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Kultourismusforum wird zum Treffpunkt der Glassammler / Aussteller zeigen Exponate aus aller Welt

Zerbrechliche Schätze

HESSLINGEN. Ob Briefmarken, Münzen oder Glasartikel: Wenn Sammler ein Objekt entdecken, das im eigenen Bestand fehlt, dann können sie meist nicht widerstehen. So wird es auch es auch beim Glassammlertreffen im Kultourismusforum sein. Einer von ihnen ist Albert Schwiezer, er besitzt rund 20000 Glasflaschen.

veröffentlicht am 08.02.2019 um 12:11 Uhr
aktualisiert am 08.02.2019 um 19:40 Uhr

Die im Bastkorb verborgene Flasche mit Löffel aus dem Jahre 1700 – 2017 fotografiert in Oman. foto: Bernold Schlender
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Autor

Annette Hensel Reporterin
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Albert Schwiezer besitzt 20000 Glasflaschen – ohne Duplikate. Der Heßlinger, dessen Sammelleidenschaft beim Aufräumen des Kellers 1970/71 ihren Anfang nahm, hat seine Sammlung erst kürzlich wieder um drei Weinflaschen erweitert. „Ich erfreue mich einfach daran, und auch wenn ich das Sammeln ein wenig eingeschränkt habe, nehme ich doch besondere Stücke gerne noch in meinen Bestand mit auf“, erklärt er. Erworben hat der pensionierte Lehrer seine jüngsten Exponate von Bernold Schlender. Der besitzt die größte Sammlung antiker Ginflaschen in Deutschland und organisiert gemeinsam mit Schwiezer seit zehn Jahren das Glassammlertreffen im Kultourismusforum.

2017 entdeckte Schlender jene Flaschen auf einem Basar in Oman. „Sie stammen ursprünglich wohl aus England und gelangten im Zuge des Kolonialhandels per Schiff in den Osten der arabischen Halbinsel“, erzählt Schwiezer. Eine in einem Bastkorb gelagerte Flasche, zu der ein langstieliger Löffel gehört, datiert wie eine weitere aus dem Jahre 1700, die dritte, mit Leder ummantelt, ist etwa 20 Jahre jünger. „Korb wie Leder haben eine Schutzfunktion – nicht nur vor Glasbruch, sondern auch vor Lichteinwirkung und Überhitzung, denn diese sehr bauchigen dunkelgrünen Behältnisse waren ideal für heilende, meist sirupartige Flüssigkeiten“, weiß der Glassammler. Vom Vorbesitzer hat er sogar ein Foto vom Verkaufsort der drei Flaschen erhalten.

Außerdem hat Albert Schwiezer für eine vierstellige Summe eine Weinflasche erworben, die um 1775 in der Glashütte Schorborn im Solling gefertigt wurde. Eingeprägt in die Wandung ist „Schorb.Hütte“ zu entziffern und auf der gegenüberliegenden Flaschenseite das ineinander verschlungene Monogramm „CC“ für Herzog Carl I. von Braunschweig. „Dabei handelt es sich um eine Gebrauchsflasche – vorwiegend für Wein, aber auch für Bier, die Herstellungsweise nach einem ganz neuen Verfahren macht sie so besonders“, sagt Schwiezer und erläutert: „Sie ist nicht – wie die Vorgängermodelle - frei, sondern in eine zweiteilige Klappform geblasen, was man an den dafür typischen Formnähten an den Seiten und am Boden erkennt; nur der Hals ist nach herkömmlicher Art gefertigt. Auf der Flaschenschulter wurde ein Glassiegel mit Name oder Hoheitszeichen des Herstellers und dem Volumen der Flasche angebracht, in der Flaschenwand mitunter noch zusätzlich eine Hersteller- oder Hoheitsangabe. Flaschen dieser Art wurden von der Mitte des 18. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts in großen Stückzahlen nur im Bereich Hannover/Braunschweig hergestellt. Sie werden deshalb bis heute als ‚Hannoversche Bouteillen‘ bezeichnet.“ Schwiezer besaß bisher 36 jener Bouteillen, mit dem kostbaren Neuerwerb aus dem Nachlass eines verstorbenen Glassammlers sind es nun 37 geworden.

3 Bilder
Albert Schwiezer hat seine 37 Hannoverschen Bouteillen katalogisiert. foto: ah

Solch wertvolle Flaschen nimmt Albert Schwiezer allerdings nicht mit zum zehnten internationalen Glassammlertreffen am Sonntag, 17. Februar von 9 bis 13 Uhr – „dazu sind sie zu schwer zu erwerben. Wir Glassammler präsentieren an den Tischen im Kultourismusforum primär unsere Duplikate“, erklärt er und verrät: „Meine Hannoverschen Bouteillen, in den Glashütten in Obernkirchen und am Süntel produziert, möchte ich an das Museum an der Süntelhütte geben, sobald die Ausstellungsfläche vergrößert wird.“ Sammlerfreund Harald Seyfarth aus Rodenkirchen hat alle 37 Bouteillen zwecks Katalogisierung fotografiert. „Jetzt habe ich meine Flaschen nach Alter, Herkunft und ursprünglicher Verwendung sortiert“, so Schwiezer.




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