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Bis in die Spitzen

Baumsteiger: Martin Struckmeier arbeitet in luftiger Höhe

KRAINHAGEN. Wenn an einem Baum große Zweige zur Gefahr für Leib und Leben werden oder abgestorbenes Geäst unkontrolliert herunterzufallen droht, muss der Baumkletterer aktiv werden. Martin Struckmeier aus Krainhagen arbeitet seit vier Jahren im Nebenverdienst als Steiger.

veröffentlicht am 11.04.2019 um 16:26 Uhr
aktualisiert am 11.04.2019 um 17:10 Uhr

Martin Struckmeier steigt bei fast jedem Wetter in den Baum, aber immer gut gesichert und nie allein. Während einer kurzen Verschnaufpause in luftiger Höhe kann er bei schönem Wetter manchmal die gute Aussicht genießen.
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Autor

Anja Hillmann Reporterin
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Unsere Zeitung hat ihm im Walnussbaum von Carola Hörschgen und Klaus Kreye bei seiner schwindelerregenden Arbeit zugeschaut.

Was viele nicht wissen: Ist die „Baumfällsaison“ vorbei, geht die „Baumpflegesaison“ los. Baumpflegerische Schnittmaßnahmen im Astbereich werden in der Vegetationszeit durchgeführt, da belaubte Bäume aus biologischer Sicht einen erhöhten Stoffwechsel haben und somit besser auf Veränderung und Verletzungen reagieren können, so die Fachlektüre.

Der Krainhäger Martin Struckmeier arbeitet hauptberuflich als Rettungsassistent beim DRK. Wie kam er auf die Idee, Baumkletterer zu werden? „Durch die Schichtarbeit beim Rettungsdienst“, antwortet er, „habe ich in regelmäßigen Abständen viel Freizeit. Bei der Überlegung, wie ich diese Zeit sinnvoll nutzen kann, bin ich im Internet auf den Beruf des Steigers gestoßen. Das hat mich sofort fasziniert. Ich war schon immer gerne draußen und habe dann die Idee begeistert in Angriff genommen.“

Es folgte ein Lehrgang in Hannover bei der Münchner Baumkletterschule. Dort wurden ihm in einem praxisorientierten Kurs alle Kenntnisse, die für ein sicheres und selbstständiges Arbeiten im Baum erforderlich sind, vermittelt. Das umfasste den Aufstieg, das Bewegen und Positionieren im Außenastbereich sowie den Einsatz der Handsäge und den Abstieg. Darüber hinaus lernte er, wie Gefahrensituationen zu handhaben sind und dass zur eigenen Sicherheit immer nur zu zweit an einem Baum gearbeitet werden darf. Seit vier Jahren arbeitet der 40-jährige als Steiger und hat immer noch großen Spaß an der Sache.

Ganz wichtig ist für Struckmeier, die Baumbiologie und den menschlichen Anspruch in Einklang zu bringen. Dabei ist kein Baum wie der andere, und jeder besitzt seine eigene Herausforderung. „Der Baum bestimmt sein Aussehen, nicht der Mensch“, sagt Struckmeier. Darum spricht er im Vorfeld immer ausführlich mit dem Kunden, was an den Zweigen wegmuss.

Höhenangst darf man bei diesem Job sicherlich nicht haben, aber das ist für Struckmeier als gelernter Zimmermann kein Problem. Mit Blick auf die Kettensäge fragt sich der Betrachter schon, ob solche Arbeiten in großer Höhe, nur an Seilen gesichert, nicht überaus gefährlich sind. Struckmeier sieht es so: „Meine Ausrüstung ist von sehr hoher Qualität, schließlich hängt mein Leben an diesen Seilen.“ Was das Arbeitswerkzeug betreffe, so sei es jedem Steiger erst nach 300 nachgewiesenen Arbeitsstunden mit einer Handsäge im Baum erlaubt, eine Kettensäge bei der Arbeit einzusetzen. „Niemand arbeitet hier leichtfertig“, so Struckmeier.

Nach einem Tag in den Bäumen lässt auch ein durchtrainierter Körper jeden Muskel spüren. Darum ist Struckmeier – bei allem Spaß in luftiger Höhe – immer froh, wenn die Arbeit erledigt ist und er sich abseilen kann. Auch Carola Hörschgen und Klaus Kreye sind am Abend froh, dass sie sich nun wieder ohne Bedenken unter ihrem Walnussbaum aufhalten können.




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