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Prickelnder musikalischer Cocktail mit der Gypsy Swing Band

Wenn die Geige jauchzt

HESSISCH OLDENDORF. Wenn der Kontrabass swingt, die Geige jauchzt, die Gitarre berauscht und die Powerstimme mit einsteigt, dann handelt es sich nicht um die neue Version der Bremer Stadtmusikanten, sondern um die Gypsy Swing Band aus Hamburg. Das Ensemble, das sich mit Hingabe dem musikalischen Erbe Django Reinhardts widmet, beschert den Gästen im vollbesetzten Kultourismusforum eine Sternstunde.

veröffentlicht am 02.12.2018 um 17:04 Uhr

Eine Sternstunde erleben die Besucher des Konzertes der Gypsy Swing Band. Foto: ah
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Autor

Annette Hensel Reporterin
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Es kredenzt nicht nur mitreißende Sinti-Musik und New-Orleans-Jazz à la „Swing Guitars“, denn „wir haben uns weiterentwickelt“, wie Bandgründer Helmuth Stuarnig erklärt. So kommt das Publikum in den Genuss eines prickelnden musikalischen Cocktails, zubereitet mit viel Spaß am Miteinander. Zu hören sind Klassiker wie das jiddische „Bei Mir Bistu Shein“, Country-, Tango-, Blues- oder Jazzsongs wie L-O-V-E. Unabhängig von Lied und Stil wirken die Gypsy-Swing-Saiten-Arrangements leicht, groovig, witzig, basieren jedoch auf der hohen Kunst des in Dynamik und Tempo überraschend wechselnden, teils spontanen und stets grandiosen Zusammenspiels. Genial, wenn Peter Scharonow seinen Kontrabass zwischen rasanten Soli, Walking Bass oder Slappen steppen lässt. Stuarnigs fünfsaitige Geige hingegen schluchzt, jault, jubelt, tanzt, klingt mal wie eine Balalaika, mal wie eine Lokomotive – das ist mehr als virtuos. Auf all das versteht die Gitarre zu reagieren. Entspannt auf einem Stuhl sitzend schlägt und zupft Frank Laue die Saiten in atemberaubender Geschwindigkeit und Perfektion. In Reinhardt-Manier bespielt er das Griffbrett auch vertikal und beeindruckt mit der Technik, Töne auf benachbarten Saiten mit einer einzigen schnellen Bewegung anzuschlagen. Jazzsängerin Ioanna Sianou, Jüngste im Quartett, steht den Instrumentalisten in nichts nach: Sie punktet mit ihrer wandelbaren klaren Stimme, Energie und Ausstrahlung und verleiht Songs von Stars wie Norah Jones („Creep on in“) und Dinah Washington („Is you is or is you ain’t my baby“) eine ganz eigene Note. Im letzten Set erklingen der „Chocolat“-Soundtrack, Vayas Con Dios‘ „Nah neh nah“ und als Zugaben der Jazzstandard „All of me“ in Gypsy-Swing-Manier und Elvis‘ „Love me tender“ – wundervoll! Die Folge: Standing Ovations, denn die Gäste, darunter Hamelner, Rintelner und Bückeburger, sind restlos begeistert. „So richtige Wohlfühlmusik“, sagt eine Großenwiedenerin und ein Hamelner Musikpädagoge ergänzt: „Toll – das macht Laune!“ Mit der erneuten Verpflichtung der Gypsy Swing Band nach dem Culturfest 2017 hat der Culturverein die Latte ganz schön hochgelegt. Statt sich auf diesem Erfolg auszuruhen, lädt er bereits für den Nikolaustag (6. Dezember) um 19.30 Uhr in das Kultourismusforum zur Weihnachtslesung der Literaturschmiede ein.

Auch 2019 wartet der Verein mit attraktiven Veranstaltungen auf wie Teil zwei von „Als die Lieder laufen lernten“ am 8. Februar.




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