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„Natur ist das Wichtigste“

Auf Entdeckungstour: Mit der Nabu-Kindergruppe unterwegs

OBERNKIRCHEN. An jedem zweiten Samstag im Monat ist die Kindergruppe des Naturschutzbunds (Nabu) Obernkirchen unterwegs, um den richtigen Umgang in und mit der Natur zu lernen. Unsere Redaktion hat sie dabei begleitet.

veröffentlicht am 17.05.2019 um 00:00 Uhr

Finn (links) und seine Schwester Elane beobachten das Verhalten eines Käfers am Bachlauf. Fotos: nk

Autor:

Niklas Könner
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OBERNKIRCHEN. Unter den Sohlen seiner Gummistiefel knacken leise ein paar Äste, als sich Finn neben den Baumstamm hockt. Einen Moment lang beobachtet er mit gebanntem Blick den Rothalsbock, der über das Holz krabbelt. Einen knallgrünen Kescher in der rechten, einen kleinen Plastikeimer in der linken Hand befördert der Elfjährige dann geschickt den Käfer in das Gefäß, um ihn genauer untersuchen zu können. Seine kleine Schwester Elane knipst mit einer Digitalkamera eifrig ein paar Bilder von dem Tier.

„Die Kinder sollen die Natur kennenlernen und von ihr lernen“, sagt Anette Rotarius, die die Szenerie nur wenige Schritte entfernt verfolgt hat. Wie an jedem zweiten Samstag im Monat ist die Leiterin der Kindergruppe des Naturschutzbunds (Nabu) Obernkirchen auch an diesem Vormittag mit ihren Schützlingen – wenngleich nur mit zwei von den eigentlich zehn Gruppenmitgliedern – in dem kleinen Waldstück am Sonnenbrinkbad unterwegs. „Mit entsprechenden jahreszeitlichen Dingen“, erklärt Rotarius, „möchte ich den Kindern die Natur näherbringen.“

Jahreszeitliche Dinge – das bedeutet für den Mai unter anderem Vogelbeobachtung. Hoch konzentriert blickt die siebenjährige Elane durch das binokulare Fernglas in die Baumwipfel. Ausschau haltend nach einem tierischen Bewohner dreht sie sich auf der leicht ansteigenden Waldwiese langsam im Kreis. Auf der anderen Wiesenseite tut es ihr Bruder ihr gleich. In einem Tierbestimmungsbuch hakt Finn Bilder von den Vögeln ab, die er bereits sichten konnte. „Mein Lieblingsvogel ist die diebische Elster“, bemerkt der Elfjährige mit einem Grinsen im Gesicht. Sowieso sei er gerne in der Natur, denn „hier ist alles so schön grün, und Grün ist meine Lieblingsfarbe“, erzählt Finn , während er durch das kniehohe Gras den Hang hinunterwatet.

Anette Rotarius

Unten angekommen, gibt es bereits etwas Neues zu entdecken: Am Vordach der Hütte des Waldkindergartens Obernkirchen hängt ein walnussgroßes Wespennest. Als die beiden Kinder das Nest mit einigem Sicherheitsabstand betrachten, verschwindet summend eine Wespe in dem papierartigen Gebilde. Rotarius erklärt den jungen Naturschützern, dass man vor Wespen „Respekt, aber keine Angst haben muss“. Für die Nabu-Kindergruppenleiterin ist die Aufklärung über die Hautflügler ein wichtiger Lernbaustein: „Meistens wird auf Insekten immer gleich draufgeschlagen. Wer die Tiere aber kennt, weiß, dass man einfach nur Ruhe bewahren muss.“ Genau solch elementares Naturwissen will Rotarius den Kindern bei den monatlichen Erkundungstouren vermitteln. „Wichtig ist die Grundarbeit“, betont sie und präzisiert: „Das bedeutet, die Kinder sollen den richtigen Umgang mit der Natur lernen, also beispielsweise über Müllvermeidung und den richtigen Eigenschutz im Wald Bescheid wissen.“ Schließlich könne man auch „nur schützen, was man kennt“, weiß Rotarius. Daher versucht sie seit dem Gruppenprojektstart 2014 den Kindern auf spielerische und experimentelle Weise die Vielfalt der Natur aufzuzeigen.

Angesichts dessen überrascht es kaum, dass Rotarius auch dieses Mal noch ein besonderes Highlight für Elane und Finn vorbereitet hat. Mit einer Endoskopkamera können die beiden Kinder unter schwere Baumwurzeln und in faustgroße Erdlöcher gucken. Aufmerksam blickt Finn auf das handtellergroße Display, während er das Kameraende in ein dickes Wurzelgeflecht hält. Seine Schwester schaut ihm neugierig über die Schulter. „Es macht echt mega Spaß zu forschen“, zeigt sich das blonde Mädchen mit dem Pferdeschwanz begeistert. Nur kurze Zeit später entdeckt sie auf dem humusfarbenen Waldboden die Schale eines Vogeleis und dokumentiert den Fund mit der Digitalkamera.

„Kinder haben immer einen anderen, unvoreingenommenen Blickwinkel für die Natur“, sagt Gruppenleiterin Ro-tarius in Anbetracht dieser Szene. Das mache die Exkursionen jedes Mal aufs Neue so spannend. Und schließlich „kann es auch nichts Wichtigeres als die Natur geben“.




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