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Ortsrat übt heftige Kritik und ebnet Weg zur Fusion der Feuerwehren

Verspätete Ohrfeigen für Verwaltung

KLEINENWIEDEN. Die Situation ist ungewöhnlich, vielleicht sogar einzigartig: Im Gemeinschaftshaus des Feuerwehrhauses warten die Zuhörer darauf, dass die öffentliche Ortsratssitzung beginnt. Wolfgang Linde, Amtsleiter der Hessisch Oldendorfer Stadtverwaltung, Ortsbürgermeister Heinz Kütemeyer und vier Ortsratsmitglieder diskutieren derweil, was zu tun ist. Das politische Gremium ist nicht beschlussfähig, da zum Zeitpunkt des Sitzungsbeginns zu wenig Kommunalpolitiker anwesend und die fehlenden auch nicht telefonisch zu erreichen sind.

veröffentlicht am 05.06.2019 um 12:19 Uhr

Gisbert Haver kritisiert, dass über den Schutz von Insekten und Kleintieren gesprochen wird, gleichzeitig aber über Kilometer an der Verbindungsstraße zwischen Großenwieden und Hessisch Oldendorf die Randstreifen abgemäht werden. Foto: PJ

Autor:

PETER JAHN
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„Kay Rügge könnte zu Hause sein“, meint einer der Ortsratsmitglieder. „Ich würde nach Großenwieden fahren und sehen, ob ich ihn antreffe“, erklärt sich Juliane Dohme bereit. Ihre Unterlagen für die Sitzung nimmt sie mit. „Ich melde mich. Wenn er nicht da ist, bleibe ich gleich in Großenwieden“, mit diesen Worten verlässt sie den Sitzungsraum. Nach einer Viertelstunde dann der Anruf: „Wir kommen.“ Mit fast 20 Minuten Verspätung kann Kütemeyer die Sitzung des Ortsrates Großenwieden eröffnen.

Diese verläuft dann so, wie man es im Hessisch Oldendorfer Rathaus nicht gern hören wird. Karl-Heinz Nitz nimmt sich das Protokoll der letzten öffentlichen Sitzung vor und kritisiert, dass die Aussagen der Stadtverwaltung unpräzise sind und der Begriff „zeitnah“ dort anders gesehen und verstanden werde, als allgemein üblich. Dass es bei der Kritik des Christdemokraten an der Arbeit im Rathaus um Inhaltliches gehe und dies nichts mit der Genehmigung des Protokolls zu tun habe, wie der Ortsbürgermeister erklärt, weiß auch Nitz. „Dem Protokoll stimme ich in der vorliegenden Form auch zu, meine Kritik richtet sich gegen darin gemachte Aussagen der Verwaltung.“ Übersehen hat Nitz, was anderen Ortsratsmitgliedern aufgefallen ist: „Im Protokoll wird mehrmals nicht vom Ortsrat Großenwieden, sondern vom Ortsrat Hessisch Oldendorf gesprochen.“

Die Stadtverwaltung beziehungsweise der städtische Bauhof müssen im weiteren Verlauf der recht kurzen Sitzung noch mehr Kritik einstecken. Diesmal von Gisbert Haver. Er kann es überhaupt nicht verstehen, dass über den Schutz von Kleintieren und Insekten gesprochen wird und dann entlang der gesamten Gemeindeverbindungsstraße zwischen Hessisch Oldendorf und Großenwieden die Straßenränder, an denen nicht nur Margeriten und Mohnblumen blühten, abgemäht werden. „Und dies vor dem Felgenfest“, ärgert sich der Christdemokrat Haver. Damit nicht genug – die nächste Ohrfeige folgt: Ortsratsmitglieder fragen auch, warum die Freifläche auf dem Friedhof in Großenwieden, die im Rahmen der Aktion „Hessisch Oldendorf blüht auf“ auf Initiative des Stadtrates dafür vorgesehen war, noch immer nicht eingesät ist.

Dass der Ortsrat die Änderung der Satzung für die freiwillige Feuerwehr im Hessisch Oldendorfer Stadtgebiet zustimmend zur Kenntnis nimmt, ist für die Zuhörer kaum noch spannend. Abgesehen davon, dass die Änderung notwendig wird, da die Ortswehren Großenwieden und Kleinenwieden, wie am Vortag der Ortsratssitzung von den Mitgliedern beider Wehren beschlossen, fusionieren. In der neuen Satzung, die gestern dem Fachausschuss vorgelegen hat und vom Stadtrat in der kommenden Woche verabschiedet werden muss, wird festgeschrieben: Das bisherige Feuerwehrhaus in Kleinenwieden bleibt bestehen und wird neben der Nutzung als Dorfgemeinschaftshaus auch weiterhin als Feuerwehrhaus genutzt werden. Seitens des Stadtbrandmeisters, der von Anfang diesen Prozess begleitet hat, wird dieser freiwillige Zusammenschluss aus feuerwehrtaktischer Sicht und auch unter dem Aspekt einer bedarfs- und zukunftsorientierten Weiterentwicklung uneingeschränkt begrüßt. Die nach den Bestimmungen des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes erforderliche Zustimmung des Landkreises Hameln-Pyrmont als Aufsichtsbehörde ist beantragt, liegt jedoch noch nicht vor.




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