weather-image
19°
×

Überfall beendet Marrakeschreise

Weltenbummler Robert Rosenfeldt: 5389 Kilometer mit dem Fahrrad nach Nordafrika

ROHDEN / MARRAKESCH. „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Drum nähme ich den Stock und Hut und tät’ das Reisen wählen“, soll einst der Dichter Matthias Claudius gesagt haben. Für Robert Rosenfeldt ist das Reisen wie ein Buch mit vielen abenteuerlichen Geschichten.

veröffentlicht am 27.08.2021 um 11:00 Uhr

Stolte Christiane

Autor

Reporterin

Doch statt „Stock und Hut“ nimmt der 69-Jährige sein Zelt, seinen Schlafsack, ein Navigationsgerät und alles, was er sonst noch auf Reisen braucht, und schwingt sich auf sein Fahrrad.

Etwa 70 Kilogramm muss sein „Drahtesel“ tragen. Beide sind ein eingespieltes Team und haben nahezu die ganze Welt bereist. Sie waren in vielen Ländern Europas, dem Nahen Osten, in Vorderasiens und sind kürzlich aus Nordafrika zurückgekehrt. Endstation war Marrakesch. Von jeder Reise kann der Langstreckenradler viel erzählen. Klar, brenzlige Situationen gehören auch zu seinem abenteuerlichen Hobby, das er allein ausübt.

Auf ein Erlebnis auf der jüngsten Tour hätte er jedoch gern verzichtet. „Ein Überfall in Marrakesch hätte beinah mein Leben gekostet“, erzählt der gebürtig aus Rohden bei Hessisch Oldendorf kommende Weltenbummler. Er spricht von einem Attentat, das er nur mit viel Glück überlebt habe.

3 Bilder
Sein Fahrrad nach dem Sturz: In Marrakesch wurde Robert Rosenfeldt angefahren. Dabei brach er sich unter anderem die Rippen mehrfach. Foto: Privat

Er sei mit seinem Fahrrad gegen sieben Uhr morgens durch enge Gassen Richtung Atlas-Gebirge gefahren, als plötzlich ein etwa 28-jähriger Marokkaner, der neben einem Moped gestanden habe, ihn lautstark auf Arabisch verbal attackierte. Wenige Kilometer weiter näherte sich ihm derselbe Mopedfahrer auf einer lang gezogenen geraden Straße mit sehr hoher Geschwindigkeit von hinten. „Wie ein Kamikaze-Flieger“, erinnert sich Rosenfeldt mit Schrecken.

Dann sei alles sehr schnell gegangen. Er habe keine Möglichkeit gehabt, zu reagieren. Im hohen Bogen sei er durch die Luft gewirbelt worden, habe sich mehrfach überschlagen und sei mit voller Wucht auf den Asphalt geknallt. Ohne Helm, denn den trage er unvernünftigerw eise nicht.

Der Überfall in Marrakesch habe seine bis dahin 5389 Kilometer lange Reise beendet. Als nicht transportfähig sollte er in Marrakesch in ein Krankenhaus gebracht werden und dort womöglich mehrere Wochen bleiben. „Das habe ich abgelehnt und meine Behandlung abgebrochen“, erzählt er. Nach vielen Scherereien mit der Polizei habe er nach sieben Stunden endlich seinen Pass erhalten und konnte sich zum Flughafen bringen lassen. Dort habe er sein gesamtes Gepäck verschenkt, da er es aufgrund der schweren Verletzungen nicht tragen konnte – vier Satteltaschen mit Rucksack und Inhalt.

Erst 25 Stunden später ging ein Flugzeug nach Frankfurt. Solange habe er auf dem Flughafen ausharren müssen. „Die Nacht mit meinen starken Schmerzen waren die Hölle“, erinnert sich Rosenfeldt an das Erlebte. Auf der Intensivstation in Braunschweig sei er dann medizinisch versorgt worden. Diagnose: mehrfacher Rippenbruch mit Verletzung der Lunge und demolierter linker Schulter.

Trotz des Überfalls und etlicher Schikanen an den Grenzen, auch wegen der Corona-Pandemie, und trotz 50 Grad Hitze wird der leidenschaftliche Radler die Reise nach Nordafrika in guter Erinnerung behalten und möchte sie nicht missen.

Er habe viel gesehen, fremde Kulturen und Länder kennengelernt und sei vielen freundlichen Menschen begegnet. Sogar zu einem muslimischen Opferfest sei er eingeladen gewesen. Auch habe er „Rick’s Café“ in Casablanca besucht – eine Nachbildung des Schauplatzes aus dem legendären Film „Casablanca“ mit Ingrid Bergmann und Humphrey Bogart.

Marokko habe ihm gut gefallen, er habe aber auch etwas aus der Reise gelernt, das er gern weitergeben möchte: „Mein Rat ist, nicht allein mit dem Fahrrad durch Marokko zu touren“, appelliert Rosenfeldt. Seine nächste Tour, vielleicht im kommenden Jahr, soll nach England, Schottland und Irland führen, so der Volkswagen-Diplomingenieur im Ruhestand, der in Rohden aufgewachsen ist, eine Kfz-Ausbildung bei der Firma Hild & Co. in Hameln absolviert und in Fuhlen geheiratet hat und seit vielen Jahren mit seiner Familie in Gifhorn lebt.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige