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Kundgebung vor Ardagh-Toren

Beschäftigte der Glasindustrie: „Wir wollen nicht abgehängt werden“

OBERNKIRCHEN. „Die Mäuse müssen stimmen!“ Mit dieser Forderung haben sich Beschäftigte von Ardagh Glass und Unimould am Dienstagmittag vor den Toren der Glashütte am Lohplatz versammelt. Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) fordert unter anderem 6 Prozent mehr Entgelt. Das sind ihre Gründe:

veröffentlicht am 21.05.2019 um 16:10 Uhr
aktualisiert am 21.05.2019 um 18:40 Uhr

„Die Mäuse müssen stimmen!“ Mit diesem Plakat fordern die Gewerkschaftsmitglieder der Glasbehälterindustrie mehr Lohn sowie weitere Leistungen. Foto: mld
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. „Die Mäuse müssen stimmen!“ Mit dieser Forderung haben sich Beschäftigte von Ardagh Glass und Unimould am Dienstagmittag vor den Toren der Glashütte am Lohplatz versammelt – zumindest jene, die Mitglieder in der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sind.

Hintergrund sind die Tarifverhandlungen in der Behälterglasindustrie. Die Tarifkommission der IG BCE fordert sechs Prozent mehr Entgelt sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, die Erhöhung des Urlaubsgeldes auf 30 Euro pro Urlaubstag oder wahlweise drei freie bezahlte Tage sowie zwei Gesundheitstage pro Jahr für Gewerkschaftsmitglieder. Außerdem verlangt die Gewerkschaft, dass über Arbeitszeitmodelle für ältere Beschäftigte diskutiert werden solle. Die Forderungen gelten für die Landesgruppe Nordwest und Rhein-Weser sowie die Haustarifverträge der Firmen Ardagh Glass, Heye International und Unimould.

Die Kundgebung in Obernkirchen fand im Rahmen eines deutschlandweiten Aktionstages der IG BCE statt, der unter anderem auch Kundgebungen an Ardagh-Standorten in Nienburg, Wahlstedt, Lünen und Bad Münder sowie an weiteren Glashütten mit sich brachte.

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Mit einer Kundgebung vor den Toren von ArdaghGlass am Lohplatz unterstützen Beschäftigte von Ardagh und Unimould die Forderungen der Tarifkommission. Foto: mld

Die Kundgebung vor dem Ardagh-Werk am Lohplatz begann gegen 12.30 Uhr und endete gegen 14 Uhr, sodass Beschäftigte zum Ende der einen und vor Beginn der darauffolgenden Schicht teilnehmen konnten. Schließlich gelte noch Friedenspflicht, so Stephan Seiffert von Betriebsrat der ArdaghGroup Obernkirchen, was einen Streik ausschließt. An Arbeitsniederlegung und der Beeinflussung der Produktion hätte außerdem niemand Interesse, so Seiffert: „Wir arbeiten schließlich hier – das ist, womit wir unser Geld verdienen.“

Dass die Forderungen der Tarifkommission gerechtfertigt seien und ihre Bedeutung durch die Kundgebung unterstrichen werden soll, daran lässt Seiffert keine Zweifel: Es gebe inzwischen einen immensen Unterschied in der Bezahlung der Arbeitnehmer in den Glashütten und den „Studierten“, so Seiffert, dem Management. „Dabei sind es doch die Arbeitnehmer, die durch ihre Arbeit und ihre Hände hier die Wertschöpfung erbringen“, so Seiffert.

Unterstützt wird die Kundgebung durch den Gewerkschaftssekretär der IG BCE Hannover, Thomas Diekmann. „Ardagh geht es sehr gut, der Glasmarkt wächst“, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Dennoch liege die angebotene Tariferhöhung bei – auf zwölf Monate gerechnet – durchschnittlich 2,3 Prozent. „Das liegt gerade mal einen Hauch über der Inflationsrate“, zeigt sich Diekmann unzufrieden. Bei der derzeitigen Konjunktur in der Glasbehälterindustrie gebe es keinen Grund, nicht auf die Forderungen nach sechs Prozent mehr Entgelt einzugehen: „So gute Zeiten wie jetzt gab es in der Industrie schon lange nicht mehr – wenn nicht jetzt, wann dann?“

Außerdem gehe es für die Arbeitgeber der Glasindustrie darum, attraktiv zu bleiben für Fachkräfte und Auszubildende. „Der Konkurrenzkampf wird immer härter“, so Diekmann – und den könne man ohne angemessene Zahlung nicht gewinnen. Diese Situation werde sich weiter verschärfen, kündigte Seiffert an: „Wir wollen nicht abgehängt werden hier im Landkreis.“

Am 18. Juni werden die Verhandlungen in der dritten Runde weitergeführt. Kommt es auch hier nicht zu einer Einigung, wird es laut Seiffert zwei Schlichtungstermine geben. Scheitern die ebenfalls, schließt Seiffert einen Streik nicht aus: „Das wäre das erste Mal in der Glasindustrie seit 120 Jahren.“




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