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Manchmal braucht es einen Stups“

Wie gehen Gastronomen mit dem kommenden Plastikverbot um?

HESSISCH OLDENDORF. Die Europäische Union verbannt ab 2021 sämtliche Plastikartikel, die nicht zum mehrfachen Gebrauch gedacht sind, aus den öffentlichen Gaststätten. Wie gehen die Gastronomen mit dem Plastikverbot um? „Mich kann keiner dazu zwingen!“, meint Baku Mehndes (Name geändert), Imbissbetreiber in Hessisch Oldendorf.

veröffentlicht am 13.04.2019 um 10:32 Uhr

„Muss das wirklich sein?“ Fredy Kaiser mit Plastikbesteck und Schale. Foto: momo

Autor:

Maurice Mühlenmeier
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„Ich werde das benutzen, was ich will!“ Gemeint sind seine Wegwerf-Plastikartikel, denn Mehndes ist Gastronom. Er betreibt einen kleinen Imbiss in der Hessisch Oldendorfer Innenstadt.

Hintergrund: Die Europäische Union verbannt ab 2021 sämtliche Plastikartikel, die nicht zum mehrfachen Gebrauch gedacht sind, aus den öffentlichen Gaststätten. Strohhalme, Plastikgabeln, Plastikteller, Plastikbecher, Thermobox? Dafür werden Alternativen gefunden werden müssen. Wie gehen die örtlichen Imbiss- und Lieferdienstbetreiber damit um?

Mehndes jedenfalls will keine Alternativen suchen; beklagt den „Regulierungswahn“ der EU: „Das ist doch mit den Dieselfahrverboten genau dasselbe!“

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„Die Industrie wird Lösungen finden.“ Strohhalm ade, Hallo Bambushalm? Foto: momo

So rebellisch ist Mehmet Ümür von Istanbul-Döner nicht zumute. „Wir haben uns noch keine Gedanken gemacht“, so Ümür, „Aber wir werden uns dem fügen müssen.“ Vollständig nachvollziehen kann er die Entscheidung aber nicht. Wo an einer Stelle gespart würde, würde an anderer gekleckert: „Im Supermarkt ist das ganze Gemüse doch mittlerweile auch eingeschweißt, das ist ja auch alles Plastik.“

Während hier noch kein Gedanke an das Kommende verschwendet wurde, so ist man nur ein wenig die Straße runter schon einige Schritte weiter. Fredy Kaiser, im Feinkostgeschäft Fisch-Kaiser, begrüßt die Entwicklung ausdrücklich: „Das ist ein guter Schritt in die richtige Richtung.“

Auch dass die EU ein Gesetz dazu erlassen hat: „Manchmal muss man den Menschen einen Stups in die richtige Richtung geben.“ Er erlebe aber auch, dass ein Umdenken in den Köpfen der Menschen stattfinde – einige brächten gar ihre Einmachgläser selbst mit, um kein unnötiges Plastik zu verwenden.

Gerade mit Blick auf den Endpunkt des ganzen Plastikmülls, dem Meer, hat der „Fisch-Kaiser“ ein Interesse am Eindämmen des Mülls. Er selbst habe auch Maßnahmen ergriffen: „Eine Zeit lang haben wir hochwertige Kühltüten kostenlos ausgegeben, um die Einwegtüten zu ersetzen.“

Oft seien die Tüten jedoch nicht wieder zurückgekommen – da wurde das kostenfreie Unterfangen für den Betrieb dann doch zu teuer. Wie er seine Plastikartikel ersetzt, weiß Kaiser genau: „Besteck verwenden wir hier längst aus Metall, wer Plastikbesteck will, muss 45 Cent zahlen.“ Und zum Transport? „Mir wäre Recht, wir sind irgendwann so weit, dass jeder seine eigene Tupperdose mitbringt.

In der Pizzeria „La dolce Vita“ hört man auf Nachfrage dieser Zeitung zum ersten Mal davon. „Grundsätzlich finde ich das aber gut! Wenn man sich die Auswirkungen anguckt“, so Cihan Teke. Auch er stellt ein Umdenken bei der Kundschaft fest: „Viele wollen, dass wir das Essen nicht in Plastiktüten packen oder bringen eigene Beutel mit.“ Er glaubt, die Industrie werde Lösungen finden, um Plastikartikel zu ersetzen: „Gibt es Strohhalme nicht vielleicht aus Bambus?“, überlegt Teke spontan. Er gibt aber auch zu bedenken: „Das wird sicher teurer als das Plastik, das wird dann vielleicht auf die Kundschaft umgelegt werden.“ Etwas, was man dem Kunden dann auch zunächst vermitteln müsste.

Noch ist Zeit, bis die Vorgaben der EU umgesetzt werden müssen. Bis dahin werde man von dem zehren, was man habe. Oder, es halten wie Mehndes: „Was wollen die schon machen? Gar nichts können die machen!“




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