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Verschiedene Maßnahmen sollen die Innenstadt beleben

Stadt kämpft gegen den Leerstand

HESSISCH OLDENDORF. Die Innenstadt soll möglichst attraktiv sein und mit umfangreichem Warenangebot viele Kunden anlocken. Da sind sich die meisten Bürger, Politiker, Stadtplaner und Einzelhändler einig. Wie dieses Ziel erreicht werden kann, dafür gibt es mittlerweile unterschiedliche Lösungsansätze.

veröffentlicht am 14.09.2018 um 14:55 Uhr
aktualisiert am 14.09.2018 um 21:30 Uhr

Leerstand soll in der Innenstadt möglichst vermieden werden – es droht sonst eine Abwärtsspirale. Foto: dana
Jens Spickermann

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Das Anliegen ist zwar klar, es stellt die Stadt aber vor Herausforderungen – zumal in Zeiten des Online-Handels das Einkaufen auch bequem von zu Hause aus möglich ist. Besonders kleinere Geschäfte, wie sie vor allem in Innenstädten zu finden sind, leiden darunter. Leerstände gilt es aber möglichst zu vermeiden, denn ein abnehmendes Angebot kann in eine Abwärtsspirale führen, an deren Ende im schlimmsten Fall eine verwaiste Innenstadt steht.

„Gerade entlang der Langen Straße befinden sich viele kleinteilige Ladenlokale, die leerstehen“, berichtete Stadtplanerin Corinna Breker vom Büro Junker & Kruse, die die Situation des Hessisch Oldendorfer Einzelhandels untersucht hat. Insgesamt sei das Angebot in Hessisch Oldendorf zwar gut, sogar besser als in vielen Kommunen vergleichbarer Größe. Allerdings konzentriere sich der Handel zunehmend auf die Außenbereiche und weniger auf die Innenstadt.

In der letzten Zeit wurden mehrere Strategien entwickelt, die es zum Ziel haben, den Handel im Zentrum zu beleben. Die jüngste Idee stammt von der Weserbergland AG: Damit die örtlichen Händler ihre Umsätze steigern können und ihre Geschäfte in der Innenstadt langfristig nicht aufgeben müssen, wird ihnen demnächst eine Schulung für Online-Handel angeboten (wir berichteten). Mit dem Internet-Marktplatz-Betreiber Ebay hat die Weserbergland AG ausgehandelt, dass lokale Produkte auf der Plattform angeboten werden können und den Kunden aus der näheren Umgebung bei „Ebay City“ bevorzugt angezeigt werden. Unterstützt wird das Vorhaben durch Fördermittel.

Damit greifen die AG und Ebay bisherigen Plänen vor, ein eigenes Hessisch Oldendorfer Internet-Stadtportal einzurichten. Der einheimische Webdesigner Sebastian Dröge von der Firma LanEngel hatte den Lokalpolitikern bereits im Mai eine Vorab-Version präsentiert und positive Rückmeldungen erhalten. Auf der Internetseite sollen sich die Hessisch Oldendorfer Händler mit ihrem Warenangebot präsentieren können, es ist aber nicht geplant, die Waren über das Portal auch zu verkaufen. Ziel ist es den Initiatoren zufolge, dass sich die Bürger einen Überblick darüber verschaffen können, welche Waren vor Ort angeboten werden. Verbunden ist das mit der Hoffnung, dass in der Folge auch mehr Waren vor Ort gekauft werden und sich die lokalen Händler besser halten können. Es ist vorgesehen, dass die einzelnen Angebote auch nach Ortsteilen gefiltert dargestellt werden können – damit die Kunden möglichst auch die Geschäfte in ihren eigenen Dörfern nutzen.

Einen anderen Vorschlag, der die Innenstadt stärken soll, äußerte Breker: Denkbar sei es, dass die in den Außenbereichen ansässigen Firmen in der Innenstadt „Mini-Outlets“ gestalten. So könnten die Unternehmen zwar unter günstigen Bedingungen außerhalb des Zentrums profitieren – wären also nicht hinsichtlich ihrer Betriebsflächen und Parkplätze eingeengt – und könnten sich trotzdem in zentraler Lage präsentieren, so Laufkundschaft ansprechen und die Innenstadt beleben. Wichtig sei aber nicht nur das Warenangebot, sondern auch eine ansprechende Gestaltung des Zentrums. Ausschlaggebend seien beispielsweise ein einheitlicher Bodenbelag und Sitzgelegenheiten. Prinzipiell sei es außerdem auch möglich, leerstehende Immobilien als Wohnräume zu nutzen, anstatt sie dauerhaft leerstehen zu lassen. Um für den Standort Werbung zu machen, sollten die Einzelhändler sich außerdem zusammenschließen.

Chancen sieht auch Breker im Online-Handel. Das sei zwar ein zweischneidiges Schwert, doch die Händler müssten auch darauf setzen, um sich wirtschaftlich zu stärken, meint Breker.

Für das Modernisierungsvorhaben in der Stadt gibt es bereits seit 2015 die Fördermaßnahme „Umbau Hessisch Oldendorf“, die unter anderem Sanierungs- und Umbaumaßnahmen unterstützt. Gute Erfahrungen habe die Stadt auch bereits mit dem im Juni 2016 beschlossenen Förderprogramm „Neu in Hessisch Oldendorf“ gemacht, wie Heiko Wiebusch im jüngsten Ausschuss für Wirtschaftsförderung erläuterte. Es soll einen Anreiz für Neuansiedlungen von Freiberuflern und Einzelhändlern schaffen. Insgesamt fünf Gewerbetreibende können durch das Programm über einen Zeitraum von drei Jahren mit jeweils 150 Euro monatlich gefördert werden. 12 750 Euro wurden dafür bereits bereitgestellt. Bei zwei von insgesamt zehn Antragstellern hat die Stadt die Zahlungen aber vorzeitig eingestellt – wegen Geschäftsaufgabe.

Mein Standpunkt
Jens Spickermann
Von Jens Spickermann

Ob ein großes Unternehmen wie Ebay ein geeigneter Partner ist, der von Fördergeld mit profitieren soll, darüber lässt sich ebenso streiten, wie über die Frage, ob sich so wirklich Leerstand verhindern lässt. Klar ist aber: Das Konsumverhalten der Leute hat sich verändert. Kreative Lösungsansätze sind daher notwendig, um das Problem in den Griff zu bekommen.




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