dafür wird der Fahrplan ausgeweitet.

Integriert wird die Nutzung des Rufbusses in das bereits vorhandene Tarifsystem. Was bedeutet: Es entstehen für Nutzer keine Extrakosten. Das Bedienungskonzept selbst sieht vor, dass von Montag bis Freitag in der Zeit von 6.30 Uhr bis 18.30 Uhr, sowie in abgespeckter Version an Samstagen, die Rufbusse an den vorgesehenen Haltestellen alle 60 Minuten eingesetzt werden könnten, je nach Nutzung durch die Fahrgäste, die ihn telefonisch bestellen. Das sei allerdings auch der kritische Aspekt bei der Sache: Werden keine Anrufe getätigt, wird auch kein Bus bereitgestellt. „Wir werden uns die Nutzung über einen Zeitraum von etwa drei Jahren anschauen“, sagt Marcel Schwarz, „bleibt sie hinter den Erwartungen zurück, muss das gesamte Konzept überarbeitet werden“. Ausdrücklich begrüßt wird diese von den Öffis angebotene Lösung von Heiko Wiebusch, Amtsleiter des Fachbereichs III der Stadtverwaltung. „Natürlich könnte es sein, dass das Rufbus-Konzept möglicherweise nur ein System auf Zeit ist“, sagt er, „daher muss unbedingt kräftig beworben werden“.




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