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Sanierung der Pfarrscheune abgeschlossen – Wohnprojekt kann besichtigt werden

„Uns soll niemand verlorengehen“

GROSSENWIEDEN. 2007 kam der Plan, die denkmalgeschützte Pfarrscheune in Großenwieden zu einem alters- und behindertengerechte Wohngemeinschaft umzubauen, auf. Das Projekt ist nun dank europäischer Fördermittel umgesetzt worden und kann besichtigt werden.

veröffentlicht am 03.05.2019 um 18:20 Uhr

Wilfried Eldracher (li.) und Hans Peter Thul freuen sich über die abgeschlossene Sanierung. Foto: bj

Autor:

Barbara Jahn
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GROSSENWIEDEN. Mag so mancher den zahlreichen Programmen der Europäischen Union auch skeptisch gegenüberstehen, das Weserdorf jedenfalls hat von ELER und PFEIL profitiert. Dahinter verbirgt sich der europäische Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums. Einer der Schwerpunkte ist die Dorfentwicklung und dazu gehört die Erhaltung und Gestaltung landschaftstypischer Bausubstanz von beispielsweise Pfarrhäusern und ehemaligen Schulgebäuden. Und genau zu diesem Punkt passt die Vision, die vor rund zehn Jahren Klaus Haarmann, damals Pastor der St.-Matthaei-Kirchengemeinde, entwickelt.

Er hat die Idee, die denkmalgeschützte Pfarrscheune zu sanieren und darin eine alters- und behindertengerechte Wohngemeinschaft einzurichten. Damit läuft der Pastor im 2007 gegründeten Netzwerk für gegenseitige Hilfe offene Türen ein. „Zusammen ist man weniger allein“, wissen die Initiatoren der evangelischen Kirchengemeinde und schmieden fortan Pläne, um älteren Menschen barrierefreies Wohnen in Gemeinschaft zu ermöglichen.

Die Mitglieder des Netzwerks machen sich auf die Suche nach Fördermöglichkeiten und Geldgebern. Anträge werden gestellt und Architekt Steffen Nolte erarbeitet 2014 die ersten Pläne. Es sind drei kleine Wohneinheiten mit einem Gemeinschaftsbereich geplant. Das Konzept überzeugt und mit den Zusagen der finanziellen Unterstützung durch das Land Niedersachsen, die EU und die Klosterkammer Hannover fällt der Startschuss für die Realisierung des ehrgeizigen Projekts.

Die historische Pfarrscheune ist einige hundert Jahre alt. Vermutet wird, dass sie Ende des 17. Jahrhunderts, Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut wurde. „In den letzten Jahrzehnten diente sie als Lagerraum – entsprechend viel gab es zu entrümpeln. Da wir grundsätzlich positiv denken, haben wir mit dem Aufräumen zeitig angefangen. Als die Zusage der Fördermittel kam, konnten wir sofort mit den baulichen Maßnahmen beginnen“, erklären Wilfried Eldracher und Hans-Peter Thul. Sie gehören zum Festausschuss, der die Einweihung der Pfarrscheune am heutigen Sonnabend, 4. Mai, organisiert hat.

„Wir hatten Glück, dass die Grundsubstanz des schönen alten Gebäudes in Ordnung war“, sagt Nolte, der fortan die gesamte Sanierungsmaßnahme als Architekt begleitet. Das Fachwerk der Scheune wird teilweise entkernt, Balken, an denen der Zahn der Zeit genagt hat, werden innen und außen erneuert. Weiter geht es mit dem Wiederausfüllen von Fachwerkteilen, dem Stellen neuer Wände, Lehmputz wird aufgetragen und Hand an die Außengefache gelegt. „Immer alles mit Blick auf den Denkmalsschutz.

Wir haben alle Kriterien berücksichtigt“, erklärt Thul. Natürlich habe man mit Handwerksfirmen gearbeitet, „aber ohne die vielen, vielen Stunden der freiwilligen Helfer hätten wir dieses Projekt nicht verwirklichen können“, betont Eldracher. Im Inneren des Gebäudes erkennt man die gelungene Kombination der historischen Elemente mit modernster Technik und Ausstattung.

Die Lage der Pfarrscheune spricht für sich. Mitten im Zentrum des Weserdorfs in unmittelbarer Nähe zu den Bushaltestellen, der Weserpromenade, dem Gemeindehaus und der Kirche ermöglicht das Leben in der Wohngemeinschaft die Teilhabe am sozialen Leben des Dorfes. „Darüber hinaus sind die zukünftigen Bewohner eingebunden in die vielfältigen Angebote des Netzwerks. Marktexpress, Mittagstisch, ein Gartenprojekt, Tagestreffs, ein Fahrdienst und vieles mehr sorgen für Lebensqualität im Alter“, versichern Eldracher und Thul.

„Sowohl was den Termin als auch die Kosten betrifft, haben wir eine Punktlandung hingelegt. Alles ist zum Stichtag fertig und es werden keine Fördermittel verfallen. Ende April sollte die Pfarrscheune bezugsfertig sein, auch das haben wir geschafft“, freut sich Steffen Nolte. „Uns soll niemand verloren gehen“, das Motto der Einweihungsfeier steht für das Projekt Pfarrscheune und vermutlich für das Miteinander in Großenwieden. Im Rahmen eines Tages der offenen Tür kann die Einrichtung heute ab 14 Uhr besichtigt werden.




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