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Gegen Rassismus und Ausgrenzung

100 Jahre Arbeiterwohlfahrt: Hunderte Besucher beim Familienfest

OBERNKIRCHEN. Mit einem großen Familienfest hat der AWO-Kreisverband Schaumburg das 100-jährige Bestehen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) gefeiert. Geboten wurde ein buntes Programm:

veröffentlicht am 19.05.2019 um 17:13 Uhr
aktualisiert am 19.05.2019 um 20:20 Uhr

Großer Andrang herrscht am Smoothie-Stand der Krankenkasse BKK 24. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. Mit einem großen Familienfest hat der Kreisverband Schaumburg das 100-jährige Bestehen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) gefeiert. Mehrere Hundert Besucher waren zu der auf dem Gelände des jbf-Centrums ausgerichteten Veranstaltung gekommen, um dort bei strahlendem Sonnenschein ein paar schöne Stunden zu verbringen. Geboten wurde ein kunterbuntes Programm: So zeigten eine Kinder-Trachtengruppe aus Schierneichen, Hip-Hop-Kinder des Postsportvereins Stadthagen und Mitglieder des Rock-’n‘-Roll-Clubs Schaumburg Tanzdarbietungen, bevor eine Trommel-Formation aus Sülbeck und danach die Bigband Route 65 für musikalische Unterhaltung sorgten.

Das Kreisforstamt hatte dagegen armdicke Birkenstämme mitgebracht und lud dazu ein, mit einer Bügelsäge einen möglichst genau „ein Pfund“ (500 Gramm) wiegenden Stammabschnitt abzusägen. Zu gewinnen gab es als Hauptpreis eine Waldführung (mit Förster) für bis zu zehn Personen. Bei der mit einem Löschfahrzeug angerückten Obernkirchener Feuerwehr durften Kinder unter anderem Wasser aus einem Feuerwehrschlauch auf eine kleine Haus-Attrappe spritzen. Zur Kategorie „Spiel und Spaß“ gehörte auch das ebenfalls stark frequentierte Kinderschminken, ferner gab es Gummistiefel-Weitwurf und etwa Spielgeräte für die Kleinen. Die Jägerschaft Schaumburg stellte Präparate heimischer Wildtiere vor.

Die in Obernkirchen beheimatete Krankenkasse BKK 24 offerierte indes kostenlose Smoothies, die sich deren „Kunden“ allerdings erst erarbeiten mussten. Der Mixer zum Pürieren des Obstes war nämlich vorne an einem „Fahrrad“ befestigt, auf dem man sich ein paar Minuten lang abstrampeln musste, um den Mixer zu betreiben. Die Idee dahinter sei, die beiden für die Gesunderhaltung wichtigen Themen gesunde Ernährung und Bewegung zu verknüpfen, erklärte Christina Louise Steinmann von der BKK 24.

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Präsentierten die „100 Jahre AWO“-Lebkuchenherzen: Heidemarie Hanauske (Awo-Kreisgeschäftsführerin; vorne), Marko Brunotte (v. l.), Marja-Liisa Völlers, Karsten Becker, Heinz-Gerhard Schöttelndreier und Jörg Farr. Foto: wk

Mit der Resonanz zeigte sich Stephan Hartmann vom Awo-Kreisverband sehr zufrieden: Sieben Shuttle-Busse hätten jeweils mindestens 60 Leute zu dem Familienfest gebracht; dazu die rund 150 mit Harley-Davidson-Maschinen angereisten Motorradfahrer und dann noch all diejenigen Besucher, die mit dem Auto hergekommen seien, bilanzierte er. Toll fand er auch, dass trotz des derzeitigen Ramadan viele muslimische Zuwanderer dabei seien.

Seitens des Awo-Kreisverbandes habe man zwar gehofft, dass die Veranstaltung ein Erfolg werde, berichtete Hartmann. Doch diese große Beteiligung habe die Erwartungen noch übertroffen. Ein Fest unter freiem Himmel zu feiern, sei ja schon ein Risiko, aber die Awo habe offenbar „gute Karten bei Petrus“: Mit diesen Worten hatte Heinz-Gerhard Schöttelndreier, der Vorsitzende des Awo-Kreisverbandes Schaumburg, zuvor das „wie bestellt“ sommerliche Wetter kommentiert. Das bereits während der Begrüßungsreden rege Treiben auf dem Festgelände bezeichnete er als ein „wunderbares Bild“.

Zur Historie der am 13. Dezember 1919 von der Frauenrechtlerin und Sozialreformerin Marie Juchacz gegründeten Arbeiterwohlfahrt erklärte er, dass damals nach dem Ersten Weltkrieg eine hohe Arbeitslosigkeit und großes Elend in Deutschland geherrscht hätten. Vonseiten des Staates habe es jedoch nur eine „beschämende Armenfürsorge“ gegeben. Und in dieser Situation, aus der Erkenntnis, „wenn wir uns nicht selber helfen, dann hilft uns keiner“, habe sich aus der Arbeiterbewegung heraus die Awo gegründet. Mit dem Gedanken der Wohlfahrtspflege und dem Gedanken, selbst für andere Notleidende einzutreten. „Hilfe zur Selbsthilfe“ nenne man das heute.

Apropos heute: „Wir sind ein modernes, soziales Dienstleistungsunternehmen“, erklärte Schöttelndreier bezogen auf die Awo. Zudem merkte er an, dass alle Hilfen inzwischen so komplex geworden seien, dass diese nur noch von hoch qualifizierten Sozialarbeitern erbracht werden könnten, die hauptamtlich tätig seien.

„Aber die Idee der Awo ist: Wir kämpfen mit ehrenamtlichem Engagement und mit professionellen sozialen Dienstleistungen für eine soziale Gesellschaft“, sagte der Kreisvorsitzende. Und: „Wir treten ein für unsere Grundwerte, als da sind Solidarität, Gleichheit, Gerechtigkeit und Toleranz.“

Als Grußredner würdigte Landrat Jörg Farr die Awo als einen unverzichtbaren Bestandteil des sozialen Netzwerkes hier im Schaumburger Land. Überdies sprach er einen Dank an alle Menschen aus, die sich bislang in dem Wohlfahrtsverband engagiert haben.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Karsten Becker sah die „größte Stärke“ der Awo darin, dass diese aus ihrer Kenntnis der sozialen Lebensbedingungen der Menschen die Hilfen so konzeptioniere, dass die Probleme dieser Menschen „Baustein für Baustein“ abgearbeitet würden.

Die Awo-Gründerin Marie Juchacz ist die erste Frau gewesen, die im Deutschen Parlament eine Rede habe halten dürfen, informierte die SPD-Bundestagsabgeordnete Marja-Liisa Völlers.

„Wir zeigen klare Kante gegen Rassismus und Ausgrenzung“, ergänzte Marko Brunotte, Vorsitzender des Awo-Bezirksverbandes Hannover.




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