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Geburtshilfe mit Kuschelfaktor

Babyfreundliche Maßnahmen fördern Mutter-Kind-Beziehung

VEHLEN. Werdende Eltern können sich im Klinikum Schaumburg gut aufgehoben fühlen, weil es dort besonders babyfreundlich zugeht. Kliniken mit diesem Zertifikat möchten die ersten Tage im Leben eines Kindes auf besondere Weise schützen.

veröffentlicht am 07.02.2019 um 11:25 Uhr
aktualisiert am 07.02.2019 um 18:50 Uhr

Heike Reyes-Küpper (l.) und Janina Lomitschka am Ort des Geschehens: dem Kreißsaal. Foto: gal

Autor:

Gloria Lucie Alter
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VEHLEN. Das Klinikum Schaumburg hat in der Vergangenheit einige negative Schlagzeilen produziert (wir berichteten). In einem Bereich kann es sich allerdings mit Lorbeeren schmücken: Seit 2009 ist die Klinik des Gesundheitskonzerns Agaplesion offiziell eine „babyfreundliche Geburtsklinik“ und wurde zuletzt 2018 rezertifiziert.

Kliniken mit diesem Zertifikat möchten die ersten Tage im Leben eines Kindes auf besondere Weise schützen. Mit der Eröffnung des Klinikums Schaumburg im Jahr 2017 siedelte der Standort vom Krankenhaus Bethel in Bückeburg nach Vehlen über.

Die Auszeichnung ist eine Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und von UNICEF. Niedersachsen lag mit der Anzahl der babyfreundlichen Krankenhäuser 2017 im Vergleich auf Platz drei – mit zwölf zertifizierten Kliniken.

Sofern es medizinisch unbedenklich ist, soll im Klinikum besonders die physiologische, also die natürliche Geburt gefördert werden. „Babys sind viel wacher und aufgeweckter“, nennt Stationsleitung Heike Reyes-Küpper eines der Argumente, das für diese Art von Geburt spreche. Und Janina Lomitschka, eine der zwei kommisarisch leitenden Hebammen der Station, gibt ihr recht. Auch die Mütter seien danach schneller wieder fit, was das unmittelbare „Bonding“ nach der Entbindung ein wenig leichter gestalte als ein Kaiserschnitt. Dennoch werde bei beiden Varianten der Geburt gleichermaßen Wert darauf gelegt, „dass das Neugeborene unmittelbar danach Hautkontakt zu seiner Mutter erfahren kann, mindestens eine Stunde lang oder aber, bis es das erste Mal gestillt wurde“, so Reyes-Küpper. Erst dann werden notwendige erste Untersuchungen durchgeführt. Im Idealfall sollte das Neugeborene an der Brust trinken und keinerlei zusätzliche Flaschennahrung bekommen. Denn auch das Stillen stärke die Mutter-Kind-Beziehung, wie Reyes-Küpper erklärt. Mutter und Baby sollen zudem Tag und Nacht zusammensein.

Nach der Geburt gebe es laut der Stationsleitung einige gesundheitliche Risiken für das Kind, wenn zur Flaschennahrung gegriffen werde, darunter eine Neigung zur Entwicklung von Allergien sowie ein erhöhtes Risiko von Infektionskrankheiten. Die Hebammen benachteiligen aber niemanden: „Wir müssen die Leute auf ihrem Weg unterstützen“, so Reyes-Küpper, und dieser Weg sei individuell. Denn nicht jeder frisch gebackenen Mutter sei es überhaupt möglich, nach der Geburt zu stillen.

Gemäß den babyfreundlichen Standards müsse jeder Mitarbeiter auf dem gleichen Informationsstand sein. Im Klinikum Schaumburg finden dafür Schulungen statt, an denen alle in der Geburtshilfe tätigen Mitarbeiter teilnehmen. Jeder Mitarbeiter erhält in acht Schulungsstunden pro Jahr eine Auffrischung darin, wie die Qualitätsstandards aufrechtzuerhalten sind. Jeder Entbindungspfleger wird dadurch auch Ansprechpartner für Fragen und Probleme rund um die Geburt.

Zudem gibt es eine ausgebildete sogenannte Stillberaterin, die Ansprechpartnerin für die Stillambulanz des Krankenhauses ist. Diese bleibe auch nach der Geburt Ansprechpartner bei Fragen. „In der Geburtshilfe greifen die Zahnräder nahtlos ineinander“, so Reyes-Küpper. „Ich finde es halt einfach wichtig, dass das Team es lebt.“ Und dieser Spirit sei es, der ihr das Sich-Einleben am neuen Standort in Vehlen erleichtert habe.

Die Stationsleitung war zu vor im Krankenhaus Bethel in Bückeburg tätig. Dieses wurde im Jahr 2009 erstmals als „babyfreundlich“ zertifiziert. Diese Auszeichnung erreichte das Agaplesion in Bückeburg laut Reyes-Küpper nicht ohne Grund: „Wir wollten uns damals auch von Minden abgrenzen und den Patienten etwas Neues bieten.“

Derzeit befinde sich laut Reyes-Küpper eine Hebammensprechstunde im Aufbau. Diese solle das Angebot noch erweitern und werde voraussichtlich zum 1. April gestartet. Eltern können dann Termine vereinbaren, um sich individuelle und persönliche Beratung einzuholen – für einen guten Start ins Familienleben.




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