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Oldtimer-Verein zieht nach Einbeck

VW-Bullis verlassen die Zuckerfabrik

HESSISCH OLDENDORF. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wäre es ein Touristenmagnet geworden: ein Oldtimermuseum mit Hotel in der ehemaligen Zuckerfabrik, das Hessisch Oldendorf zusammen mit der VW-Sammlung der Grundmanns zu einem ganz besonderen Ort für Autoliebhaber gemacht hätte. Doch Wunsch und Wirklichkeit sind zwei unterschiedliche Dinge und schon seit Längerem hatte sich abgezeichnet, dass aus dem geplanten Bulli-Museum wohl nichts werden würde.

veröffentlicht am 05.02.2019 um 17:52 Uhr

Der Bulli-Verein verlässt wohl die Zuckerfabrik. Die Museumspläne werden begraben. Foto: Archiv/wal
Jens Spickermann

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Nun zieht die „Interessengemeinschaft T2“ einen Schlussstrich unter ihre einst ambitionierten Pläne: Der Verein der Bulli-Liebhaber wird sich voraussichtlich nach zehn Jahren aus der ehemaligen Zuckerfabrik zurückziehen, die sie derzeit hauptsächtlich als Abstellort für Fahrzeuge nutzt.

In Einbeck hat der Verein alternative Räumlichkeiten in Aussicht, wie der Vorstand den Mitgliedern in einem Schreiben mitteilt. Ganz sicher sei das alles noch nicht, weil die Mitglieder noch befragt werden müssten, sagt Vorsitzender Roland Röttges. Ansonsten sei die Sache aber soweit in trockenen Tüchern – der Vorstand schlägt deshalb vor, die Einbecker Immobilie zu kaufen.

Was nun mit den Räumen in der Zuckerfabrik geschieht, die der Verein derzeit noch von der Stadt gemietet hat, soll noch entschieden werden. Wahrscheinlich ist laut Röttges aber, dass die Bullifreunde sich von dort zurückziehen.

Mit der Stadt habe man darüber noch nicht geredet, sagt Röttges auf Nachfrage. Auf die Verwaltung ist der Vorsitzende ohnehin nicht gut zu sprechen. Auch in dem achtseitigen Schreiben an die Mitglieder, das der Dewezet vorliegt, äußert der Verfasser Kritik: „Unser Begehren, die Zuckerfabrik eventuell zu erwerben, sitzt man seit Jahren aus – bis heute liegt uns kein schriftliches Kaufangebot der Stadt vor. Eine Zukunft in Hessisch Oldendorf sieht der Vorstand aktuell nicht.“

Von Plänen des Vereins, die Zuckerfabrik eventuell zu verlassen, sei ihm nichts mitgeteilt worden, sagt Bürgermeister Harald Krüger. Es sei auch nicht so, dass die Stadt sie rausschmeißen wolle. Dass aus dem Museum letztendlich nichts wird, finde er bedauerlich. Der Verein sei nämlich im Besitz von sehr sehenswerten Objekten. Bezüglich eines möglichen Verkaufs der Zuckerfabrik meint Krüger: „Wir haben immer gesagt, wenn die Bullifreunde ein Angebot machen, sind wir bereit, darüber zu sprechen. Wenn sie ein Kaufpreis-Angebot gemacht hätten, dann hätten wir uns damit beschäftigt.“ Im vergangenen Jahr hatte die Stadt beschlossen, dass die Immobilie öffentlich zum Verkauf angeboten wird. Das sei auch dem Bulli-Verein bekannt gewesen.

Das bestreitet Röttges gar nicht. Auch Telefonate zu dieser Angelegenheit habe es mit Rathausmitarbeitern gegeben. Nur ein „schriftliches Kaufangebot“ habe er nicht bekommen. „Wir haben über Jahre gebettelt, ein Angebot zu bekommen“, beschwert er sich. Die Konditionen, die die Stadt sich vorstellt, kommen für ihn aber ohnehin nicht infrage: „Wir hätten gegebenenfalls einen symbolischen Euro geboten.“ Schließlich müsse man ja viel Geld in das Bauwerk stecken. Die Stadt hat für die Immobilie samt Grundstück allerdings einen Mindestpreis von 160 000 Euro festgelegt.

Auch über den baulichen Zustand der Immobilie, der vom Verein einiges an Eigenleistung gefordert habe, beschwert sich Röttges. So habe die IG T2 Arbeiten an Dach und Elektrik in Höhe von zirka 30 000 Euro vorgenommen. Das wolle man der Stadt nun in Rechnung stellen. Ansonsten bestünde auch die Möglichkeit, beispielsweise die Elektroinstallationen vor dem Auszug einfach wieder abzumontieren – sie würden ja dem Verein gehören.

Der Hauptgrund, aus dem das Museum nicht zustande gekommen ist, war aber nicht allein der bauliche Zustand, sondern das Fehlen von Förderern, die die ehrgeizigen Pläne hätten finanzieren können.

Die Stadt hatte sich angeboten, als „Türöffner“ für die Aquirierung von Fördergeldern zu fungieren, doch Drittmittel blieben aus. Die IG T2 wirft der Stadt daher vor, das Vorhaben nicht unterstützt zu haben. Von einer Finanzierung aus städtischen Mitteln sei aber nie die Rede gewesen, heißt es von der Stadt. Das habe die Haushaltssituation nicht zugelassen.




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