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Buch „infizierte“ Doris Johannsmeyer in jungen Jahren / Malerin zeigt Bilder vom Schwarzen Kontinent

Afrika: Mit 65 Kindheitstraum verwirklicht

Obernkirchen (tw). Bücher gibt es, die lassen und lassen einen nicht mehr los: „Romy fährt nach Afrika. Ein Mädchen, ein Auto – und 20 000 Kilometer” ist für Doris Johannsmeyer (66) so ein Buch. Die Autorin Romy Schurmacher schildert darin, wie sie 1956 mit 19 Jahren alleine in einem Ford Taunus 12 M Kombi durch Afrika bis nach Kapstadt reiste. Der Vater schenkte der zwölfjährigen Doris Johannsmeyer den Bericht zum Geburtstag. Damals dachte keiner der beiden, wohin das die Tochter eines Tages führen sollte, nämlich ebenfalls nach Afrika, 53 Jahre später. „Ich habe das Buch bis dahin vielleicht 15 Mal gelesen. Zum 65. Geburtstag verwirklichte ich dann endlich meinen Afrikatraum“, erzählt Johannsmeyer.

veröffentlicht am 05.01.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 08:22 Uhr

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Frucht dieser mehr als 7000 Kilometer langen Reise ist eine Reihe von farbenprächtigen und großformatigen Gemälden, von denen jetzt 18 in der Sparkasse am Marktplatz zu sehen sind; ergänzt wird das Gezeigte um drei Tonskulpturen, die Massai-Krieger darstellen. Die Bilder der gebürtigen Osnabrückerin, die seit 2002 in Bückeburg lebt, zeigen mit Masse die großen Tiere des Schwarzen Kontinents: Elefanten, Löwen, Leoparden, Giraffen, aber auch Afrikaner mit ihrem Körperschmuck. „Geschossen“ hat sie Johannsmeyer vor Ort mit der Digitalkamera, gemalt nach den Fotos zu Hause an der Staffelei.

„Afrikanische Gemälde“ ist die zweite öffentliche Ausstellung mit Bildern der Bückeburgerin; die Erste zeigte sie 2010 im „Kaffee Pause“ (Stadthagen). Dem Publikum gefiel das Gezeigte. „Ich habe damals inklusive der Folgeaufträge 17 Bilder verkaufen können“, erinnert die Malerin, die auch Auftragsarbeiten annimmt. Etwa Porträts von Menschen und Haustieren oder Kopien von Alten Meistern wie Rembrandt, Manet, Renoir und Cezanne.

„Den Kontakt zu uns hat der Stadthäger Diakon i. R. Norbert Radeck hergestellt“, berichtet Joachim Gotthardt bei der Vernissage. Der Leiter der Sparkassen-Geschäftsstelle Obernkirchen: „Kennengelernt hat man sich über die Webseite feierabend.de.“ „Das“, sagt Radeck, „ist eine Plattform für Menschen über 50. Europaweit gibt es über 140 000 Mitglieder, davon 120 im Schaumburger Land“.

Eines von ihnen ist Doris Johannsmeyer. Bereits als Kleinkind bemalte sie die Wände ihres Kinderzimmers; das brachte ihr Stubenarrest ein. Als Neunjährige zeichnete sie eine Karikatur ihres Lehrers an die Schultafel; das setzte Stockhiebe. Doch bereits mit zwölf Jahren fanden ihre Bilder Anerkennung. „Ich malte damals mit dem Schulmalkasten ein historisches Gebäude in Osnabrück. Ein Passant kaufte mir das Bild für fünf Mark ab“, freut sich Johannsmeyer noch heute. Und ergänzt: „Ich war happy. So viel Geld für eine Zeichnung.“ Inzwischen kann sie für ihre Werke – wie derzeit in der Sparkasse – zwischen 120 und 320 Euro nehmen.

Eigentlich wollte Johannsmeyer Kunst studieren. Doch dagegen sperrten sich die Eltern, sagten: „So etwas Exotisches kommt nicht in Frage, schon gar nicht für ein Mädchen.“ Stattdessen sollte sie eine Lehre als Bürokauffrau absolvieren. Doch den Vorstellungstermin bei einer Firma „verbummelte“ die junge Frau, kam bewusst über eine Stunde zu spät. „Da war die Lehrstelle schon vergeben.“

Schließlich begann Johannsmeyer eine Ausbildung als Schaufensterwerbegestalterin, ihre Bildermappe überzeugte. Den Gesellenbrief machte sie später mit Auszeichnung. Ihre 66 Lenze sieht man ihr heute nicht an. Der „Eishüpfer“, so ein Spitzname, hält sich im Sommer mit Rollschuh-, im Winter mit Schlittschuhlaufen fit.

Übrigens: Erst vor wenigen Tagen hat die Malerin die Autorin ihres Kindheitsbuches über das Internet ausfindig gemacht. „Ich habe mich ans Telefon gehängt und Romy Schurmacher angerufen. Ich musste ihr einfach sagen, wie viel mir ,Romy fährt nach Afrika‘ bedeutet hat“, erzählt die Künstlerin.

Die Ausstellung „Afrikanische Gemälde“ ist noch bis zum 28. Februar in der Sparkasse Obernkirchen, Markplatz 3, zu sehen.




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