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Gericht: Autofahrer begeht keine fahrlässige Tötung

Betrunkener stirbt auf der Straße – im Dunkeln überfahren

OBERNKIRCHEN/BÜCKEBURG. Albtraum für jeden Autofahrer: In der Dunkelheit hat sich ein Betrunkener mit mehr als 2,3 Promille Alkohol im Blut auf die Rintelner Straße in Obernkirchen gelegt. Ein heute 28-Jähriger überfuhr den Heimbewohner an jenem 4. November 2016 gegen 20 Uhr mit seinem Kleinwagen.

veröffentlicht am 17.08.2018 um 16:35 Uhr
aktualisiert am 17.08.2018 um 17:10 Uhr

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OBERNKIRCHEN/BÜCKEBURG. Albtraum für jeden Autofahrer: In der Dunkelheit hat sich ein Betrunkener mit mehr als 2,3 Promille Alkohol im Blut auf die Rintelner Straße in Obernkirchen gelegt. Ein heute 28-Jähriger überfuhr den Heimbewohner an jenem 4. November 2016 gegen 20 Uhr mit seinem Kleinwagen. Noch an der Unfallstelle erlag das Opfer seinen schweren Verletzungen, darunter ein Abriss der Hauptschlagader und diverse Brüche.

Fast zwei Jahre nach dem Unglück wurde das Geschehen jetzt juristisch bewertet. In einem Prozess um fahrlässige Tötung hat das Amtsgericht in Bückeburg den Autofahrer freigesprochen. Ein Grund dafür: Der Student hatte erklärt, er sei vor der Kollision von einem entgegenkommenden Fahrzeug geblendet worden. Dies ließ sich nicht widerlegen.

„Ich kann nur von dem ausgehen, was ich sicher feststellen kann“, sagte Richterin Uta Freese-Schmidt. Unter normalen Umständen wäre der Unfall möglicherweise zu vermeiden gewesen. Einem Gutachten zufolge hätte der Autofahrer bei Tempo 50 einen Anhalteweg von 28 Metern gehabt. Die Person auf der Fahrbahn sei 40 Meter vorher erkennbar gewesen.

Uta Freese-Schmidt sprach von einem „tragischen Unglücksfall, der den Angeklagten sein Leben lang begleiten wird“. In ihrer Urteilsbegründung folgte sie der Argumentation von Verteidiger Alexander Berndt. „Meinem Mandanten tut es unfassbar leid“, sagte Berndt. „Er leidet sehr darunter, einen Menschen überfahren zu haben.“ Die Staatsanwaltschaft hatte 1350 Euro Geldstrafe gefordert, in diesem Fall drei Monatseinkommen. Nicht völlig ausgeschlossen ist übrigens auch, dass der betrunkene Mann vorher bereits von einem anderen Auto überfahren worden ist. „Dies geistert durch die Akten“, so Anwalt Alexander Berndt. Fest steht, dass die alarmierten Polizisten zunächst von einer Unfallflucht ausgegangen waren.

„Wir konnten nicht feststellen, woher das kam“, erklärte Richterin Freese-Schmidt. „Wahrscheinlich hat es vorher keinen Unfall gegeben. Aber 100-prozentig ausschließen kann ich es nicht.“ Der Student war jedenfalls nicht geflüchtet, sondern hatte am Unfallort gewartet.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hätte der Angeklagte erkennen müssen, dass ein Mensch auf der Fahrbahn lag. Aus gutachterlicher Sicht war dies jedoch nicht sofort erkennbar. Der Körper lag dort nämlich in Längsrichtung. Vom Gericht bestellte Sachverständige, die den Unfall nachgestellt haben, kommen lediglich zu dem Schluss, dass der Autofahrer vor der Kollision „etwas“ gesehen hat. „Für ihn war jedoch nicht zu erkennen, dass es ein Mensch war.“

Ein Zeuge, der hinter dem Studenten gefahren war und „ein dumpfes Geräusch“ hörte, beschreibt die Sicht als „nicht besonders gut, es war trübe“. Außerdem habe sich der Unfall zwischen zwei Laternen ereignet – genau in dem Bereich, wo es dunkel gewesen sei. Einer Anwohnerin war das spätere Opfer bereits vor dem Unglück aufgefallen. Der Mann sei „ziemlich alkoholisiert“ gewesen. Er habe an der Bushaltestelle auf dem Bürgersteig gesessen und versucht, auf die Bank zu kommen. Wie das Opfer auf die Fahrbahn gelangt ist, bleibt offen. ly




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