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Günter Dahmen erlebt nach Jahrzehnten erneut glückliche Stunden – diesmal bei „Rock im Hof!“

Wiedersehen in Weibeck

WEIBECK. Großes Fest im kleinen Dorf am Weseraltarm. Zwar können die Veranstalter von „Rock im Hof!“ nicht ganz die Besucherzahl des Vorjahres erreichen, dennoch sind sie hochzufrieden, denn die Stimmung der knapp 500 jüngeren und junggeblieben Gäste ist gut. Dafür sorgen auf der Bühne die Bands Daisy Town mit Country und Western sowie Whyback mit fetzigem Rock und Pop.

veröffentlicht am 19.08.2018 um 17:42 Uhr

Die Band Whyback heizte am Abend bei „Rock im Hof!“ kräftig ein. Foto: PJ

Autor:

Peter Jahn
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Die älteren Semester haben bereits am Nachmittag ihre Freude – und dabei vor allem Günter Dahmen aus Hambach bei Jülich.

Für ihn ist es nach 75 Jahren die erste Begegnung wieder mit den Menschen in dem knapp über 400-Seelen-Dorf, in dem er mit seiner Mutter und seinen sieben Geschwistern einst aufgenommen worden war. Zunächst zurück: Als im Zweiten Weltkrieg die Westfront der Alliierten sich dem Rheinland nähert, macht sich die Familie Dahmen wie viele andere auf den Weg ins sichere Hinterland. „Wir kamen nach Fischbeck und dort wurden wir auf die umliegenden Orte verteilt“, erinnert sich Günter Dahmen. Seine Mutter kommt bei Familie Mayer mit ihren Kindern in Wei-beck unter. Dort leben sie bis zum Kriegsende. Dann geht es wieder zurück ins völlig zerstörte Hambach.

Und dies nicht mit leeren Händen, wie sich Dahmen erinnert. „Die Meyers haben uns sieben kleine Schweine, Kartoffeln und Militärbetten mitgegeben.“ Im Unterschied zu heute, als er mit dem Auto in dreieinhalb Stunden von Hambach nach Weibeck fährt, dauerte die Rückreise mit dem Zug damals drei Tage. Dahmen hat diese Geschichte aus seiner Kindheit und einige weitere Erlebnisse seinen Kindern erzählt und diese haben ihn ermuntert, die Familiengeschichte schriftlich festzuhalten. Was liegt da näher, als sich auf den Weg zu machen.

Daisy Town nimmt die Zuhörer mit Country & Western mit über den großen Teich. Foto: PJ
  • Daisy Town nimmt die Zuhörer mit Country & Western mit über den großen Teich. Foto: PJ
Claudia Meier und Günter Dahmen, der Bilder von damals mitgebracht hat. Im Hintergrund Willi Huge. Foto: PJ
  • Claudia Meier und Günter Dahmen, der Bilder von damals mitgebracht hat. Im Hintergrund Willi Huge. Foto: PJ

Günter Dahmen nimmt Kontakt zu Carsten Huge auf, der an der Spitze des 30-köpfigen Organisationsteams von „Rock im Hof!“ steht. „Wenn Du viele Weibecker treffen willst, dann komm zu unserem Fest“, rät Huge. Gesagt, getan. Nicht nur mit Huges Vater Willi trifft Dahmen einen Menschen, der sich an die damalige Zeit erinnert. Im Laufe des Tages kann er viele Gespräche führen und viele Bilder machen, von dem Dorf und den Menschen, an deren Vorfahren er beste Erinnerungen hat.

Günter Dahmen und seine Lebensgefährtin Claudia Meier genießen auch den Abend mit der lauten Musik und den vielen gutgelaunten Menschen auf dem Bauhof „Über den Eichen“. Großen Applaus gibt es für die Bands, die es verstehen, ihre Zuhörerinnen und Zuhörer von der ersten Minute an mitzunehmen. Vor der Bühne wird getanzt, gehüpft, die Arme werden in die Luft geworfen. Vor allem Whyback hat eine große Fangemeinde, die die Lieder inbrünstig mitsingen, die von der Band selbst geschrieben wurden. Dass am Nachmittag umgeplant werden muss, da die Big Band Star Dust mitgeteilt hat, dass sie nicht auftreten kann und Carsten Huge trotz rund 40 Telefonaten in den letzten Tagen vor dem Fest keinen Ersatz mehr finden kann, ist bei ihm und seinen Mitstreitern jetzt am Abend mit dem Blick zur Bühne und auf das begeisterte Publikum vergessen.




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