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Gravierende Verstöße: Spezialeinheit stoppt Temposünder / Polizei hat die Winternstraße in Krainhagen im Visier

Überraschung bei Kontrollaktion

KRAINHAGEN. Nachdem bereits die Stadt verdeckte Geschwindigkeitsmessungen auf der Kreisstraße 10 in Krainhagen durchgeführt und dabei erstaunliche Werte gemessen hatte, ergreift nun auch die Polizeiinspektion Schaumburg/ Nienburg Maßnahmen. Beamten einer Spezialeinheit zur Überwachung des Verkehrs sind mehrere Raser ins Netz gegangen.

veröffentlicht am 01.03.2019 um 17:09 Uhr

Nachdem Straßenbaubehörde und Landkreis Maßnahmen ergriffen haben, um die Kreisstraße 10 in Krainhagen sicherer zu machen, hat nun die Polizei Raser im Visier. Foto: tol
Leonhard Behmann

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Auf der Winternstraße in Höhe des Bahnüberganges hatten sich bereits in der Vergangenheit zahlreiche Unfälle ereignet (wir berichteten). Der Landkreis und die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr haben reagiert und erste Maßnahmen umgesetzt. Dadurch sollen in Zukunft Unfälle verhindert werden. Zudem soll die Straße saniert werden – und das früher als geplant.

Straßenwärter haben erst vor wenigen Wochen sogenannte Kurvenleitmale installiert. Die Warntafeln sollen den Verkehr vor dem Unfallschwerpunkt auf den Kurvenverlauf aufmerksam machen. Vertreter von Polizei, Straßenbaubehörde, Landkreis und Straßenmeisterei hatten sich bei einem Vorort-Termin ein Bild von der Lage gemacht und dabei erhebliche Mängel am Straßenbelag festgestellt. „Nicht nur bei Nässe, sondern auch bei Trockenheit können hier Unfälle passieren, weil die Bodenhaftung durch die Straßenschäden herabgesetzt wird“, erklärt Markus Brockmann, Leiter der zuständigen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln.

Seitdem gilt auf der Winternstraße ein Tempolimit. Statt Tempo 50 dürfen Autofahrer nur noch 30 Kilometer pro Stunde fahren. Die Stadt Obernkirchen fand mit einer Anlage, die „anonym“ die Geschwindigkeit von Autos misst, heraus, dass sich viele Fahrer nicht an das Tempolimit halten. Das Gerät hatte festgehalten, dass 99 Prozent der Fahrzeuge, die innerhalb einer Woche die Straße bergab befahren, zu schnell waren.

Jetzt hat die Polizei reagiert. Beamte der Verfügungseinheit der Inspektion führten vier Stunden lang Geschwindigkeitsmessungen an der Winternstraße durch und stoppten Raser. Mit einem Blitzer, der inspektionsweit einmalig ist, konnten die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge auf der kurvenreichen Strecke ermittelt werden. „Das Messgerät errechnet mithilfe von Lichtschranken die gefahrene Geschwindigkeit“, erklärt Werner Müller vom Sachgebiet Verkehr der Polizeiinspektion.

Die Messung habe bemerkenswerte Ergebnisse zutage gefördert. Die Verstöße seien so gravierend, dass die Verkehrsexperten auch in Zukunft Geschwindigkeitsüberwachungen durchführen wollen. Insgesamt seien zwischen 7 und 11 Uhr 88 Autofahrer geblitzt worden. „Man muss dabei aber beachten, dass die Kollegen erst ab einer Geschwindigkeitsübertretung von 16 km/h gemessen haben“, sagt Müller. Ansonsten hätten die Beamten mehr Schnellfahrer erwischt, als sie hätten stoppen können. „Schließlich haben wir jeden, den wir geblitzt haben, auch wenig später angehalten und überprüft“, sagt Müller. Die Polizeibeamten erteilten zwei Fahrverbote, schrieben 31 Anzeigen und verhängten 55 Verwarngelder. Die Spitzenreiter waren zwei Autofahrer, die mit 69 und 68 gefahrenen Kilometern pro Stunde in die Radarfalle getappt waren. „Beide müssen ihren Führerschein für einen Monat abgegeben“, sagt Müller.

Bei der anschließenden Verkehrskontrolle sei den Beamten noch etwas aufgefallen: 95 Prozent der Autofahrer hätten aus Krainhagen und der näheren Umgebung gestammt. „Viele der Raser haben ausgesagt, dass sie nicht wussten, dass auf der Straße Tempo 30 gilt“, sagt Polizeihauptkommissar Matthias Auer.

Für Bürgermeister Oliver Schäfer ist das unverständlich. „Scheinbar haben viele noch nicht begriffen, dass man auf dieser Straße langsam fahren sollte“, sagt er. Vielleicht läge es aber auch an der Routine vieler Krainhäger, die die Straße oft fahren. „Dann achtet man nicht mehr auf die Verkehrszeichen“, meint Bürgermeister Schäfer

Auch der Erste Kreisrat Klaus Heimann freut sich, dass die Polizei Maßnahmen ergriffen hat. „Das kann man nur gutheißen“, sagt er. „Schilder sind schließlich dafür da, um beachtet zu werden.“




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